Priester bei einer Messe Priester bei einer Messe 

Schweiz: Priester reflektieren ihr Amt

Die Priester der Region Tessin treffen sich Ende August, um über ihr Amt zu diskutieren und zu überlegen, wie sie sich als Priester in einer veränderten Welt verändern können. Denn auch für die Priester waren Krisen wie die Pandemie ein Schock.

Darüber sprach Priester Italo Molinaro, welcher für die Konferenz in Lugano zuständig ist, im Interview mit kath.ch. Dabei betonte er, dass „in letzter Zeit die Gelegenheit für eine offene Diskussion über aktuelle Themen fehlte. Wir haben uns zusammengefunden für andere Themen. Aber jetzt brauchen wir eine Gelegenheit, über uns selbst zu sprechen, über unsere Erlebnisse und unsere Art, unseren Schwestern und Brüdern zu dienen. Wir müssen unsere Realität besser lesen können: jene in unseren Herzen, jene um uns herum. Wir müssen gemeinsam den Wandel der Zeit lesen, in den wir alle eingebettet sind. Bevor wir große Pläne schmieden, wollen wir uns gegenseitig verstehen und unseren Erfahrungen, Gefühlen, Worten eine Stimme geben. Ebenso den Träumen, die entstehen wollen.“ Die Priester-Versammlung Ende August finde auch vor Hintergrund des weltweiten synodalen Prozesses statt, der in der Schweiz mitgestaltet wird. 

Pandemie als Schock

Die Corona-Pandemie sei auch für Priester ein großer Schock gewesen, so Molinari weiter. „Schon vor der Pandemie wurden die Beziehungen untergraben durch das Primat des Individualismus gegenüber dem Gemeinschaftlichen und durch das Vordringen neuer Kommunikationsmittel wie der sozialen Medien, die die Einzelnen in ihre eigene kleine Welt einschließen. Hinzu kommt die wachsende Tendenz zu einem weit verbreiteten Narzissmus, der alle Menschen betrifft und insbesondere jene, die einen individuellen Lebensstil pflegen, etwa die Priester.“


Nicht nur Priester unter den Teilnehmern

Zu der Versammlung sind nicht nur Priester eingeladen. So sind unter den Rednern auch Frauen, Laien, aber auch Kommunikationswissenschaftler, Psychologen oder auch Philosophen. Für Molinaro ist dies sehr wichtig, denn „wir sind daran interessiert, zu verstehen, was Frauen über das Leben von Priestern sagen können. Wir sind daran interessiert zu verstehen, was Laien denken, die andere Kompetenzen haben als wir. Oder was andere Priester denken, die sehr aktiv im Bereich der Ausbildung sind.“
Die Initiatoren stellen eine gewisse Verdrossenheit auch unter den Priestern fest. Zwar hätten sie kein Patentrezept, aber dennoch hoffen sie, dass durch ihre Initiative etwas in Gang kommt.

Don Italo Molinaro ist derzeit Pfarrer der Herz-Jesu-Kirche in Lugano und Verantwortlicher für die Kommunikation der Diözesanversammlung des Tessiner Klerus vom 29. bis 31. August in Lugano.

(kath.ch - schw)

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26. August 2022, 14:56