Franziskus 2021 in Mossul Franziskus 2021 in Mossul  (Vatican Media)

Irak: „Papstbesuch war Wendepunkt“

Der Besuch von Papst Franziskus im Irak im März 2021 markiert einen Wendepunkt in der Geschichte der muslimisch-christlichen Beziehungen. Davon ist der irakische Dominikaner Fr. Amir Jaje überzeugt.

Man könne inzwischen greifbare Früchte der Visite sehen, so der Dominikaner, der Mitglied des vatikanischen Dikasteriums für den interreligiösen Dialog ist und einen irakischen Rat für interreligiösen Dialog mitgegrndet hat, gegenüber der Stiftung „Pro Oriente“.

„Viele Menschen in Städten und Vierteln, in denen die Bevölkerungsmehrheit muslimisch ist, haben entdeckt, dass es in ihrem Land Christinnen und Christen gibt! Heute empfangen wir viele junge muslimische Besucher sowie Geistliche in unseren Kirchen, als Zeichen der Freundschaft und Geschwisterlichkeit.“ Auch Politiker seien immer wieder zu Gast, und Weihnachten sei zum offiziellen nationalen Feiertag im Irak erklärt worden.

IS-Ideologie bei vielen noch präsent

Der Ordensmann warnt zugleich aber auch, dass die Ideologie der IS-Terrormiliz in den Köpfen einiger Muslime bis heute noch präsent sei. Viele Muslime hätten andererseits aber auch unter dem IS gelitten, „insbesondere diejenigen in Mosul, die wegen der dschihadistischen Kämpfer durch die Hölle gegangen sind“.

Viele Kinder und Jugendliche seien während der Zeit der IS-Besetzung ihrer Region (2014-2017) einer Gehirnwäsche unterzogen worden, was ein echtes Problem darstelle. Jaje: „Bei diesen von den Dschihadisten indoktrinierten Kindern sind enorme Anstrengungen erforderlich, um das zu reparieren, was der IS in ihren Köpfen zerstört hat.“

„Werden Christen, Jesiden und andere Minderheiten in Sicherheit nach Hause zurückkehren können?“

Seit der Befreiung der Ninive-Ebene vom IS hätten sich mehrere wichtige Fragen ergeben, so Jaje: „Werden Christen, Jesiden und andere Minderheiten in Sicherheit nach Hause zurückkehren können? Wird es für sie noch möglich sein, mit ihren muslimischen Nachbarn, die zu ihrem Leid beigetragen haben, in dieser Region zu leben?“

Der Dominikaner führt einige Hoffnungszeichen für eine bessere Zukunft an: Heute gebe es beispielsweise im Irak immer mehr private christliche Schulen, in denen muslimische und christliche Schülerinnen und Schüler gemeinsam lernen. Mehr als 10.000 christliche, schiitische, sunnitische und andere Schülerinnen und Schüler würden dort gemeinsam unterrichtet.

Einige Hoffnungszeichen

Ein weiterer Kontext für den sozialen christlich-muslimischen Dialog seien die christlichen Gesundheitseinrichtungen, die zu den besten im Land gehörten. Die Patientinnen und Patienten würden unabhängig von ihrer Herkunft von einem Personal aus christlichen und muslimischen Mitarbeitenden aufgenommen und betreut.

Nach der Befreiung der Ninive-Ebene vom IS seien zudem mehrere soziale Initiativen von Gruppen junger Muslime aus Mosul ergriffen worden, die den anderen religiösen Minderheiten zugutekamen. Und schließlich gebe es im Irak inzwischen auch mehrere Organisationen, die sich für den interreligiösen Dialog und das friedliche Zusammenleben einsetzen.

(pro oriente – sk)
 

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05. September 2023, 14:02