Vatican News
Den Forschern des Projekts Event Horizon Telescope ist am 10. April die erste Aufnahme eines Schwwarzen Loches gelungen Den Forschern des Projekts Event Horizon Telescope ist am 10. April die erste Aufnahme eines Schwwarzen Loches gelungen 

Sternwarte: Das Universum mit den Augen des Glaubens betrachten

Die Existenz von Schwarzen Löchern konnte bisher nur rechnerisch bewiesen werden. Nun ist Forschern eine erste Aufnahme gelungen. Vatican News hat Jesuitenpater Guy Consolmagno, den Direktor der Vatikanischen Sternwarte, zu diesem Phänomen befragt, das Albert Einsteins Relativitätstheorie belegt.

Silvia Kritzenberger - Vatikanstadt

Wie Guy Consolmagno betont, wird die astronomische Wissenschaft nach diesem spektakulären Foto nicht mehr dieselbe sein.

„Die Aufnahme, die den Forschern des Projekts „Event Horizon Telescope“ gelungen ist, erinnert mich an das erste Mal, als Galileo Galilei durch ein Teleskop geblickt hat,“ führt der amerikanische Astronom und Jesuit aus. „Er sah wichtige Dinge, vor allem aber eröffnete er dem wissenschaftlichen und menschlichen Horizont bisher unvorstellbare Möglichkeiten. Wie schon bei Galileo wird uns diese neue Technik auf eine außergewöhnliche Weise in die Lage versetzen, die bisher entwickelten Theorien über Schwarze Löcher durch reale Daten zu belegen.“

Zum Nachhören

Das erste Foto von einem Schwarzen Loch: Beleg für die Relativitätstheorie

Die Forscher des Projekts „Event Horizon Telescope“ hatten zeitgleich an sechs Orten rund um den Erdball eine einmalige Aufnahme von einem Schwarzen Loch gemacht. Gelungen war dies dank der 29-jährigen US-Informatikerin Katie Bouman: sie hat den Computer-Algorithmus entwickelt, der die Zusammensetzung des Bildes aus Daten riesiger Radioteleskope ermöglicht hat.
Das Foto bestätige, dass Einsteins Relativitätstheorie funktioniert, so der Direktor der vatikanischen Sternwarte, eines der ältesten Observatorien der Welt. Es sei erstaunlich, dass eine so bizarre und schwer verständliche Theorie seit über 100 Jahren jeden Test bestanden habe:

„Das Foto sagt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind, um zu verstehen, was schwarze Löcher wirklich sind. Es ermutigt uns, die gleiche Technik auch auf die Untersuchung ähnlicher Massen im Universum anzuwenden. So können wir mit den in unserem Besitz befindlichen Daten andere Orte erkunden, an denen schwarze Löcher gefunden werden. Eine beispiellose Gelegenheit!“

Wo der Blick des Glaubens fehlt, wird man Gott nie sehen können

Der Aussage eines atheistischen Wissenschaftlers, dass ihm die Existenz Gottes nach dieser Aufnahme glaubwürdiger erscheint, kann Pater Guy Consolmagno nicht zustimmen:

„Mein Glaube an Gott beruht nicht nur darauf, dass ich ihn in der Natur erkenne,“ betont der Sternwartenleiter. „Ich sehe Gott in der Natur, weil ich bereits glaube, dass Gott da ist. Meiner Meinung nach gibt dieser atheistische Wissenschaftler indirekt zu, dass er eigentlich nicht wirklich Atheist ist .... Wenn er das Universum mit den Augen des Glaubens betrachtet, kann sein Glaube nur bestätigt werden. Und dort, wo dieser Blick des Glaubens fehlt, wird man Gott nie sehen können...“

Gott ist so viel größer als unsere Vorstellungskraft...

Die Aussage, man könne hinter diesem Foto vom Schwarzen Loch die Hand Gottes erkennen, ist seiner Meinung nach mit Vorsicht zu genießen.

„Das ist eine gefährliche Aussage, denn ich sehe ohnehin überall die Hand Gottes. Zu sagen, dass Gott an einem bestimmten Ort ist, könnte durchklingen lassen, dass er an anderen Orten nicht ist. Dabei kann man Gottes Hand doch überall entdecken: in den Gesichtern der Armen; in der Liebe zwischen zwei Menschen, die den Bund fürs Leben schließen; bei Ehepaaren, die schon 70 Jahre verheiratet sind. Man kann die Hand Gottes an so vielen Orten finden! Man muss nur in der Lage sein, zu sehen! Manchmal ist es ganz gut, wenn man die Dinge auf eine neue und überraschende Weise beobachtet: denn dann wird uns klar, dass Gott so viel größer ist als unsere Vorstellungskraft…“

Wissenschaft und Glaube müssen für die Erkenntnis der Welt zusammenarbeiten: das hat Papst Franziskus letztes Jahr den Teilnehmern an einem Sommerkurs über Astrophysik an der vatikanischen Sternwarte ins Stammbuch geschrieben.

Hintergrund

Schwarze Löcher sind die vielleicht unglaublichsten Objekte im Kosmos: Es handelt sich um eine Masse, die so dicht gepackt ist, dass sie sogar das Licht am Entkommen hindert. Schwarze Löcher sind daher schwarz und nur schwer am Himmel zu entdecken. Albert Einstein hat die unsichtbaren Objekte schon vor über hundert Jahren in seiner Allgemeinen Relativitätstheorie berechnet. Eine direkte Aufnahme war bisher unmöglich, weil Schwarze Löcher wegen ihrer gewaltigen Masse eine ebenso große Schwerkraft haben und alles verschlucken, was in ihre Nähe kommt, selbst das Licht.

(vatican news)
 

17 April 2019, 13:09