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Prof. Dr. Stefan Mückl zu Gast bei Vatican News Prof. Dr. Stefan Mückl zu Gast bei Vatican News 

Unser Sonntag: Wunderbarer Fischfang am See von Tiberias

Die Szene spielt nach der Auferstehung und Jesus tadelte immer wieder den Unglauben und die Verstocktheit der Jünger. Stefan Mückl, Professor für Kanonisches Recht an der Päpstlichen Universität Santa Croce in Rom, erläutert in seiner Betrachtung zu diesem Evangelium, warum der ungläubige Thomas nicht zufällig bei diesem Fischfang dabei war.

Stefan Mückl - Vatikanstadt

3. Sonntag der Osterzeit (Joh 21,1-21)

Zweimal berichten uns die Evangelisten von einem wunderbaren Fischfang; Lukas im 5. Kapitel und, nach der Auferstehung des Herrn, Johannes im 21. Kapitel. Beide Male spielt, neben dem Herrn selbst, Petrus eine besondere Rolle.

Unser Sonntag - zum Nachhören:

Der Rahmen in beiden Berichten ist ähnlich: Petrus und seine Begleiter haben die ganze Nacht gearbeitet und sich abgemüht – vergeblich. Gleichwohl fordert sie ein Unbekannter auf, abermals die Netze auszuwerfen. Das Ergebnis ist überwältigend, der Fang überreich. Nun erkennen die Fischer, wer jener rätselhafte Unbekannte ist, der ihnen jene neuerliche Anstrengung zumutete, nochmals die Netze auszuwerfen. Der Herr, der Kyrios, Gott selbst.

Dialog zwischen Jesus und Petrus

In beiden Berichten entfaltet sich nun ein Gespräch zwischen Jesus und Petrus. Bei Lukas fällt Petrus Jesus zu Füßen. Ergriffen vom Schrecken vermag er nur seine Sündhaftigkeit zu bekennen (Geh weg von mir, denn ich bin ein sündiger Mensch). Doch dieser Schrecken setzt voraus, daß er weiß, mit wem er spricht: jenen Unbekannten, den er vor dem Fischfang Meister (rabbi) genannt hatte, bekennt er nun als den Herrn (kyrios). So lautete seinerzeit die jüdische Bezeichnung für „Gott“. Der wunderbare Fischfang führt Petrus zur Erkenntnis: Dieser Unbekannte, Jesus, ist Gott. Und Jesus antwortet ihm mit jener Tröstung, die wir so oft in der Heiligen Schrift lesen: Fürchte dich nicht! Der Tröstung folgt eine Verheißung: Von jetzt an wirst du Menschen fangen. Nicht nur Petrus, sondern auch seine Begleiter, verließen alles und folgten ihm nach. Alles steht und fällt mit dem Erkennen, das zum Bekenntnis wird: Jesus ist der Herr, ist Gott. Er beruft uns in seine Nachfolge.

Schwankender Glaube der Jünger

Der zweite wunderbare Fischfang, das Evangelium von heute, spielt nach Ostern. Petrus und die Jünger sind dem Auferstandenen bereits mehrfach begegnet. Doch die Haltung der Jünger ist schwankend: Gewiß, der andere Jünger (jener, den Jesus liebte, also Johannes) sah und glaubte angesichts des leeren Grabes (Joh 20,8). Auch freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen (Joh 20,20). Doch umgekehrt tadelte der Herr ihren Unglauben und ihre Verstocktheit, vor allem bei Thomas (Joh 20,25-27). Gewiß ist es kein Zufall, daß gerade dieser Thomas nun Augenzeuge des wunderbaren Fischfangs wird, ebenso wie Nathanael, der erst nicht glauben wollte, daß aus Nazaret etwas Gutes kommen könne (Joh 1,46). Und schließlich ist da wieder Petrus, der beim letzten Abendmahl zum Herrn gesagt hatte: Warum kann ich dir jetzt nicht folgen? Mein Leben will ich für dich hingeben (Joh 13,37). Wir wissen, wie kurz dieser Vorsatz hielt – wenig später sollte er Jesus dreimal verleugnen.

Eben diesen Petrus fragt nun der auferstandene Herr dreimal: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Beim ersten Mal ist die Frage sogar gesteigert (liebst du mich mehr als diese?). Den Herrn mehr lieben als die anderen Jünger, Ihn auch mehr lieben als der Jünger, den Jesus liebte, den „Lieblingsjünger“ Johannes? Petrus antwortet gewissermaßen in der einfachen Form, ohne den Vergleich mit den anderen aufzunehmen:

