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D: Katholisches Büro NRW begrüßt Corona-Beschlüsse

Über Weihnachten sollen die Corona-Beschränkungen leicht gelockert werden, so der Beschluss der Politik. Der Leiter des Katholischen Büros NRW findet das gut. Er ist gegen eine Neiddiskussion und verweist auf Artikel vier des Grundgesetzes.

DOMRADIO.DE: Wie schätzen Sie die aktuellen Beschlüsse von Bund und Ländern ein?

Antonius Hamers (Leiter Katholisches Büro Nordrhein-Westfalen): Ich glaube, das ist ein ganz kluger Kompromiss, ein kluges Vorgehen, um die Pandemie weiter in den Griff zu bekommen.

DOMRADIO.DE: Wie wichtig waren für Sie die Lockerungen an den Weihnachtsfeiertagen, gerade auch mit Blick auf die Gottesdienste, die dann gefeiert werden?

Hamers: Weihnachten hat im Grunde zwei Dimensionen. Für uns als Christen steht natürlich die religiöse Dimension im Vordergrund, Gott wird Mensch, das feiern wir.

Darüber hinaus hat Weihnachten auch eine soziale Dimension, eine familiäre Dimension. Ich glaube, dass es wichtig ist, den Menschen auch die Möglichkeit zu geben, zu Weihnachten zusammenzukommen und nicht nur alleine oder im allerkleinsten Familienkreis zu sitzen. Ich glaube, dass das, was jetzt geregelt worden ist, dem ganz gut entgegenkommt.

DOMRADIO.DE: Der Wechsel ist schon gravierend, wenn kurz vor Weihnachten plötzlich zehn Personen aus verschiedenen Haushalten zusammenkommen können. Das ist für Sie auch in Ordnung?

Hamers: Das denke ich schon. Für uns steht natürlich die Frage im Vordergrund, wie zukünftig Gottesdienste gefeiert werden können. Wir gehen davon aus, dass wir unter den Regeln, die wir bislang in Absprache mit der Landesregierung getroffen haben, auch weiterhin Gottesdienste feiern können. In dem Beschluss steht drin, dass mit den Religionsgemeinschaften gesprochen werden soll, um noch weitere Kontaktreduzierungen zu treffen.

Religiöse Zusammenkünfte mit Großveranstaltungscharakter, so heißt es, müssen vermieden werden. Da gilt es jetzt nochmal hier auf Landesebene genau zu schauen, wie diese Vorgaben ganz konkret umgesetzt werden können. Es werden sicherlich keine Großveranstaltungen in irgendwelchen Stadien oder auf irgendwelchen großen Plätzen stattfinden können, so wie das ursprünglich mal angedacht worden ist.

DOMRADIO.DE: Die Kirchen und Gemeinden können nun guten Gewissens planen, wie sie den Heiligen Abend und die Feiertage umsetzen. Gibt es da von Ihnen noch Unterstützung? Wie wird das ablaufen im Dezember?

Hamers: Da wird es auf jeden Fall noch Unterstützung geben. Wie gesagt, das Ganze muss noch einmal mit der Landesregierung abgesprochen werden. Dann werden, so wie das bislang auch der Fall gewesen ist, die Gemeinden über die Generalvikariate darüber informiert, welche Regeln für die Weihnachtstage gelten. Ich bin aber ganz zuversichtlich, dass sich diese Regeln jetzt nicht wesentlich von dem unterscheiden, was wir bislang vereinbart haben.

DOMRADIO.DE: Jetzt gibt es rund um diese Beschlüsse teilweise Unverständnis. Die Diskussion ist schon da, dass Kneipen oder Freizeiteinrichtungen weiter geschlossen sind. Gottesdienste dürfen unter Auflagen, wie Sie sagen, stattfinden. Glauben Sie, so was kocht jetzt nochmal hoch?

Hamers: Zunächst einmal finde ich das natürlich wirklich sehr, sehr schade, insbesondere, dass der kulturelle Bereich runtergefahren bleibt. Ich weiß natürlich auch um die Sorgen und Nöte jetzt in der Gastronomie, im Veranstaltungssektor und anderen Bereichen. Ich finde das auch sehr, sehr schade, dass es so ist. Aber es gibt natürlich gute Gründe dafür, es so zu machen.

Ich halte aber nichts davon, den einen Bereich gegen den anderen auszuspielen. So nach dem Motto: Ihr dürft, wir dürfen nicht. Und hinzu kommt, dass das Recht auf Religionsausübung, also der Artikel vier im Grundgesetz, eine sehr, sehr starke Stellung hat. Der Ausfluss dieses Rechtes auf Religionsausübung ist jetzt, dass weiterhin Gottesdienste gefeiert werden können. Das kann nicht so ohne Weiteres eingeschränkt werden. Es ist ein Unterschied, ob ich auf die Religionsausübung verzichte oder ob ich mich in meiner Freizeitgestaltung einschränken muss.

Das Interview führte Carsten Döpp.

(domradio - mg)

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27. November 2020, 10:49