Generalaudienz: Das Gebet ist ein Schutzwall gegen das Böse

Bei der Generalaudienz an diesem Mittwoch hat Papst Franziskus über die Kraft des Gebets gesprochen. „Das Gebet öffnet die Tür zu Gott und kann unsere Herzen aus Stein in menschliche Herzen verwandeln,“ betonte er in seiner dritten Katechese der Reihe, die dem Gebet gewidmet ist.

Silvia Kritzenberger - Vatikanstadt

Obwohl Petersdom und Petersplatz wieder offen sind, wurde die Generalaudienz auch diesen Mittwoch wieder im Livestream aus der Bibliothek des Apostolischen Palasts übertragen. Eine Maßnahme, mit der Papst Franziskus größere Menschenansammlungen vermeiden will.

Die Generalaudienz an diesem Mittwoch
Die Generalaudienz an diesem Mittwoch

Die Verbreitung der Sünde unter den Menschen

Ausgehend von den ersten Kapiteln des Buches Genesis zeichnete Franziskus nach, wie sich die Sünde nach biblischer Darstellung unter den Menschen verbreitet hat. Beginnend bei der Ursünde Adams, in der unsere Stammeltern die Großzügigkeit des Schöpfers in Frage gestellt hätten, weil sie so sein wollten wie Gott, habe sich das Übel immer mehr über die ganze Menschheit ausgebreitet, sinnierte Franziskus. Und in der zweiten Generation der Menschen sei es noch spürbarer geworden:

Zum Nachhören

 

„Kain ist neidisch auf seinen Bruder, er sieht im Bruder einen Rivalen, der seine Vorrangstellung untergräbt. Das Böse nimmt von seinem Herzen Besitz, und Kain ist unfähig, es zu beherrschen. Die Gedanken fangen an, den anderen verdächtig zu finden... Das ist ein böser Kerl, er wird mir Schlechtes tun ... Und so endet die Geschichte der ersten Bruderschaft mit einem Mord. Ich denke an die menschliche Bruderschaft heute: Kriege überall!”, schlug Franziskus den Bogen zu unserer Zeit.

Die verborgene Wirklichkeit der Gerechten

Die Heilige Schrift berichte uns neben der in ihre Sünde verstrickten Menschheit aber auch von einer anderen verborgenen Wirklichkeit: von gerechten, auf den Herrn hoffenden Menschen wie Abel, der ein Gott wohlgefälliges Erstlingsopfer darbringt, oder von Noach, der durch seinen frommen Lebenswandel die Vernichtung der Menschheit abwendet.

„Wenn man diese Geschichten liest, hat man den Eindruck, dass das Gebet der Schutzwall, ist, der den Menschen vor der Welle des Bösen schützt, die sich über die Welt ergießt,“ stellte Franziskus fest und gab zu bedenken, dass wir aber auch darum beten würden, vor uns selbst gerettet zu werden.

„Es ist wichtig, zu beten: Herr, bitte, rette mich vor mir selbst, vor meinem Ehrgeiz, meiner Leidenschaft... Die Beter auf den ersten Seiten der Bibel sind Männer des Friedens: In der Tat ist das Gebet, wenn es authentisch ist, frei von Instinkten der Gewalt; es ist ein Blick, der sich auf Gott richtet und ihn anfleht, sich wieder der Herzen der Menschen anzunehmen.“ Das Gebet lasse blühende Gärten der Wiedergeburt an Orten entstehen, wo der Mensch mit seinem Hass nur die Wüste wachsen lasse, so Franziskus.

Papst Franziskus erteilt zum Abschluss der Ausdienz seinen Segen
Papst Franziskus erteilt zum Abschluss der Ausdienz seinen Segen

Gebet - eine Kette des Lebens

Das Gebet sei eine Kette des Lebens, eine Kette so vieler Männer und Frauen, die beteten und Leben aussäten, betonte Franziskus und veranschaulichte dies am Beispiel einer kleinen Geschichte:

„Es ist die Geschichte eines Mannes, eines wichtigen Regierungschefs, nicht von heute, sondern aus früherer Zeit. Ein Atheist, der keinen Sinn für das Religiöse im Herzen hatte, aber als Kind mitbekommen hatte, wie die Großmutter betete –das ist ihm im Herzen geblieben.“ Und in einem schwierigen Moment seines Lebens habe er sich wieder daran erinnert und angefangen, mit den Formeln der Großmutter zu beten - und so habe er Christus gefunden.

„Das Gebet öffnet die Tür zu Gott“, stellte Franziskus abschließend heraus. „Es verwandelt unsere Herzen, die so oft steinern sind, in menschliche Herzen. Und wir brauchen so viel Menschlichkeit! Mit Menschlichkeit betet es sich gut.“

(vatican news - skr)
 

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27. Mai 2020, 12:15