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Hat den aktuellen Streit ausgelöst: Innenminister Horst Seehofer (CSU) Hat den aktuellen Streit ausgelöst: Innenminister Horst Seehofer (CSU)  (AFP or licensors)

„Nationalismus statt Menschlichkeit“: Kirche kritisiert Polemik im Asylstreit

Der deutsche Jesuiten-Flüchtlingsdienst sieht den Asylstreit in der Union und die Position des CSU-Bundesinnenministers kritisch. Auch der Essener Generalvikar findet Stil und Tonfall der CSU-Führungskräfte in der Asyldebatte bedenklich.

„Statt auf Menschlichkeit setzt Horst Seehofer auf Nationalismus und bedient rassistische Ressentiments", sagte JRS-Direktor Claus Pfuff am Dienstag in Berlin. Er beobachte mit großer Sorge, wie das Mitgefühl aus der Debatte um Menschen auf der Flucht verschwinde und „auch immer wieder Angehörige christlicher Parteien extremistische Schlagworte salonfähig machen".

Der Jesuit kann den aktuellen Anlass für die Regierungskrise nach eigenen Worten nicht nachvollziehen: „Wenn ein Innenminister die Regierung zwingt, alles von diesem einen Thema abhängig zu machen, geraten die politischen Verhältnisse aus den Fugen. Obwohl Asylsuchende und anerkannte Flüchtlinge nur zwei Prozent der Bevölkerung ausmachen, richtet sich alle Aufmerksamkeit auf die Abwehr und Kriminalisierung von Flüchtenden." Das erwecke den Anschein, als gäbe es keine anderen dringlichen Aufgaben wie etwa Wohnungsbau, Bildungssystem, Rentensicherheit, Gesundheitswesen, Digitalisierung oder Klimawandel.

 

„Brachiale Sprache"

 

Der Essener Generalvikar Klaus Pfeffer kritisierte Stil und Tonfall der CSU-Führungskräfte in der Asyldebatte. In teils „brachialer Sprache" werde der sich ausbreitende Rechtspopulismus nicht nur verbal bedient, schreibt der katholische Geistliche am Dienstag auf Facebook und verweist auf die vom bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder verwendete Formulierung „Asyltourismus".

Die CSU sei längst dabei, eine rechtspopulistische Partei zu werden, findet Pfeffer. Es gehe allein um den Erhalt der CSU-Macht. Besonnenheit und Bemühen um differenziertes Denken und Sprechen würden durch einfache Thesen und subtil aggressive Töne nach dem Muster „Germany first" oder „Bavaria first" bedient.

(kna – pr)
 

19 Juni 2018, 14:17