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Der argentinische Märtyrerbischof  Enrique Ángel Angelelli Carletti Der argentinische Märtyrerbischof Enrique Ángel Angelelli Carletti 

Argentinien: Märtyrer von La Roja werden seliggesprochen

Für die Provinz La Rioja im Norden Argentiniens ist dieser Samstag ein großer Tag. Gleich vier Märtyrer, die während der argentinischen Militärdiktatur ermordet wurden, werden seliggesprochen: Bischof Enrique Angelelli, die Priester Carlos Murias und Gabriel Longueville und der Laie Wenceslao Pedernera.

Silvia Kritzenberger und Mario Galgano - Vatikanstadt

Der Bischof von La Rioja, Dante Gustavo Braida, freut sich auf die Feier an diesem Samstag. Im Gespräch mit Vatican News geht er auf die Lebensgeschichte der Märtyrer ein: „Es ist ein Ereignis, das über unsere Provinz hinausgeht, nationale und lateinamerikanische Tragweite hat: eine Gnade für die ganze Kirche.“

Die Seligsprechung wird unter Vorsitz des von Papst Franziskus gesandten Kardinals Giovanni Angelo Becciu, Präfekt der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse, in der Provinzhauptstadt stattfinden. Am Tag darauf wird in Rom eine Dankesmesse mit den argentinischen Bischöfen gefeiert, die gerade auf „Ad-limina“-Besuch im Vatikan weilen.

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Bischof Enrique Angelelli gehörte zu einer Gruppe von Bischöfen, die die während der Diktatur begangenen Menschenrechtsverletzungen anprangerten. Angelelli, Gegner der Militärjunta unter General Jorge Rafael Vidal, kam am 4. August 1976 bei einem gezielt herbeigeführten Autounfall ums Leben. Er gilt als erster Bischof, der während der lateinamerikanischen Diktaturen ermordet wurde. Damals befand er sich auf der Rückfahrt von der Beerdigung der Priester Carlos Murias und Gabriel Longueville, die unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommen waren. Der Wagen, den der Bischof selbst steuerte, wurde von einem weißen Peugeot abgedrängt. Nach einer Vollbremsung überschlug sich das Auto. Angelellis Beifahrer überlebte und fand den Bischof einige Meter entfernt mit eingedrücktem Schädel, die Arme wie am Kreuz ausgestreckt. Belastende Dokumente waren aus dem Auto wie auch aus der durchsuchten Bischofswohnung verschwunden. Das Militärregime hatte versucht, einen Autounfall vorzutäuschen, aber die Justiz konnte beweisen, dass der Unfall gezielt herbeigeführt worden war.

„Diese Märtyrer waren geprägt vom Zweiten Vatikanischen Konzil“, so Bischof Braida im Gespräch mit Vatican News. „Angelelli hatte als sehr junger Bischof an dem Konzil teilgenommen, war von dieser Erfahrung zutiefst geprägt und motiviert worden. Er war für eine offene Kirche. Deshalb war es ihm auch ein Anliegen, die Rolle der Laien in Kirche und Gesellschaft zu fördern.“

Zum Zeitpunkt seines Todes war der damals 53-jährige Angelelli gerade dabei, einen Bericht zur Ermordung der beiden Priester zu verfassen. Murias und Longueville waren am 18. Juli 1976 in Chamical entführt, gefoltert und erschossen worden; der Laie Wenceslao Pedernera wurde eine Woche später im Bezirk Chilecito, ebenfalls in Rioja, ermordet.

Bergoglio stellte Beweismaterial für den Seligsprechungsprozess zur Verfügung

Erst 2014 verurteilte ein argentinisches Bundesgericht zwei ehemalige Militärs wegen ihrer Beteiligung an der Tat zu lebenslangen Haftstrafen. Papst Franziskus, ehemaliger Erzbischof von Buenos Aires, hatte für den Prozess Beweismaterial zur Verfügung gestellt. Im Jahr 2015 hatte das Bistum La Rioja das Seligsprechungsverfahren für Angelelli auf diözesaner Ebene eröffnet.

Seligsprechungen fallen auf das Fest des Patrons der lateinamerikanischen Bischöfe

Auf dem offiziellen Logo zur Seligsprechung sind die ein Kreuz umrahmenden Porträts der vier Märtyrer zu sehen; im unteren Teil Palmblätter als Symbol für das Martyrium; darüber der Schriftzug „Märtyrer des Evangeliums“. 

Das Datum der Seligsprechung fällt auf das Fest des heiligen Turibius von Lima, Patron der lateinamerikanischen Bischöfe.

(kna/fides/vatican news)

26 April 2019, 14:00