Kardinal Sako während des Papstbesuches im Irak im März 2021, des ersten Irakbesuches eines Pontifex Kardinal Sako während des Papstbesuches im Irak im März 2021, des ersten Irakbesuches eines Pontifex  (ANSA)

Irak: Kein Bestand ohne Einheit

Allein die Einheit der Christen in Nahost kann ihr Überleben in der Region garantieren. Daran hat der Patriarch der chaldäischen Kirche Louis Raphael Sako I. anlässlich der Gebetswoche für die Einheit der Christen erinnert.

Der irakische Kardinal veröffentlichte zu der am 18. Januar startenden Gebetswoche einen Aufruf unter dem Titel „Die Ostkirchen brauchen frischen Wind“, in dem er auf die aktuelle Lage und Zukunftsperspektiven der christlichen Gemeinschaften in der Region eingeht.

Minderheiten in Konkurrenz

Diese Gemeinschaften seien in den Ländern des Nahen Ostens „auf fatale Weise von der Gesellschaft, in der sie leben, abhängig“, schreibt der irakische Kardinal. Die Gesetzgebung in den mehrheitlich muslimischen Ländern scheine „in einem konfliktreichen Verhältnis zu den Phänomenen der Moderne“ und „für immer auf der Grundlage religiöser Lehren und Regeln festgelegt“ zu sein, charakterisiert der chaldäische Patriarch die herausfordernden Lebensumstände der christlichen Minderheiten in der Region. Er beobachte eine „Konkurrenz zwischen den verschiedenen kirchlichen Traditionen“ und eine „völlige Überschneidung zwischen ethnisch-nationaler Identität und kirchlicher Zugehörigkeit“, so Patriarch Sako weiter.

Überholte Ideen und realitätsferne Sprache

Kein Blatt vor den Mund nimmt der Patriarch bei seiner Kritik an den christlichen Hirten im Verhältnis zu deren Herde. Bei Priestern, die sich in Briefen, Predigten und Fernsehinterviews äußerten, habe er zuletzt überholte und realitätsfremde Ideen wahrgenommen, so Sako. Ihre Aussagen berührten „weder die Gefühle der Empfänger, noch nähren sie ihre Hoffnung, noch spenden sie Trost und Erfrischung“, urteilt Sako. Wenn dies so weitergehe, „werden künftige Generationen ohne Glauben sein“, prognostiziert der engagierte Kirchenmann.

Haarspalterei und Angst

Die Christen des Nahen Osten seien heute aufgerufen, „Wachsamkeit“ in Ländern zu üben, „die von Konflikten, Diskriminierung und Gewalt geprägt sind und die Auswanderung und Migration fördern“, so Sako. Der Einheit der Christen müsse „angesichts der Dringlichkeiten der Gegenwart“ auch kirchenpolitisch neue Priorität eingeräumt werden, so der irakische Kardinal. Er beklagt, dass die katholischen Ostkirchen „weder von der Arbeit des Zweiten Vatikanischen Ökumenischen Konzils (1962-1965) noch von der Nahost-Synode im Jahr 2010 viel profitiert“ hätten.

Einheit als Garantie des Überlebens

Dabei liege die Stärke der Christen in Nahost in einer „harmonischen Einheit“, die „eine Garantie für unser Überleben und unsere Kontinuität bei der Verbreitung unserer Botschaft“ sei, erinnert Sako. Einheit und Geschwisterlichkeit bedeuteten dabei kein Abtöten oder Aufheben des Reichtums der unterschiedlichen theologischen, liturgischen und spirituellen Traditionen, präzisiert er. Der chaldäische Patriarch rät jedoch davon ab, sich zu sehr an „unwesentlichen Unterschieden“ festzuhalten statt „Demut und geschwisterliche Begegnung“ zu kultivieren und daran zu arbeiten, „Fanatismus und Angst“ zu überwinden:

„Das Bekenntnis zum gleichen Glauben an Christus muss Wege der Einheit aufzeigen und helfen, Spaltungen und Misstrauen zu überwinden“, lautet sein eindringlicher Appell zur Woche der Einheit der Christen.

(fides – pr)

 

Danke, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Wenn Sie auf dem Laufenden bleiben wollen, können Sie hier unseren Newsletter bestellen.

14. Januar 2023, 07:00