Papst Franziskus bei einem Besuch in der Kinderklinik, links im Bild: die Präsidentin des Kinderkrankenhauses Bambino Gesù, Mariella Enoc Papst Franziskus bei einem Besuch in der Kinderklinik, links im Bild: die Präsidentin des Kinderkrankenhauses Bambino Gesù, Mariella Enoc 

Vatikan/Ukraine: 360-Grad-Versorgung über Bambino Gesu-Klinik

Ärzte, Psychologen, Pädagogen, Seelsorger: Über das päpstliche Kinderkrankenhaus Bambino Gesu und das dazugehörige Hilfsnetz erhalten ukrainische Flüchtlingskinder und ihre Familien eine 360-Grad-Betreuung.

Papst Franziskus hatte dem Bambino Gesu-Krankenhaus bereits im März ausdrücklich für die Aufnahme und Versorgung ukrainischer Flüchtlingskinder gedankt. Die Zahl der Kriegsopfer, die aktuell über die bekannte Klinik auf dem römischen Gianicolo-Hügel betreut werden, erreicht die Einwohnerzahl eines „kleinen Dorfes“, sagte uns im Interview die Kinderärztin Lucia Celesti.

„Aktuell werden von uns mehr als 1.150 Kinder betreut, hinzukommen deren Familienangehörige. Das ergibt insgesamt fast ein kleines Dorf – ich selbst stamme aus einem Ort in der Toskana mit 7.000 Einwohnern, da sind wir schon fast“, berichtet die italienische Ärztin, die im Bambino Gesu-Krankenhaus für die Aufnahmestelle zuständig ist.

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Wunden des Krieges

Jenseits von physischen Problemen sei bei den Flüchtlingen eine starke psychische Belastung durch die Kriegserfahrungen zu beobachten, so Celesti:

„Es gibt Familien, die durch diesen Krieg, der so plötzlich kam, wirklich am Boden zerstört wurden. Die Menschen wurden von den Bomben teils völlig überrascht: einige während einer Familienfeier, andere in der Nacht. Da gab es zwei Jungen, die gemeinsam Geburtstag feierten, als der Angriff kam, der Überlebende fühlt sich heute schuldig am Tod seines Freundes. Das sind schwerweigende psychologische Mechanismen… Es sind Familien wie unsere eigenen hier: Stellen wir uns vor, wir müssen heute in den Keller runter, müssen fliehen, werden auf der Flucht von Kugeln oder Bomben getroffen. All das muss auch psychologisch bewältigt werden.“

360-Grad-Betreuung

In die Betreuung der Flüchtlinge sind von Ärzten über Psycholgen und Sozialarbeiter bis zu Übersetzern verschiedene Experten involviert, berichtet Celesti, es handele sich um eine 360-Grad-Betreung.

„Die Flüchtlinge kommen manchmal auch plötzlich nachts und am Wochenende an; wir begleiten sie über den ganzen Prozess hinweg. Es gibt den Sozialdienst, der Unterbringungen sucht. In unseren (den mit dem Krankenhaus verbundenen, Anm.) kostenlosen Heimen kommen teils Familien mit bis zu acht Personen unter. Erzieher und Psychologen kümmern sich um Traumabewältigung, lassen Kinder zum Beispiel etwas zeichnen. Dann gibt es noch das Freiwilligennetzwerk und schließlich das gesamte Personal der Krankenstationen: Ärzte, Krankenschwestern und Chirurgen. Immer mit dabei sind Übersetzer, die für uns dolmetschen - was unerlässlich ist.“

Die Aufnahme kleiner Patienten aus aller Welt hat im Bambino Gesu-Krankenhaus, das mit seiner Forschungseinrichtung heute als eine der führenden Kinderkliniken Europas gilt, Tradition. In Rom ist die Klinik in ein Solidaritäsnetzwerk eingebettet, im Ausland unterstützt sie etwa die Ausbildung von Ärzten und humanitäre Projekte. Entstanden ist das „Bambino Gesù“ 1869 als Privatinitiative der papsttreuen römischen Adelsfamilie Salviati. Diese schenkte das „Jesuskind-Spital“ 1924 dem Papst. 

(vatican news – pr)
 

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16. Juli 2022, 12:53