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Erzbischof Charles Scicluna bleibt nach seiner Operation noch einige Tage in Chile Erzbischof Charles Scicluna bleibt nach seiner Operation noch einige Tage in Chile  (ANSA)

Chile: Missbrauchsermittlungen planmäßig abgeschlossen

Der zur Aufklärung von Vertuschungsvorwürfen gegen Bischof Juan Barros nach Chile entsandte Sonderermittler, Erzbischof Charles Scicluna, hat nach einer kurzfristig notwendig gewordenen Gallenblasenoperation am Freitag das Krankenhaus wieder verlassen. Scicluna dankte während einer improvisierten Pressekonferenz den behandelnden Ärzten für die professionelle Betreuung.

Die chilenische Bischofskonferenz teilte mit, Scicluna bleibe noch weitere fünf Tage in Chile. Während seines Krankenhausaufenthaltes hatte der spanische Geistliche Jordi Bertomeu, der zur Delegation Sciclunas gehörte, die Gespräche weitergeführt. Zum planmäßigen Abschluss der Unterredungen sagte Bertomeu an diesem Freitag vor Journalisten: „Wir haben uns durch die Intensivität des Leidens etwas überrollt gefühlt. Wir haben versucht, zuzuhören, und waren bereit, in dieses Leid einzutreten.“

Vier Tage lang hatten die vatikanischen Missbrauchsermittler Menschen angehört, die neue Informationen zu den Vertuschungsvorwürfen gegen den chilenischen Bischof Juan Barros vorbringen wollten. Nun seien die „Erwartungen erfüllt” worden, betonte Bertomeu: „Der Heilige Vater hat uns gebeten, zuzuhören, und das haben wir getan, nun müssen wir all diese Informationen bearbeiten, um sie dem Heiligen Vater vorzulegen.“

Während seines Aufenthaltes in Chile könnte Erzbischof Scicluna noch mit weiteren Menschen sprechen, die Informationen vorzubringen wünschten, betonte Jordi Bertomeu. Auf die Frage, ob auch Bischof Barros angehört worden sei, antwortete der Geistliche: „Es ist klar, dass er gekommen ist.“ Es habe sich um ein “herzliches Gespräch” gehandelt, führte er weiter aus.

Scicluna war von Papst Franziskus in die USA und nach Chile geschickt worden, um dort mit Opfern sexuellen Missbrauchs zu sprechen. Insbesondere geht es um die Frage, ob der chilenische Bischof Juan Barros, ein früherer Schützling des Täters und Priesters Fernando Karadima, von den Taten gewusst und sie verschwiegen hat.

“ Nicht von Beweisen, sondern von Indizien sprechen ”

Papst Franziskus hatte auf seiner Reise nach Chile den von ihm ernannten Bischof Barros verteidigt und gesagt, ihm lägen keine Beweise dafür vor, dass dieser vom Missbrauch durch Karadima gewusst habe. Dafür erntete der Papst teils heftige Kritik.
Auf dem Rückflug nach Rom bat er anschließend um Entschuldigung für seine Wortwahl: Viele Missbrauchsopfer könnten keine Beweise für das Erlittene beibringen oder schämten sich, diese offenzulegen. Statt von „Beweisen“ müsse man richtiger von sicheren Indizien sprechen. Das Wort „Beweis“ habe die Opfer verletzt. „Den Papst sagen zu hören: ,Bringt mir einen Brief mit dem Beweis´, ist eine Ohrfeige“, so Franziskus.

Auf dem Hinflug nach Chile hatte Scicluna sich bereits in den USA mit einem der Opfer getroffen. Juan Cruz hatte Medienberichten zufolge bereits 2015 Hinweise auf Barros' Mitwisserschaft an den Papst übergeben lassen. Ob Franziskus die Hinweise gelesen hat, ist unklar.

Der aus Malta stammende Scicluna ist seit 2002 in der Vatikanischen Glaubenskongregation für die Untersuchung besonders schwerer Vergehen durch Kleriker zuständig. Er gilt als einer der erfahrensten kirchlichen Aufklärer in Missbrauchsfällen.

(kna/sir - cs)

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24 Februar 2018, 11:09