„Ja, Herr, du weißt, daß ich dich liebe.“

Ja, Herr, du weißt, daß ich dich liebe. ... Herr, du weißt alles; du weißt, daß ich dich liebhabe. Auf jede dieser Antworten gibt der Herr dem Petrus mehr als eine Verheißung (wie noch beim ersten wunderbaren Fischfang), er erhält einen konkreten Auftrag. Er soll nicht bloß Menschen fangen, sondern für sie Sorge tragen, sie weiden und hüten. Übersetzt man den griechischen Text wörtlich, so lautet der Auftrag an Petrus: Weide meine Lämmer! Hüte meine Schafe! Weide meine Schafe! Für die Kirchenväter sind die Lämmer diejenigen, die erst allmählich in den Glauben eingeführt werden (in dieser Osterzeit denken wir vor allem an die in der Osternacht Neugetauften), die Schafe hingegen die bereits an Christus Glaubenden. Ihnen allen hat die Hirtensorge des Petrus zu gelten – und ebenso seiner Nachfolger in diesem Hirtendienst, den Päpsten, wie auch den Bischöfen: Weiden und hüten. Alkuin von York, der wohl bedeutendste Gelehrte zur Zeit Karls des Großen, erklärt diesen Hirtendienst so: es „bedeutet ..., die Gläubigen in Christus zu stärken, damit sie nicht vom Glauben abfallen; es bedeutet, (ihnen), wo nötig, irdische Hilfe zu geben und das Wort nicht nur zu predigen, sondern auch ein Beispiel an Tugend zu geben; es bedeutet den Widersachern entgegenzutreten und die Irrenden auf den rechten Weg zurückzuführen.“

Liebe zu Gott: Seinen Willen erfüllen

Genau darin besteht die Liebe, die Jesus von Petrus erbittet – eine Liebe, die sich nicht in Gefühlen und Versprechen erschöpft (so anrührend sie, wie beim letzten Abendmahl auch sein können), sondern eine Liebe, die ihren Gehalt nicht aus dem eigenen Wollen bezieht, sondern aus dem Willen Gottes. Eben darin besteht die wahre Liebe zu Gott: Seinen Willen zu erfüllen – so wie Jesus es uns im Vaterunser gelehrt hat (dein Wille geschehe [Mt 6,10]) und wie Er es vor Seiner Passion selbst gebetet hat (nicht mein, sondern dein Wille soll geschehen [Lk 22,42]). So kann er nun dem Petrus, der seine geläuterte Liebe zum Ausdruck gebracht hat, abverlangen: Als du noch jung warst, ... konntest (du) gehen, wohin du wolltest. Wenn du aber alt geworden bist, (wird) ... ein anderer ... dich führen, wohin du nicht willst. Dorthin gehen, wohin man selber nicht gehen wollte oder würde, aber sich vom Herrn senden läßt, ist jene Liebe, die zur wahren Nachfolge des Herrn befähigt: Folge mir nach!, so schließt das heutige Evangelium. Jetzt, erst jetzt, kann Petrus das auch erfüllen, was er nach dem ersten wunderbaren Fischfang begonnen und beim letzten Abendmahl, noch voreilig, versprochen hatte.

„Werft das Netz ...aus, und ihr werdet etwas fangen.“

Dem Herrn nachfolgen – das ist die Sendung und Berufung eines jeden Christen, nicht nur einiger herausgehobener Amtsträger. Um Ihm wirklich nachfolgen zu können, bedarf es zweierlei: Ihn zu kennen, er-kennen, und Ihn zu lieben. Beides lehren uns die Berichte vom wunderbaren Fischfang. Jesus als den Herrn erkennen, vor Dem wir selbst nur unsere Unzulänglichkeit eingestehen können. Jesus als den Herrn lieben, der uns all das gibt, was wir zum Leben – zum wahren, ewigen Leben – brauchen.

Was das ist, was wir brauchen, zeigt uns das Bild vom überreichen Fischfang: Beide Male sind die Netze so voll, daß sie kaum eingeholt werden können. Im heutigen Evangelium heißt es, das Netz war mit hundertdreiundfünfzig großen Fischen gefüllt. Der hl. Augustinus deutet diese Zahl als Hinweis auf die Mittel des Heils: das Gesetz in Gestalt der Zehn Gebote und die Gnade in Gestalt der sieben Sakramente. Seine Erklärung lautet: „Wenn zum Gesetz ... die Gnade hinzutritt, das heißt, zum Buchstaben der Geist, dann wird der Zehnzahl die Siebenzahl hinzugefügt ... Wenn also zur Zehnzahl des Gesetzes der Heilige Geist durch die Siebenzahl hinzutritt, ergibt das 17. Wer aber die Zahlen von Eins bis zu dieser Zahl zusammenzählt, der kommt auf 153.“

Mögen wir heute eine solche Zahlenallegorik auch zurückhaltend sehen, so bleibt doch festzuhalten, daß der Herr uns all das in überreichem Maße gibt, was wir nötig haben: Das Wort des Gesetzes, nach dem Psalmisten meinem Fuß eine Leuchte, ein Licht für meine Pfade (Ps 119,105) und die Gnade des Heiligen Geistes, die vor allem in den Sakramenten über uns ausgegossen wird. Wer den Herrn sucht und sich müht, der vermag Ihn zu finden. Er selbst hatte ja Petrus und seinen Begleitern im heutigen Evangelium verheißen: Werft das Netz ... aus, und ihr werdet etwas fangen. Dieses etwas war die Fülle, die uns der auferstandene Herr schenkt, damals wie heute.

(vatican news)

 

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04. Mai 2019, 11:16