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Nicht in Wien, sondern im Libanon: Flüchtlingslager Nicht in Wien, sondern im Libanon: Flüchtlingslager  (AFP or licensors)

Österreich: „ Hier wird eine Neiddebatte geführt“

„Hier wird eine Neiddebatte geführt, zum Schaden aller.“

Mit herber Kritik hat Caritas-Präsident Michael Landau in einem „Kurier“-Interview auf die Pläne der neuen Bundesregierung reagiert, bei Sozialleistungen künftig stärker zu unterscheiden, ob jemand ins System eingezahlt hat oder nicht. „Wir müssen aufpassen, dass nicht das Verständnis für den Sozialstaat verloren geht“, so seine Warnung. Denn was Österreich groß gemacht habe, sei die Bereitschaft zusammenzustehen und die Schwächsten nicht zu vergessen. „Diesen Weg sollten wir weitergehen.“

Wenn die Schwachen von wo anders kämen und die hier Lebenden Angst vor einer Überforderung des Sozialstaates hätten, „dann erlaube ich mir daran zu erinnern, dass es keiner Mindestpensionistin besser geht, wenn es einer geflüchteten Mutter und ihrem Kind schlechter geht“, sagte Landau. Natürlich gelte es den Sozialstaat weiterzuentwickeln. „Aber wir können uns nicht leisten, auf ihn zu verzichten.“

Das Prinzip des Belastungsausgleichs in einem funktionstüchtigen Sozialstaat erklärte der Caritas-Chef am eigenen Beispiel: „Am Anfang meines Lebens war ich Netto-Empfänger. Meine Eltern hätten mir Schule und Studium nie bezahlen können. Derzeit bin ich Netto-Zahler. Ich bin gesund, habe eine Arbeit, keine wesentlichen Behinderungen. Am Ende meines Lebens werde ich wieder Netto-Empfänger sein, weil ich Gesundheitsleistungen brauche.“ Es sei wichtig, sich vor Augen zu halten, „dass man von heute auf morgen erkranken kann - und dass der solidarische Ausgleich in dem Fall hilft“. 

Dem FPÖ-Vorschlag, Asyllager an Wiens Stadtrand zu errichten, kann Landau nichts abgewinnen. „Ich war oft in Flüchtlingslagern unterwegs. Wer die Bilder aus dem Nordirak, dem Libanon oder Jordanien kennt, fragt sich: Welch' Geistes Kind will Ähnliches für Wien?“

An die heimische Politik richtete Landau den Wunsch: „Im Blick nach vorne braucht es Zuversicht und Zusammenhalt.“ Er sei Optimist, da er sehe, wie viele Menschen bereit zum Einsatz für andere seien. Bei den Suppen-Bussen der Caritas habe sich die Zahl der Freiwilligen in drei Jahren verdoppelt, österreichweit engagierten sich Zigtausende für Menschen in Not. Landau: „Es gibt einen guten Grundwasserspiegel der Nächstenliebe, der ist zu Weihnachten besonders spürbar.“

(kap)

24 Dezember 2017, 12:42