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Papst Franziskus bei der Begegnung mit Jugendlichen in der Slowakei Papst Franziskus bei der Begegnung mit Jugendlichen in der Slowakei  (Vatican Media)

Papst an Jugendliche: „Liebe folgt keiner Einweg-Logik“

Papst Franziskus hat jungen Menschen, die die Liebe suchen, empfohlen, sich für große Träume zu öffnen. „Bitte, lassen wir die Tage unseres Lebens nicht wie die Episoden einer Seifenoper vorüberziehen“, sagte der Papst bei einer Begegnung mit Jugendlichen in der slowakischen Stadt Košice. Die Liebe folge keiner „Einweg-Logik“, es gehe nicht darum, „alles und sofort zu haben“, im Gegenteil: „Liebe ist Treue, Geschenk, Verantwortung“.

Franziskus traf die Jugendlichen im Lokomotiva-Stadion in Košice. Ebendort war vor drei Jahren die jugendliche Märtyrerin Anna Kolesárová (1928-1944) selig gesprochen worden. Sie war 16 Jahre alt, als sie durch die Hand eines russischen Soldaten starb, weil sie sich ihrer Vergewaltigung widersetzte. Anna Kolesárová gilt als Märtyrerin der Reinheit. So zielte denn auch eine der drei Fragen, die dem Papst beim Jugendtreffen gestellt wurden, auf den Wert der keuschen Liebe – und das gab Franziskus den Anlass zu einer schönen, langen Katechese über „den größten Traum im Leben“: die Liebe eben.

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Liebe ist weit mehr als Verliebtsein, das sei bestenfalls der Anfang, warnte Franziskus die jungen Leute vor einem weit verbreiteten Zerrbild. Nein, es geht um Dauer: „Die wahre Originalität heute, die wahre Revolution, besteht darin, sich gegen die Kultur des Provisorischen aufzulehnen, über den Instinkt und den Augenblick hinauszugehen, das Leben lang und mit der ganzen eigenen Person zu lieben“, sagte der Papst. Dazu brauche es durchaus auch ein wenig Heldenmut.

„Es gibt diesen anderen Menschen, der deine Unvollkommenheiten annimmt und liebt, der dich liebt, so wie du bist“

Auch Träume von der Liebe seien gut, aber nur große und mutige. „Träumt von einer Schönheit, die über das Äußere und über Modetrends hinausgeht“, empfahl der Papst den jungen Menschen. „Träumt und habt keine Angst, eine Familie zu gründen, Kinder zu bekommen und zu erziehen, und im Leben alles mit einem anderen Menschen zu teilen, ohne dass ihr euch für eure Schwächen schämen müsstet, denn es gibt diesen anderen Menschen, der deine Unvollkommenheiten annimmt und liebt, der dich liebt, so wie du bist.”

„Wir sind auf der Welt, um eine Liebesgeschichte mit Gott zu leben“

Träume wie die von schnellen Autos oder einem extravaganten Urlaub seien bloß Illusionen, die nicht zum Glück führen: „Wir wurden für eine größere Freude geschaffen“, erklärte der Papst. „Wir sind auf der Welt, um eine Liebesgeschichte mit Gott zu leben, um mit Kühnheit starke Entscheidungen zu treffen, um das wunderbare Risiko der Liebe zu wagen.“

Im Vordergrund links: Die selige Anna
Im Vordergrund links: Die selige Anna

Die Gefahren von Smartphone & Co

Franziskus warnte die Jugendlichen in der Slowakei ausdrücklich vor den Gefahren der schnellen, zerstreuten Kommunikation via Smartphone: „Ein Klick und Menschen und Dinge erscheinen auf dem Bildschirm. Und dann passiert es, dass diese uns vertrauter werden als die Personen, denen wir unser Leben verdanken. Voll von virtuellen Botschaften riskieren wir, unsere realen Wurzeln zu verlieren.” Der 84 Jahre alte Papst – er selbst besaß nur kurz ein geschenktes Mobiltelefon alter Bauart, „groß wie ein Schuh“, und gab es bald zurück – sieht weniger in der Technik, sondern in ihrer zwanghaften Nutzung ein Risiko, das aus Menschen sozial auffällige Zeitgenossen macht und auch an geistliche Bereiche rührt. „Sich aus dem Leben auszukoppeln und in einem Vakuum herumzufantasieren ist nicht gut für uns, es ist eine Versuchung des Bösen“, so Franziskus. „Gott möchte, dass wir fest auf dem Boden stehen, in Verbindung mit dem Leben, niemals verschlossen, sondern immer offen für alle!”

Im Lokomotiva-Stadion in Kosice
Im Lokomotiva-Stadion in Kosice

Tipp zur Beichte: Geschenk der Vergebung verkosten

Auch zum Thema Beichte hatte der Papst einen Tipp an die jungen Menschen: danach kurz innehalten und sich nicht nochmals die Sünden, „die nicht mehr da sind“, sondern die geschenkte Vergebung zu verkosten. „Behaltet das und lasst euch das nicht wegnehmen”, riet Franziskus, der selbst gerne Beichte hört. „Und wenn ihr das nächste Mal zur Beichte geht, denkt wieder daran: Ich empfange jetzt wieder diese Umarmung, die mir so gutgetan hat. Ich gehe nicht zu einem Richter, um Rechnungen zu begleichen, ich gehe zu Jesus, der mich liebt und heilt. Räumen wir Gott in der Beichte den ersten Platz ein. Wenn er der Protagonist ist, wird alles schön und die Beichte wird zum Sakrament der Freude. Ja, der Freude, nicht der Angst und nicht der Verurteilung, sondern der Freude.”

Begegnungen mit Jugendlichen gehören zu den Fixpunkten jeder Papstreise seit Johannes Paul II., der diese Treffen jeweils in die Abendstunden legen ließ, um überziehen zu können. Auch Franziskus läuft bei Begegnungen mit jungen Menschen immer zur Höchstform auf. Am Mittwoch feiert er seine letzte Heilige Messe in der Slowakei, danach fliegt er zurück nach Rom.

(vatican news – gs)

14 September 2021, 16:44