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Die "Smartphone-Lüge", wonach die Caritas jedem Flüchtling ein Handy schenkte, hielt sich hartnäckig Die "Smartphone-Lüge", wonach die Caritas jedem Flüchtling ein Handy schenkte, hielt sich hartnäckig  (AFP or licensors)

Österreich: Verurteilter Lügner lernt fürs Leben im Asylquartier

Eine nicht alltägliche Fastenzeit-Geschichte: Ein Wiener Gericht erkennt einen Österreicher für schuldig, im Internet Lügen über die Caritas und Flüchtlinge verbreitet zu haben. Statt einer Strafe einigt sich der Mann mit Caritas darauf, einen Tag lang im Asylquartier mitzuhelfen. Und lernt fürs Leben.

Das Fazit von Franz R.: „Bei mir hat das Hirn ausgesetzt. Man soll sich immer beide Seiten anhören. Das ist der Grundsatz, den ich mir auferlegt habe." So äußerte sich der Wiener am Sonntag gegenüber der Tageszeitung „Kurier".

Die katholische Hilfsorganisation hatte den Mann verklagt, weil er im Onlinebereich eines österreichischen Mediums behauptet hatte, die Caritas würde Flüchtlingen um 1.500 Euro ein Handy kaufen. Das Gerücht hielt sich trotz zahlloser Dementi hartnäckig im Internet. Nach dem Schuldspruch für Franz R. einigte man sich auf den Freiwilligendienst, denn Vorurteile könnten am besten durch Begegnungen abgebaut werden, sagte Klaus Schwertner, Generalsekretär der Caritas Wien, kürzlich gegenüber „Kathpress". 

Und scheinbar hat der Tag im Flüchtlingsheim gefruchtet: Obwohl ihm „das alles sehr zusetzt“, habe er im Asylquartier am vergangenen Freitag „einen positiven Vormittag erlebt". Heute wisse er, dass er „einer falschen Information aufgesessen" ist, so der Wiener. Schuld sei der „EU-Bauer" aus dem Villacher Fasching gewesen. Manfred Tisal, der die Rolle bis 2017 spielte, wetterte auf Facebook über „die Asylanten", die „mit Smartphone und nagelneuen Bikes" an seinem Balkon vorbeigingen. Als Franz R. das las, sei in ihm Wut aufgestiegen und das Hirn habe ausgesetzt. 

Dass er gegen Flüchtlinge Stimmung gemacht hat, wisse nur seine Frau. Vor Bekannten halte er die Sache geheim und auch seine Kinder wüssten nichts davon. Zu groß sei seine Scham über den Vorfall. 

Dass er bisher aber auch schon schlechte Erfahrungen mit Flüchtlingen gemacht habe, wolle er trotzdem nicht verschweigen. Einmal sei er mit vollbepackten Einkaufstaschen in sein Wohnhaus gekommen, in dem auch eine Flüchtlingsfamilie wohne. „Die Frau geht einen Meter vor mir und hält mir nicht die Tür auf." Gute Erziehung, wie er sie genossen habe, gebe es heutzutage nicht mehr. „So etwas ist für mich ein Gradmesser", sagte er und meinte: „Wer in Österreich was verdient, wird zur Kasse gebeten. Unsereiner wartet monatelang auf einen Arzt-Termin, andere kommen und kriegen sofort eine Untersuchung."

(kap – gs)

04 März 2018, 16:13