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Papst Franziskus, einstweilen nur als Pappaufsteller, in den Vereinigten Arabischen Emiraten Papst Franziskus, einstweilen nur als Pappaufsteller, in den Vereinigten Arabischen Emiraten  (AFP or licensors)

Papst in Abu Dhabi: „Da wird eine Tür geöffnet“

Dass ein arabisches Land den Papst einlädt, ist ein Zeichen wachsender Öffnung und auch des Mutes. Das würdigt der Fachmann für christlich-muslimischen Dialog, P. Hans Vöcking, im Gespräch mit Vatican News.

Gudrun Sailer - Vatikanstadt

Zwar gestalteten die Vereinigten Arabischen Emirate die Visite von Franziskus als Privat- und nicht als Staatsbesuch, dennoch wertet der Islamwissenschaftler den Papstbesuch in Abu Dhabi als wichtiges Signal. Kritik an Franziskus, er zeige Naivität gegenüber dem Islam, teilt Vöcking nicht: Der Papst lege mit seiner Haltung der Demut im Gespräch mit Muslimen vielmehr die einzig vernünftige Vorgehensweise an den Tag. Einfache Muslime schätzten an dem katholischen Kirchenoberhaupt besonders, dass er bei seinen Aufrufen, Flüchtlingen und Migranten zu helfen, keinen Unterschied zwischen Christen und Muslimen macht.

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Vatican News: Zum ersten Mal setzt ein Papst den Fuß auf die Arabische Halbinsel, Papst Franziskus besucht die Vereinigten Arabischen Emirate. Sie sind ein erfahrener Beobachter des christlich-muslimischen Dialogs. Was ist für Sie schon vorab der symbolische Wert dieses Besuchs?

Pater Vöcking: „Der erste symbolische Wert dieses Besuches von dem Heiligen Vaters auf der Arabischen Halbinsel ist an die christliche Minderheit dort gedacht. Das sind Gastarbeiter, die dort schon seit Jahren arbeiten und in ihrer religiösen Identität nicht richtig wahrgenommen werden. Wenn jetzt der Heilige Vater dort hinkommt, ist das zuerst ein Plus. Aber es gibt auch noch einen zweiten Grund: für den christlich-islamischen Dialog ist die arabische Welt sehr wichtig. Wenn jetzt der Heilige Vater in diese Länder - oder in ein Land - reisen kann, da wird eine Tür geöffnet.“

Vatican News: Franziskus nimmt in Abu Dhabi an einer interreligiösen Konferenz über Geschwisterlichkeit zwischen den Menschen teil. Wie kommt das in der arabischen Welt an, besonders in Saudi-Arabien, das zum Heilige Stuhl nicht einmal diplomatische Beziehungen unterhält?

Pater Vöcking: „Ich glaube hier muss man unterscheiden: Abu-Dhabi ist ein Land, das für den christlich-islamischen Dialog schon seit mehreren Jahren offen ist. Man sieht das auch daran, dass sich in Abu Dhabi auch die die Kathedrale oder die Kirche von Bischof Hinder befindet. Wenn man jetzt allerdings das zentrale arabische Land nimmt - wie Saudi-Arabien - dann ist es ein Vorteil, dass zwischen Saudi-Arabien und dem Heiligen Stuhl immerhin bereits Beziehungen bestehen. Es gibt zum einen die Zusammenarbeit beim KAICIID-Zentrum in Wien, wo ja der Heilige Stuhl, Saudi-Arabien und Spanien zusammenarbeiten. Zudem dürfen wir nicht vergessen, dass der Präsident für den interreligiösen Dialog, Kardinal Tauran, auch in Saudi-Arabien war und mit dem Kronprinzen und mit dem König gesprochen hat. Die Situation in Abu-Dhabi ist offener und davon muss man auch profitieren, wenn man international jetzt im christlich-islamischen Dialog weiterkommen will.“

“ Wenn man heute in die Begegnung von Christen und Muslimen hineingehen will, dann man muss eine sehr demütige Haltung einnehmen. Die hat Franziskus ganz bestimmt. ”

Vatican News: Manche Beobachter werfen dem Papst Naivität im Umgang mit Muslimen vor. Franziskus würde Probleme, die von der muslimischen Gedankenwelt ausgehen, absichtlich übersehen. Wie ordnen Sie solche Vorwürfe ein?

Pater Vöcking: „Jeder, der Verantwortung trägt, wird irgendwann kritisiert. Wenn man heute in die Begegnung von Christen und Muslimen hineingehen will, dann man muss eine sehr demütige Haltung einnehmen. Die hat Franziskus ganz bestimmt. Im christlich-islamischen Dialog kann man nicht als Herrschender oder Dominierender auftreten. Auch dass Papst Franziskus, wenn es um Flüchtlinge geht, keine Unterschiede macht, egal zu welcher Religion der Flüchtling sich bekennt, er ist ein Mensch in Not, ihm muss geholfen werden – der einfache Muslim erkennt das an. Er weiß ja auch selber, dass in seiner Gesellschaft - gerade in seiner arabischen islamischen Gesellschaft - vieles falsch läuft. Wenn dann eben so ein Mann wie der Papst mit einer ganz anderen Haltung kommt und einem anderen Verständnis, dann ist man dem offener gegenüber. Ich teile die Kritik am Papst nicht, denn die Begegnungen mit den Muslimen halten schon so lange an, man kennt auch die Schwierigkeiten. Das Einzige, was ich im Leben und in der Beregnung mit den Muslimen gelernt habe, ist, dass Demut wahrscheinlich die beste Vorgehensweise ist, die man zeigen kann“.

Vatican News: Welche positiven Folgen kann man sich von diesem Papstbesuch für den Dialog und die Freundschaft zwischen Christen und Muslimen erhoffen?

Pater Vöcking: „Eine direkte Folge ist glaube ich nicht da, weil allein schon die Einordnung dieses Besuches sehr schwierig ist. Er geht zu einer internationalen Konferenz, trifft den Kronprinzen und den Prinzen, aber ihm wird keine Möglichkeit gegeben, mit Vertretern der Gesellschaft oder der Politik zu sprechen. Daran sieht man, dass das kein Staatsbesuch ist. Er wird als privater Besuch eingeordnet. Aber ich glaube, man darf nicht unterschätzen, dass hier zum ersten Mal ein Papst in das islamische Land kommt und dass er mit den christlichen Minderheiten, die dort wohnen, die Messe zelebrieren kann. Das ist ein Zeichen. Denn hier müssen auch die Muslime lernen, dass in ihrer Gesellschaft Christen leben und diese eben nicht die Freiheit haben, die Muslime etwa in Europa genießen. Hier liegt das Zeichen, wenn jetzt der Papst nach Abu Dhabi fährt. Schon vor einigen Jahren fand in Abu-Dhabi eine internationale Tagung statt, an der damals Kardinal Tauran, Erzbischof Fitzgerald und eine ganze Delegation aus Europa teilgenommen haben. Ich glaube man muss die Chance nutzen, dass ein arabisches Land bereit ist, offizielle Vertreter des Christentums und sogar den Papst selbst einzuladen. Dazu gehört schon Mut. Und das muss man auch anerkennen. Ich glaube dies ist das wichtigste Zeichen dieses Besuches, auch wenn er politisch nicht sehr hoch hängt.“

(vatican news)

 

31 Januar 2019, 15:28