Rebellen in Loikaw, Aufnahme vom 23. November Rebellen in Loikaw, Aufnahme vom 23. November  (A)

Myanmar: Flüchtende Gläubige

Etwa fünfzig katholische Gläubige, darunter ein Bischof sowie mehrere Priester und Ordensleute, sind vor Soldaten des Regimes aus der Kathedrale von Loikaw geflohen.

Die Soldaten besetzten am Montag das Gelände der Kathedrale, wie die Nachrichtenagentur ucanews berichtet. Eine Gläubige sprach gegenüber der Nachrichtenagentur von einer „Entweihung unseres heiligen Ortes durch die Junta-Truppen“. Viele Katholiken sind jetzt besorgt über die Sicherheit von Bischof Celso Ba Shwe und seinen Mitarbeitern.

Bischof Shwe und fast fünfzig Personen hielten sich im Moment der Besetzung auf dem Gelände der Kathedrale auf, obwohl mehr als 40.000 der 50.000 Einwohner der Stadt seit dem 11. November vor Luftangriffen und Artilleriebeschuss des Regimes gegen Rebellen im Bundesstaat Kayah geflohen sind. Die Rebellengruppen, darunter die „Karenni Nationalities Defense Force“, und die Armee kämpfen um die Kontrolle von Loikaw, der Hauptstadt des Bundesstaates Kayah.

Binnenflüchtlinge in einem der Camps bei Loikaw
Binnenflüchtlinge in einem der Camps bei Loikaw

Fünf Granaten eingeschlagen

Die Soldaten betraten den Kathedralkomplex erstmals am Sonntag, verließen ihn jedoch nach Beschwerden von Kirchenvertretern wieder. Am Tag darauf stürmten sie jedoch den Komplex und übernahmen die Kontrolle, so die Kirchenvertreter.

„Am Abend des 26. November schlugen mindestens fünf von den Regime-Kräften abgefeuerte Granaten in den Komplex ein. Es gab jedoch keine Verletzten“, sagte eine kirchliche Quelle gegenüber ucanews. Bereits im November 2021 hatte das Regime, das am 1. Februar desselben Jahres durch einen Putsch an die Macht gelangt war, das Bischofshaus, Kirchengebäude und eine Klinik in dem Komplex gestürmt und 18 Mitarbeiter des Gesundheitswesens verhaftet.

Zerstörungen in einer Kirche in Loikaw nach Beschuss durch die Armee im Mai 2021
Zerstörungen in einer Kirche in Loikaw nach Beschuss durch die Armee im Mai 2021

Allein im Bundesstaat Kayah: 250.000 Vertriebene in 200 Lagern

Die Christ-König-Kathedrale, die älteste noch erhaltene Kirche im Bundesstaat Kayah, wurde 1939 erbaut. Sie ist bekannt für ihre Mischung aus traditioneller europäischer Kirchenarchitektur und lokalem buddhistischen Stil. Bischof Shwe spielte eine Vermittlerrolle zwischen den unbewaffneten Demonstranten, zu denen auch Christen gehörten, und den Sicherheitskräften, als es im Mai 2021 nach dem Militärputsch in Loikaw zu Zusammenstößen und Protesten kam.

Nach Angaben von Hilfsorganisationen sind im Bundesstaat Kayah rund 250.000 Vertriebene in 200 Lagern untergebracht. Etwa 80.000 von ihnen leben in Lagern, die von der Kirche betrieben werden. Christen machen 46 Prozent der 350.000 Einwohner des Bundesstaates aus. Etwa 90.000 von ihnen sind Katholiken.

Nahezu 26 der 41 Pfarreien in der Diözese Loikaw wurden nach Angaben der Kirche angesichts der Kämpfe aufgegeben. Luftangriffe und Granatenbeschuss haben Dutzende von Kirchen und Klöstern in dem Bundesstaat getroffen. Christen machen fast 6 Prozent der 54 Millionen Einwohner Myanmars aus, von denen die Mehrheit Buddhisten sind.

(ucanews – sk)
 

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29. November 2023, 12:23