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Menschenrechtler Liu Xiaobo auf einem Plakat in Honkong Menschenrechtler Liu Xiaobo auf einem Plakat in Honkong  (AFP or licensors)

D: Zeichen setzen für chinesischen Freiheitskämpfer

Aus Anlass des ersten Todestages des chinesischen Menschenrechtlers und Nobelpreisträgers Liu Xiaobo findet am Freitagabend in der Berliner Gethsemanekirche in Berlin-Mitte ein Gedenkgottesdienst statt.

Anwesend sein werden die Autorin und Vorsitzende des PEN Centers in Taipei Tienchi Martin-Liao und der chinesische Schriftsteller Liao Yiwu sowie der Liedermacher Wolf Biermann und die Schriftstellerin Herta Müller. Gefeiert wird der Gottesdienst von Pfarrer Roland Kühne. Im Interview mit domradio.de hat er über die Wichtigkeit des Gedenkens an Liu Xiaobo gesprochen.

Man muss Liu Xiaobo wirklich in eine Reihe stellen mit Martin Luther King, Dietrich Bonhoeffer, erklärt der Pfarrer Roland Kühne. Liu Xiaobo war es wichtig seine Stimme zu erheben für Menschenrechte, für Freiheit der Menschen, dass sie sich entfalten können, mit ihren Fähigkeiten, dass sie ihre Religion ausleben dürfen. Heute ist es ein Jahr her, dass der Menschenrechtler gestorben ist. Pfarrer Kühne, erinnert sich an den Moment, als er von dieser Nachricht erfuhr.

Einsatz für Menschen

 

„Als wir gehört hatten, dass Liu Xiaobo gestorben ist, haben wir dann ganz spontan einen Gottesdienst in Kempen abgehalten. Dann kam so vor zwei, drei Monaten die Idee, dass wir auch zu seinem Jahresgedächtnis einen Gedenkgottesdienst halten wollen. Und haben gedacht, dass müssen wir eigentlich in Berlin machen, weil hier auch Freunde von Liu Xia leben, die Kontakt zu ihr haben. Und wir dachten, wir wollen auf jeden Fall an ihn denken. Seine Ziele, dass es in China auf jeden Fall weitergehen muss, mit Demokratie, mit Menschenrechten. Dass wir das einfach weiter äußern. Und wir hatten gehofft damit auch ein Zeichen zu setzen, dass Liu Xia frei kommt.“, sagt Pfarrer Kühne.

Zum Nachhören

Und das ist sie. Die Witwe von Liu Xiaobo ist am 10. Juli 2018 frei gekommen und ist noch am gleichen Tag nach Deutschland gereist. Am Gottesdienst wird sie aus gesundheitlichen Gründen leider nicht teilnehmen können, erklärt der Priester. Man wolle aber auch an sie in diesem Gottesdienst denken. Vor allem aber wolle man Liu Xiaobo gedenken. Für seinen Einsatz für die Menschen. Dieses besondere Engagement für China und den Menschenrechtler entstand bereits 2010, erklärt Pfarrer Kühne. In Kempen in NRW ist er Religionslehrer und unterrichtet an einem Berufskolleg.

„Ich sage immer zu meinen Schülern: mir ist auch im Religionsunterricht die Aktualität wichtig, was in der Welt so passiert. Als wir 2010 davon gehört haben, dass Liu Xiaobo den Friedensnobelpreis bekommt, haben wir überlegt, was wir machen können, um ein Zeichen zu setzen. Und dann kamen wir auf die Idee, dass wir nach Berlin fahren, dort vor der chinesischen Botschaft demonstrieren und die Stimme erheben. Dass wir das nicht richtig finden und dass es gegen die Menschenrechte verstößt, dass Liu Xiaobo festgehalten wird. Damals waren so 50 Schülerinnen und Schüler dabei und im Laufe der Jahre ist es dann immer mehr herangewachsen, so dass wir am Ende mit 350 Schülerinnen und Schüler vor der chinesischen Botschaft demonstriert haben.“, berichtet der Pfarrer aus Kempen.

Friedensgebete in Gethsemanekirche

 

Und auch heute wird wieder ein Zeichen für ihn gesetzt. In der Gethsemanekirche in Berlin-Mitte, in der schon 1989 die sogenannten Friedengebete abgehalten wurde und wo auch heute noch für Menschen gebetet wird, die wegen ihrer politischen Einstellung oder ihrer religiösen Einstellung inhaftiert sind. Genau so, wie Liu Xiaobo der in China 2009 zu elf Jahren Haft verurteilt worden ist, weil er sich für demokratische Reformen eingesetzt hatte.

Von diesem Gedenkgottesdienst, erhofft sich der Pfarrer, dass es ein Zeichen wird, für alle Menschen, die im Gottesdienst sind und die davon erfahren. „Sich wirklich weltweit für die Menschenrechte einzusetzen. Wir sind eine Familie, so wird es in der Präambel der Menschenrechte auch formuliert. Wenn wir das schaffen, vor allem auch bei den jungen Leuten, das in ihnen wachzurütteln, dann denke ich, hätten wir ein sehr schönes Zeichen gesetzt“, sagt Roland Kühne.

(domradio - mf)

13 Juli 2018, 15:03