Ein Bild der Zerstörung im Dorf Ouirgane Ein Bild der Zerstörung im Dorf Ouirgane  (ANSA)

Marokko: „Der Bedarf ist riesig“

Die Behörden in Marokko haben viele Angebote aus dem Ausland abgeschmettert, nach dem Erdbeben Hilfe zu leisten. Die Caritas allerdings muss da gar nicht erst um Erlaubnis fragen: Sie ist ja einheimisch und hat sich gleich mobilisiert.

Zum Beispiel Evelyne de Villegas: Sie lebt seit zwanzig Jahren in Marrakesch, ist freiwillige Mitarbeiterin der Caritas Marokko und reiste schon am Sonntag, nur Stunden nach den verheerenden Erdstößen, zusammen mit Pater Oscar Garcia Padilla, Caritas-Direktor aus Rabat, in die kleinen Dörfer im Atlasgebirge. „Wir haben uns mit einem Bekannten getroffen, der Bergführer ist. Sein ganzes Dorf ist dem Erdboden gleichgemacht!“

Die größte Schwierigkeit liege darin, dass einige betroffene Gebiete kaum zugänglich seien. „In einigen Dörfern werden noch Leichen geborgen, es werden Gruben für Männer, Frauen und Tiere angelegt. Es gibt verschiedene Grade der Katastrophe, die man sehen kann, aber keiner bleibt davon verschont.“

Auch Wasser ist knapp

Der Hilfsbedarf ist riesig: Zunächst müssen die Betroffenen untergebracht werden, weil die Nächte in den Bergen langsam kühl werden. „Und dann fehlen sanitäre Einrichtungen, Hygieneartikel und Erste-Hilfe-Kits. Viele wurden beim Erdbeben verletzt. Auch Wasser ist knapp; das zugängliche Wasser ist nicht unbedingt trinkbar.“

Caritas hilft Opfern des Erdbebens in Marokko - ein Bericht von Radio Vatikan

Weit über 2.000 Menschenleben hat das Erdbeben gefordert, vor allem in Süd-Marokko. Auch der Papst hat am Sonntag von Rom aus seine Solidarität mit den Opfern des Bebens erklärt – eine Botschaft, die die Menschen vor Ort sehr berührt hat. Das sagt uns Schwester Géraldine Alezeau, Leiterin der katholischen Schule La Saâdia in Marrakesch. Ihr Orden hat das Schulgebäude für die betroffenen Familien geöffnet, Tag und Nacht.

„Einige haben die Nacht in der Schule verbracht“

„Wir haben das Glück, ein solides Gebäude zu haben; aber während des Erdbebens sind alle nach draußen gelaufen, die Leute hatten große Angst. Wir haben die Schulhöfe geöffnet, um sie aufnehmen zu können, auch die Zimmer. Einige haben die Nacht in unseren Räumen verbracht.“

Inzwischen wurde allerdings der normale Schulbetrieb wieder aufgenommen: „Das ist für die Familien eine Erleichterung. Unsere Schulpsychologin steht bereit, um allen zu helfen. Im Moment kommt nur die Hälfte der Schüler zum Unterricht, weil die Eltern so viel Angst haben, dass sie sich nicht trauen, sich von ihren Kindern zu trennen.“

Im Moment kommt nur die Hälfte der Schüler zum Unterricht

Bei der Wiedereröffnung der Schule wurde eine Schweigeminute gehalten und ein Gebet gesprochen. „Wir haben die Kinder zeichnen lassen, damit sie ausdrücken, was sie erlebt haben. Man sieht eingestürzte Gebäude und Menschen am Boden, aber nur wenige scheinen wirklich traumatisiert zu sein“, erläutert die Schulleiterin.

Die Ordensschwestern in La Saâdia haben außerdem eine Kleider- und Hilfsgüter-Sammlung organisiert. Zwei Lieferwagen wurden am Montagmorgen in die am stärksten betroffenen Gebiete gefahren.

(vatican news – sk)
 

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12. September 2023, 10:48