Papst Franziskus in einem Lager für Vertriebene in Juba, Südsudan Papst Franziskus in einem Lager für Vertriebene in Juba, Südsudan 

Nuntius im Südsudan: Papstreisen „an die Ränder“ sind Zeichen an Weltgemeinschaft

Wenn Papst Franziskus Länder in schwer benachteiligten Weltregionen besucht, kommt er einem zutiefst christlichen Auftrag nach, gibt aber auch der politischen Weltgemeinschaft ein Zeichen. Das sagt im Gespräch mit uns Erzbischof Hubertus van Megen, der Nuntius im Südsudan. Franziskus hatte vor einem Monat den Südsudan und den Kongo besucht.

„Was dieser Papst wollte und was er auch bis zu einem gewissen Punkt geschafft hat, ist: Die Länder und auch die Personen, die eigentlich nicht zählen in der Weltgemeinschaft, wieder ins Zentrum zu bringen. Kongo, Sudan, es wird auch über eine Papstreise in die Mongolei gesprochen und in andere Länder, wo normalerweise keiner denkt, das sind die Fokusländer für den Papst. Und das ist nicht nur nicht nur so mit Ländern - es ist auch so mit Personen. Und das entspricht natürlich der ganzen christlichen Botschaft: Es geht um das verlorene Schaf, um Menschen, die an den Rändern der Gesellschaft leben. Das war immer das Anliegen dieses Papstes, das war auch das Anliegen von Christus.“

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Van Megen verweist aber auch auf den kirchlichen und politischen Aspekt der innovativen Reisepolitik von Papst Franziskus.

„Die Kirche hat immer die Versuchung, ein Machtinstitut zu sein, vor allem als Heiliger Stuhl. Man ist Regierung, es geht um Autorität, es geht um Macht; darum, wir entscheiden jetzt Dinge. Und oft vergisst man darüber die Menschen an den Rändern der Gesellschaft - oder zumindest ist die Versuchung da, sie zu vergessen. Man denkt, wir machen das jetzt mal, wir als Regierung, wir gehen jetzt links, rechts, ohne viel darüber nachzudenken, was das für einen Effekt haben kann auf die Leute, die nichts zu sagen haben. Dasselbe gilt in der internationalen Gemeinschaft für diese Länder am Rand. Und ich denke, mit seiner Reisepolitik hat Papst Franziskus einen neuen Zugang gewählt. Auch auf dem Gebiet der internationalen Gemeinschaft. Er sagt: Gut, wir haben die Länder, die wichtig und mächtig sind, die Vereinigten Staaten, die Europäische Union, Russland, Indien undsoweiter. Aber es gibt so viele andere Länder, an die keiner denkt und die irgendwie auch manchmal untergehen.“

Wendepunkt Papstreise

Für den Südsudan war die Papstreise in gewisser Weise ein Wendepunkt, glaubt van Megen – auch wenn die Herausforderungen für eine friedliche Zukunft gewaltig bleiben. Als Nuntius steht der Erzbischof im beständigen Austausch mit den politischen Autoritäten des Südsudan.

„Am Montag, nachdem der Papst abgereist war, hatten wir gleich ein paar Treffen mit der Regierung und andere Diplomaten auch in Juba: Alle waren sehr begeistert von diesem Besuch, und auch die Regierungsleute haben gesagt, das war ein Segen für das Land, wir müssen das jetzt ernst nehmen und wir müssen versuchen, diese Worte des Papstes in der Tat umzusetzen. Dieses Engagement ist auch wirklich noch immer da, obwohl die politische Lage sich nicht entspannt hat. Man muss ganz klar sagen: Im Moment gibt es jetzt noch mehr Spannung als vor dem Papstbesuch. Das hat an sich nichts mit dem Papstbesuch zu tun, aber bestimmte Spannungen, die wahrscheinlich schon vorher da waren, sind jetzt an die Oberfläche gekommen. Und es wird jetzt auch unsere Rolle wieder sein als Kirche, um vor allem als lokale Bischöfe auch mit der Regierung zu sprechen, mit dem Präsidenten, mit den Präsidenten, um zu sehen, wie man diese Spannungen jetzt wieder lösen und dann von da aus hier weiter aufbauen kann.“

Hintergrund

Hubertus van Megen ist Nuntius im Südsudan und in Kenia. In dieser Funktion hat er den Papstbesuch im Südsudan mit vorbereitet. Der Niederländer hat eine langjährige diplomatische Erfahrung in Afrika; er war zuvor als Nuntius im Sudan und in Eritrea eingesetzt.

(vatican news – gs)

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09. März 2023, 16:45