Proteste auf den Philippinen aufgrund der vorzeitigen Haftentlassung Proteste auf den Philippinen aufgrund der vorzeitigen Haftentlassung 

Philippinen: Kirche wünscht sich mehr Gerechtigkeit

Die Begnadigung eines wegen Mordes verurteilten und inhaftierten US-Soldaten durch Präsident Rodrigo Duterte sorgt auch in katholischen Kreisen des Landes für Kritik. Auf Dutertes Veranlassung konnte der Mann, der einen philippinischen Transgender umgebracht haben soll, das Gefängnis vorzeitig verlassen.

„Der Gerichtsbeschluss für eine vorzeitige Entlassung und die anschließende absolute Begnadigung durch Präsident Duterte ist ein weiterer Beleg für das ungerechte Justizsystem unter der gegenwärtigen Regierung“, zitiert der katholische Nachrichtendienst Ucanews den Jesuiten Silvino Borres von der kirchlichen Koalition gegen die Todesstrafe auf den Philippinen.

Andere kämen für Begnadigung eher in Frage...

Pater Borres bereitet der Schritt mit Blick auf die Verhältnismäßigkeit der Begnadigung gegenüber anderen Inhaftierten Probleme. Schließlich gebe es in philippinischen Gefängnissen andere Insassen, „die eher für eine Begnadigung in Frage“ kämen als jemanden, der von einem Gericht für schuldig befunden worden sei, findet Borres. Wie Ucanews weiter berichtet, soll Pemberton im Gefängnis eine Sonderbehandlung erhalten haben.

Duterte hatte Lance Corporal Joseph Scott Pemberton eine absolute Begnadigung gewährt, bevor dieser seine auf sechs bis zehn Jahre angesetzte Gefängnisstrafe absitzen konnte. Ein Gericht hatte den 25-jährigen US-Amerikaner „ohne begründeten Zweifel“ des Mordes an Jeffrey „Jennifer“ Laude im Jahr 2014 für schuldig befunden.

Bei dem Prozess im Jahr 2015 hatte die Staatsanwaltschaft Videomaterial präsentiert, das zeigt, wie Pemberton und Laude gemeinsam ein Hotel betraten. Einige Stunden später verließ Pemberton das Hotel allein, während ein Hotelangestellter die Leiche von Laude mit gebrochenem Genick in einem Zimmer fand. Pemberton war damals als Teilnehmer an gemeinsamen philippinisch-amerikanischen Militärübungen auf den Philippinen.

Zweierlei Maß und Willkür

Unter Rodrigo Duterte kommt es auf den Philippinen zu willkürlichen Verhaftungen und sogar außergerichtlichen Hinrichtungen auf offener Straße. Zuletzt hatte er die Todesstrafe für Drogendelikte und andere schwerere Verbrechen sogar zu einem seiner wichtigsten politischen Ziele erklärt. Die Kirche zeigt sich durch die autoritäre und willkürliche Amtsführung des Präsidenten und die Angriffe auf die Rechtsstaatlichkeit auf den Philippinen alarmiert.  

(ucanews/vatican news – pr)

 

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09. September 2020, 13:36