Kardinal Parolin bei einem Interview Kardinal Parolin bei einem Interview 

Kardinal Parolin fordert „gerechten Frieden“ für Ukraine

Der vatikanische Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin warnt vor einem Zerfall der internationalen Ordnung. Schon seit einiger Zeit wüchsen die Spannungen innerhalb der internationalen Gemeinschaft; das Ergebnis seien Kriege und Konflikte.

Das sagte der Regierungschef des Vatikans am Donnerstagabend in einem Interview mit dem italienischen Fernsehsender Rai 1. „Wir sind vom Kalten Krieg zum Dritten Weltkrieg in Stücken übergegangen, wie Papst Franziskus gerne wiederholt. Ich glaube, dass wir uns auf keinen Fall mit dieser Entwicklung abfinden dürfen. Wir müssen den Geist zurückgewinnen, der die internationale Gemeinschaft unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg beseelt hat!“

Es gehe darum, die „Ideale“ der Nachkriegszeit wiederzuentdecken – sie hätten es damals „auch als Folge der Kriegserfahrungen“, ermöglicht, das heutige Gefüge der internationalen Beziehungen zu errichten.

Lob für Zuppis Friedensmission

Kardinal Parolin äußerte sich besorgt über die derzeitige „nukleare Eskalation“ und rief zu neuen Abrüstungsinitiativen auf. Die Atomwaffen müssten beseitigt werden, „damit sie keine Gefahr mehr für die gesamte Menschheit darstellen“.

Kardinal Zuppi Ende Juni in Moskau mit dem orthodoxen Patriarchen Kyrill
Kardinal Zuppi Ende Juni in Moskau mit dem orthodoxen Patriarchen Kyrill

Mit Lob bedachte Parolin die Friedensmission für den Ukraine-Krieg, die der italienische Kardinal Matteo Zuppi aufgenommen hat. „Die Mission in Moskau war Teil der von Papst Franziskus vorgeschlagenen globalen Initiative. Dazu gehörte ein erster Halt in Kyiv und dann dieser zweite Moment in Moskau. Für Zuppi ging es vor allem um die humanitäre Seite.“

„Recht gut gelaufen“

In dieser Hinsicht sei die Mission „recht gut gelaufen“, so Kardinal Parolin. Nun gelte es, „Mechanismen zu finden“, um beim Austausch von Gefangenen und der Rückführung von Kindern in die Ukraine Konkretes zu erreichen. Dabei setze der Vatikan auf die Hilfe „einer internationalen Organisation“ – konkreter wurde Parolin nicht.

Papst Franziskus 2017  vor der UNO-Vollversammlung in New York
Papst Franziskus 2017 vor der UNO-Vollversammlung in New York

Ukraine-Krieg: Das Völkerrecht wahren

Der engste Mitarbeiter von Papst Franziskus glaubt, dass humanitäre Gesten „auch Wege und Pfade zum Frieden“ in der Ukraine sein könnten. „Der Frieden in der Ukraine muss ein gerechter Frieden sein. Das bedeutet, die gegenseitigen Rechte und auch die gegenseitigen Pflichten anzuerkennen. Es bedeutet vor allem, die Würde der Menschen zu berücksichtigen.“ Wesentlich sei auch die Wahrung des Völkerrechts; dazu gehörten die Anerkennung von Grenzen und die Selbstbestimmung der Völker.

Kardinal Parolin hofft auf gerechten Frieden für die Ukraine - ein Beitrag von Radio Vatikan

Für eine UNO-Reform

Wie auch Papst Franziskus in seiner letzten Enzyklika „Fratelli tutti“ setzte sich Kardinal Parolin für eine Reform der UNO ein. „Ja, eine Reform der Vereinten Nationen ist notwendig. Wir brauchen eine UNO, in der keine Partikularinteressen, keine Ideologien vorherrschen. Eine UNO, in der die Würde eines jeden Staates geachtet wird.“ Dabei dürfe es nicht „zu einer Übermacht der stärkeren Staaten“ kommen, und der Sicherheitsrat müsse imstande sein, „Konflikte zu verhüten und zu lösen, mit den dafür geeigneten Mechanismen“.

Dschenin (Westbank) nach der israelischen Militäroperation
Dschenin (Westbank) nach der israelischen Militäroperation

„Die ultimative Lösung des Nahost-Konflikts ist die Anerkennung von zwei Staaten“

Der Kardinalstaatssekretär äußerte sich auch zur angespannten Lage im Nahen Osten, zwischen Israel und Palästina. „Der erste Appell lautet, die Anwendung von Gewalt zu vermeiden.“ Gewalt vergrößere die Probleme nur; stattdessen solle man neue Friedensgespräche auf den Weg bringen. „Die ultimative Lösung, der Horizont, auf den man zusteuert, ist die Anerkennung von zwei Staaten.“

(vatican news – sk)
 

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07. Juli 2023, 09:54