Trauer vor den Särgen der verunglückten Flüchtlinge in Kalabrien Trauer vor den Särgen der verunglückten Flüchtlinge in Kalabrien  (ANSA)

Italien: Migrantentragödie hat Gewissen und Glauben herausgefordert

„Mit Christus unter den Migranten im Angesicht der Gleichgültigkeit der Mächtigen.“ So lautet der Titel des Kreuzwegs, der im Gedenken an die vor Kalabrien ertrunkenen Migranten am Sonntagnachmittag am Strand von Steccato di Cutro stattfinden soll. Die Initiative wird von den Büros für Migranten und Liturgie der Erzdiözese Crotone-Santa Severina organisiert.

Mario Galgano – Vatikanstadt

Er spricht von Trauer, Mitleid und Empathie und empört sich dann über diejenigen, die sich bis heute an den Ärmsten bereichern. Das sagt Angelo Raffaele Panzetta, Erzbischof von Crotone, angesichts der Tragödie, die seine Stadt „schockiert“ hat: der Schiffbruch vor der Küste von Steccato di Cutro, bei dem am Sonntag Dutzende Menschen ihr Leben verloren haben. Sie waren von der Türkei aus mit dem baufälligen Boot eines Schleppers über das Meer gekommen.

Zum Nachhören - was der Erzbischof von Crotone sagt

68 Tote

Die Zahl der verstorbenen Migranten ist mit der Entdeckung der Leiche eines jungen Mannes an diesem Freitagvormittag auf 68 gestiegen. Es wurden 54 Opfer des Schiffbruchs identifiziert, darunter 48 mit afghanischer Staatsangehörigkeit, drei mit pakistanischer Staatsangehörigkeit, eine Person mit syrischer Staatsangehörigkeit, eine Person mit palästinensischer Staatsangehörigkeit und eine Person mit tunesischer Staatsangehörigkeit.

Für die Leichen der Opfer wurde eine Leichenkammer in der kalabrischen Stadt geöffnet. Zumindest für die, die bisher ermittelt werden konnten, da das Meer immer wieder weitere Leichen anspült. In der Sportanlage wollte Erzbischof Panzetta, der als erster den Raum betrat, ein starkes Zeichen setzen: Vor den Särgen, von denen viele weiß sind, kniete der Oberhirte nieder und betete gemeinsam mit Mustafa Achik, dem Imam der Cutro-Moschee. Die meisten der Opfer waren Muslime.

„Angesichts des Geheimnisses des Todes haben wir uns vereint, um den Gott des Lebens anzurufen“, sagte der Erzbischof gegenüber Vatican News. Und fügte an: „Im Hinblick auf der Tragödie, die sich in den letzten Tagen an der Küste der Gemeinde Cutro ereignet hat, sind wir als diözesane Gemeinschaft aufgerufen, Verantwortung für das Drama zu übernehmen, das unsere Geschwister getroffen hat.“ Der Tod und das schreckliche Leid, das diese unschuldigen Menschen auf der Suche nach einem besseren Leben auf der Flucht ergriffen habe, „hat unser Gewissen und unseren Glauben zutiefst herausgefordert“.

Tragödie vor der Küste Kalabriens
Tragödie vor der Küste Kalabriens

Das tröstende Gebet

Für die Diözese Crotone sei „eine der Möglichkeiten, wie wir als Christen dem Leid dieser unserer Brüder und Schwestern nahe sein können, sicherlich das Gebet, das genau das Instrument ist, mit dem wir die menschlichen und spirituellen Schicksale dieser Menschen demjenigen anvertrauen wollen, der alles tun kann und der alle tröstet“.

„Begleiten und unterstützen wir weiterhin mit unseren Gebeten diejenigen, die vor Elend und Krieg fliehen, und bitten wir um die Gabe des Friedens und der Achtung des menschlichen Lebens für alle“

Mit dem Kreuzweg wolle man „das menschliche Drama dieser unserer Brüder im Licht der rettenden Passion Christi lesen“, so der Erzbischof. Das liturgische Amt habe daher zwei Gebetsanliegen – eines für die Verstorbenen und eines für die Überlebenden – vorbereitet, die den Fürbitten am kommenden Sonntag hinzugefügt werden sollen, ebenso ein Gebet, das am Ende der Eucharistiefeier gemeinsam mit der Gemeinde gesprochen werden soll. „Begleiten und unterstützen wir weiterhin mit unseren Gebeten diejenigen, die vor Elend und Krieg fliehen, und bitten wir um die Gabe des Friedens und der Achtung des menschlichen Lebens für alle.“

Opfer aus Pakistan, Afghanistan, Syrien, Palästina, Tunesien

Unter den Migranten, die bei dem Schiffsunglück im süditalienischen Kalabrien ums Leben kamen, befand sich auch eine Spielerin der pakistanischen Hockeynationalmannschaft. Ihr Name war Shahida Raza, sie war 27 Jahre alt und gehörte der ethnischen Minderheit der Hazara an, die mehrheitlich schiitischen Glaubens sind und ursprünglich aus Zentralafghanistan stammen. Es handelt sich um eine seit jeher verfolgte Gemeinschaft, die sich in Pakistan auf die Stadt Quetta, die Hauptstadt der Provinz Belutschistan, konzentriert, wo es in letzter Zeit vermehrt zu Anschlägen gekommen ist.

(sir/asianews)

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03. März 2023, 11:01