Im August: Kardinal Schönborn besucht die Impfstation im Wiener Stephansdom Im August: Kardinal Schönborn besucht die Impfstation im Wiener Stephansdom 

Schönborn: Stille Nacht und ein „Stillhalteabkommen“

Zu Vertrauen und gesellschaftlichem Zusammenhalt in der Corona-Pandemie ruft Kardinal Christoph Schönborn auf. Im Gespräch mit Journalisten ermutigte der Wiener Erzbischof am Donnerstag einmal mehr zur Covid-Impfung.

„Nicht, dass ich glaube, dass dieser Impfstoff nicht auch Risiken enthält. Aber das hat man bei jeder Impfung“, so Schönborn. Skeptischen Menschen sage er daher immer wieder: „Glauben Sie ernsthaft, dass Wissenschaftler in Österreich und die Politiker, die sie beraten, ein Interesse daran haben, die gesamte österreichische Bevölkerung mit einem Hochrisiko-Impfstoff zu impfen auf die Gefahr hin, dass die gesamte österreichische Bevölkerung schwerste Schäden erleidet?“

Es seien jetzt schon mehr als sechs Millionen Menschen in Österreich geimpft. „Welche Regierung könnte ein Interesse daran haben, die ganze eigene Bevölkerung einer verantwortungslosen Gefährdung auszusetzen?“, so Schönborn. Für ihn seien diese Überlegungen ein ausreichender Grund zu sagen: „Ja, bitte vertrauen wir den Wissenschaftlern, den Ärzten, die die Regierung beraten, und der Regierung, die die schwere Verantwortung auf sich genommen hat, Entscheidungen zu treffen.“

Kardinal Schönborn
Kardinal Schönborn

„Ja, bitte vertrauen wir den Wissenschaftlern und der Regierung“

Die Blockierung von Intensiv-Betten in Österreich sei der Maßstab, an dem sich die Regierung in ihren Sicherheitsmaßnahmen orientier, fügte der Kardinal hinzu: „Wir wissen, dass in den letzten zwei Jahren sehr viele, oft lebenswichtige Operationen verschoben werden mussten, um die Intensiv-Betten für schwere Corona-Fälle freizuhalten.“ Für ihn sei es daher ethisch unverantwortlich, „nicht alles Mögliche zu tun, um eine schwere Corona-Erkrankung zu vermeiden“, so Schönborn.

„Denn wenn ich das leichtfertig unterlassen habe und dann eine schwere Corona-Erkrankung bekomme und ein Intensiv-Bett brauche, dann kann es sein, dass ich jemand anderem dieses Intensiv-Bett nehme, der es aus anderen Gründen dringend brauchen würde.“ Das sei für ihn ein klares ethisches Argument in Richtung Impf-Notwendigkeit, betonte der Kardinal.

Stephansdom
Stephansdom

Verzicht auf Nostalgie

In der ersten Phase der Pandemie habe man sehr viel Hilfsbereitschaft erlebt. Das durchzuhalten, wenn kein Ende abzusehen ist, sei freilich eine ganz große Herausforderung. „Eine kurze Not-Zeit gemeinsam durchzustehen, das mobilisiert die Kräfte. Aber eine lange Covid-Erfahrung gut zu leben, das müssen wir erst lernen“, sagte Schönborn. Ein wichtiges Element dabei sei, auf Nostalgie nach dem Motto „Früher war es besser, jetzt ist alles schlecht!“ zu verzichten. Denn: „Wir alle werden verändert aus dieser Situation herausgehen.“

Kardinal Schönborn verteidigt das Impfen - ein Bericht von Radio Vatikan

Er bitte zugleich um Vertrauen in die seriöse Arbeit der Wissenschaft. „Mich beunruhigt schon sehr, dass sich eine Wissenschaftsskepsis breitmacht. Und eine Ahnungslosigkeit, wie Wissenschaft funktioniert“, erklärte Schönborn. Verschwörungstheorien aller Art wies der Kardinal vehement zurück. Letztlich habe dies auch damit zu tun, „dass wir uns nicht zugestehen, dass wir in einer unsicheren Zeit leben“.

„Es gibt doch unendlich viele Themen, über die wir sehr sinnvoll und gut miteinander reden können“

Viele Menschen - so auch er - seien freilich schlicht müde von den Diskussionen rund um das Endlos-Thema „Corona und wie damit umgehen“. Er empfehle deshalb „ein Stillhalteabkommen auf Weihnachten hin bei den Diskussionen über dieses Thema“. Nachsatz: „Es gibt doch unendlich viele Themen, über die wir sehr sinnvoll und gut miteinander reden können. Das kann ich nur wärmstens empfehlen.“

(kap – sk)
 

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24. Dezember 2021, 09:45