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Vatican News
Bischof Franz Jung Bischof Franz Jung  (Fotoagentur Klaus Landry Fotograf@t-online.de)

D: Würzburger Bischof gegen Aufhebung des Zölibats

Der Würzburger Bischof Franz Jung hält mit Blick auf die Missbrauchsstudie nichts von einer Aufhebung des Zölibats. Die verpflichtende Ehelosigkeit von Priestern entbinde aber nicht von der Auseinandersetzung mit der eigenen sexuellen Reife.

Bischof Jung äußerte sich beim Priester- und Diakonentag am Montag in Heidenfeld zur Missbrauchsstudie und der Debatte um das Zölibat. Der Prozess der Auseinandersetzung mit der eigenen sexuellen Identität werde jedem Menschen abverlangt und bleibe eine lebenslange Aufgabe. „Beunruhigen sollte es uns doch, dass 90 Prozent des sexuellen Kindesmissbrauchs gesamtgesellschaftlich betrachtet im Elternhaus geschieht.“

Es stehe für ihn zudem außer Zweifel, dass das Versprechen der Ehelosigkeit auch für Priester mit homosexueller Orientierung gelte, so der Bischof weiter. „Homo- wie heterosexuell veranlagte Priester sind gleichermaßen dazu aufgerufen, einen reifen und erlösten Umgang mit der eigenen Sexualität zu entwickeln.“ In nur wenigen Fällen führe eine verunglückte Integration der Sexualität in sexuellen Missbrauch.

Macht- und Karrierestreben ebenfalls gefährlich

Jung sprach von anderen Folgeerscheinungen, für die auch Kleriker anfällig seien. „Macht- und Karrierestreben, unbarmherzige Rechthaberei, mondäner Lebensstil, Fixierung auf finanzielle Fragen, innere Kündigung, fehlendes Selbstwertgefühl, Rückzug auf sich selbst, depressive Verstimmung, lähmende Müdigkeit - die Liste ließe sich fortsetzen.“

Zugleich betonte der Bischof, derzeit werde überhaupt nicht mehr erwähnt, dass viele Geistliche ihren Dienst gut getan und sich nach Herzenskräften bemüht hätten, gute Seelsorger zu sein. „Verstörend und in meinen Augen auch verletzend sind viele Pauschalurteile, nicht zuletzt auch aus dem Mund kirchlicher Würdenträger, die über die Priester gefällt werden und die wir alle, ich als Bischof und Sie als meine direkten Mitarbeiter, ertragen müssen. Das tut weh.“

Handlungsbedarf sieht Jung bei der Begleitung der Geistlichen. Die Missbrauchsstudie habe gezeigt, dass die meisten Missbrauchstaten etwa 13 Jahre nach der Priesterweihe im Alter zwischen 40 und 42 Jahren begangen würden. Sie stünden damit in einem Zusammenhang mit einer Phase fehlender geistlicher Orientierung, wahrscheinlich ausgelöst durch eine Lebenskrise.

Hier bräuchte es für die Priester eine Unterbrechung, um die eigene Berufung zu vertiefen. Die Personalabteilung des Bistums sei beauftragt, ein entsprechendes Konzept zu erstellen.

(kna – mg)

09 Oktober 2018, 10:23