Erzbischof José H. Gomez ist neuer Vorsitzender der US-Bischofskonferenz Erzbischof José H. Gomez ist neuer Vorsitzender der US-Bischofskonferenz 

USA: „Ein Statement gegen Trump“

Das gab es noch nie: Ein Lateinamerikaner steht nun an der Spitze der US-Bischofskonferenz. Dass die Wahl auf den gebürtigen Mexikaner José Gomez fiel, ist kein Zufall, glaubt Amerika-Kenner und Jesuitenpater Godehard Brüntrup.

Es habe zwar schon mal einen irischen Einwanderer an der Spitze der US-Bischöfe gegeben, so Brüntrup im Gespräch mit dem Domradio. Aber ein Lateinamerikaner – das hat schon eine besondere Bedeutung.

„Es drückt aus, dass die US-amerikanische katholische Kirche mehr und mehr eine Einwandererkirche ist, dass die Gruppe der sogenannten Hispanics, also der Spanisch sprechenden Katholiken, immer größer und einflussreicher wird. Und das drückt sich auch in dieser Wahl aus, die natürlich in gewisser Weise eine Routine-Wahl war, weil er der Stellvertreter war.“

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Ein Mann des Ausgleichs

Es hat eine gewisse Tradition, dass Bischöfe den Vize der Bischofskonferenz an die Spitze wählen – in diesem Sinn also ist Gomez‘ Aufstieg keine Sensation, sagt Pater Brüntrup. „Aber die katholische Kirche drückt aus, dass sie für die Einwanderer ist. Und die Wahl ist auch in gewisser Weise ein Statement gegen Trump.“

Die US-Bischöfe beziehen im Streit um Einwanderung in der Regel deutlich Stellung gegen den US-Präsidenten mit seinen Mauer-Bauplänen. José Gomez ist allerdings kein Scharfmacher, sondern gilt, wie Pater Brüntrup formuliert, „als ein Mann des Ausgleichs“.

US-Bischofskonferenz weist zwei Flügel auf

„Es gibt zwei Flügel in der US-amerikanischen katholischen Bischofskonferenz. Den einen nennt man ‚die Kulturkämpfer‘, die ‚Culture Warriors‘: Sie streiten mit der gegenwärtigen amerikanischen, säkularen Kultur, etwa in der Abtreibungsfrage, und in anderen Dingen. Und die anderen sind eher sozial engagiert und streiten für soziale Gerechtigkeit und andere Themen wie Armut, Dritte Welt. Diese zweite Gruppe steht Franziskus sehr nahe, während die erste Gruppe oft Franziskus-kritisch ist.“

Dass es diese zwei Gruppen gibt, hat sich auch jetzt gerade bei der Vollversammlung in Baltimore gezeigt. Der päpstliche Nuntius bat die Bischöfe, sich etwas mehr an die eher sozial akzentuierte Linie des Papstes zu halten. Doch bei einer Abstimmung setzte sich kurz darauf eine ganz andere Schwerpunktsetzung durch: Der Kampf gegen Abtreibung wird Priorität. Das Votum fiel mit 143 zu 69 Stimmen sehr deutlich aus.

„Hat sich nie eindeutig auf die Seite der Kulturkämpfer gestellt“

„Man kann von Gomez sagen, dass er eine Brücke sein will zwischen diesen beiden Gruppen. Das hat er immer behauptet und in Los Angeles auch so gelebt. Er meint, dass die Kulturkämpfe und die Kämpfer für soziale Gerechtigkeit zusammenkommen sollen. Insofern ist er ein Kandidat der Mitte.“

Ein Brückenbauer also – der vom Opus Dei kommt. Gomez' theologischer Hintergrund ist ein eher konservativer. „In dem Streit der amerikanischen Bischöfe hat er sich aber nie eindeutig auf die Seite der Kulturkämpfer gestellt, sondern er hat immer gesagt: ‚Die andere Gruppe, die für soziale Gerechtigkeit kämpft und für die Umweltschutz, Klimawandel, Nord-Süd-Konflikt und Einwanderung die großen Fragen der Zeit sind, ist für mich genauso wichtig.‘ Man kann ihn also nicht einfach in diese Schublade stecken.“

„Gegen die Devise ‚America First‘“

Zurück zu Donald Trump: Kann man jetzt davon ausgehen, dass sich die katholische Kirche künftig noch deutlicher positioniert, wenn US-Präsident Trump wieder lateinamerikanische Einwanderer beschimpft und diskreditiert?

„Sie hat sich ja schon sehr klar aufgestellt, und man kann damit rechnen, dass sie sich unter diesem Vorsitzenden noch klarer in dieser Frage positionieren wird: pro Einwanderung, pro Asyl und überhaupt gegen die Devise ‚America First‘, aber für eine globale, international ausgerichtete katholische Kirche. Das wird unter diesem Vorsitzenden noch einmal deutlicher werden, da bin ich sicher.“

Wichtigste Herausforderung: Missbrauchs-Skandale

Weitere Themen, die Gomez beschäftigen werden, sind die Missbrauchsskandale und deren Vertuschung. Die Glaubwürdigkeit der Kirche in den USA hat sehr darunter gelitten. Wie sich der neue Vorsitzende in dieser Hinsicht positioniert, wird man, so Brüntrup, abwarten müssen.

„Die Bischöfe haben sehr gut in den USA mit den Priestern gearbeitet. Sie haben sehr gute Programme auf den Weg gebracht – mit großem Erfolg, etwa in der Ausbildung der Priester und in der strengen Kontrolle der Priester sowie in der Beseitigung derjenigen Priester aus dem aktiven Dienst, die sich etwas zuschulden kommen lassen haben. Was die Bischöfe nicht getan haben, das haben die letzten Jahre gezeigt: Sie haben nicht für sich selbst ähnliche Kontrollmechanismen etabliert. Deshalb gab es auch Missbrauchsfälle und Vertuschung in den eigenen Reihen, wie der Fall Theodore McCarrick zeigt. Das ist die Herausforderung: Können sich die Bischöfe selbst kontrollieren?“

(domradio – sk)
 

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14. November 2019, 11:00