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Papst regt Dialog über Ämter und Laiendienste an

Über ihre Erfahrungen mit Ämtern und Diensten in der Kirche will sich Papst Franziskus mit Bischofskonferenzen in aller Welt austauschen. Das kündigte er in einer Botschaft zum 50. Jahrestag des Motu Proprio „Ministeria quaedam“ an, die der Vatikan diesen MIttwoch veröffentlichte.

Mit „Ministeria quaedam“ schaffte Papst Paul VI. 1972 Subdiakone und die sogenannten niederen Weihen ab und führte die Laienämter des Lektors und Akolythen ein. Papst Franziskus wünscht sich – vor allem auch vor dem Hintergrund des aktuell laufenden, weltweiten synodalen Prozesses – einen Austausch über die Erfahrungen in den Bischofskonferenzen mit solchen Ämtern und Laiendiensten in der Kirche. So wolle er sich „in den kommenden Monaten“ mit Bischofskonferenzen weltweit austauschen, „um den Reichtum der Erfahrungen mit den Diensten, die die Kirche in diesen fünfzig Jahren (seit Ministeria quaedam, Anm.) gemacht hat, zu teilen, und zwar sowohl mit den institutionalisierten Diensten (Lektoren, Akolythen und seit kurzem auch Katecheten) als auch mit den außerordentlichen und de facto-Diensten“. Damit stellt Franziskus regulär bestehende und außerordentliche Dienste in der Kirche, aber auch „de facto" existierende Ämter auf den Prüfstand und regt zu einem gemeinsamen Nachdenken darüber an.

„Um auf die Stimme des Geistes hören zu können und den Prozess nicht aufzuhalten - wobei ich darauf achte, ihn nicht durch Entscheidungen zu erzwingen, die die Frucht ideologischer Visionen sind -, halte ich es für nützlich, die Erfahrungen dieser Jahre mitzuteilen, umso mehr im Klima des synodalen Prozesses. Sie können wertvolle Hinweise geben, um zu einer stimmigen Sicht des Themas Taufe zu gelangen und so unseren Weg fortzusetzen.“

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Bitte keine Ideologisierungen: Taufe Bezugspunkt

In welcher Form dieser Dialog stattfinden soll, sei noch festzulegen, so Papst Franziskus in seiner Botschaft. Der Papst warnt darin zugleich vor Ideologisierungen und erzwungenen Entscheidungen bei dem Thema, die dem synodalen Prozess der Unterscheidung vorausgreifen. Der Austausch kann, zeigt sich Franziskus zuversichtlich, „wertvolle Hinweise geben, um zu einer stimmigen Sicht des Themas Taufe zu gelangen und so unseren Weg fortzusetzen“, wie er in seiner Botschaft formuliert. Franziskus‘ Botschaft veröffentlichte der Vatikan an diesem Mittwoch, datiert ist sie auf den 15. August 2022 – den 50. Jahrestag des Motu Proprio „Ministeria quaedam“ (1972).

Der Erlass „Ministeria quaedam“ des Montini-Papstes „bot der Kirche eine wichtige Perspektive, die die Kraft hatte, weitere Entwicklungen zu inspirieren“, hält Franziskus in der Würdigungsschrift weiter fest. Der heilige Paul VI. habe mit dem Erlass auf die Lehren des Zweiten Vatikanischen Konzils und auf „Erfordernisse der Zeit“ reagiert, so der amtierende Papst, er habe „die Richtung angegeben, in die es gehen soll“.

„Ministeria quaedam öffnete die Tür zur Erneuerung der Erfahrung des Dienstes der Gläubigen, die aus dem Wasser der Taufe wiedergeboren, durch das Siegel des Geistes bestätigt und durch das lebendige, vom Himmel herabgestiegene Brot genährt werden.“

Mit dem 1972 veröffentlichten Motu proprio „Ministeria quaedam“ brach Paul VI. mit langer Tradition und schaffte Subdiakone und die sogenannten niederen Weihen in der römisch-katholischen Kirche ab. Den Eintritt in den Klerus band er an die Diakonatsweihe, an die Stelle der niederen Weihen traten nun Beauftragungen zum Lektor und Akolyth, durch die auch Laien im gottesdienstlichen Handeln sichtbar werden sollten. Die neuen Dienstämter sollten auf Dauer die Aufgaben erfüllen, die zuvor der Subdiakon im Gottesdienst hatte - aber auf Grundlage der Befähigung aus Taufe und Firmung.

Vom realen kirchlichen Leben ausgehen

Paul VI. räumte laut Franziskus damit den Bischofskonferenzen die Möglichkeit ein, „den Apostolischen Stuhl um die Einsetzung derjenigen Ämter zu bitten, die in ihren Regionen als notwendig oder sehr nützlich erachtet wurden“, so der amtierende Papst mit Verweis auf Notwendigkeiten des örtlichen kirchlichen Lebens.

Franziskus selbst hatte zuletzt mit zwei Erlässen Laienämter erweitert und gestärkt. Mit dem Motu Proprio „Spiritus Domini“ (Januar 2021) öffnete Franziskus die Ämter des Lektors und Akolythen auch für Frauen. Vielerorts – zumal im deutschen Sprachraum – war schon seit längerer Zeit Praxis, dass Frauen Altar- und Lesungsdienste übernehmen, doch 2021 fand diese Praxis auch Eingang ins Kirchenrecht. Mit einem weiteren Erlass, „Antiquum Ministerium“ (Mai 2021) führte Papst Franziskus offiziell den laikalen Dienst des Katecheten ein.

Dass der amtierende Papst diese Schritte nicht als Bruch, sondern als Fortsetzung bereits bestehender Voraussetzungen verstanden wissen will, betont er in seiner Botschaft zu „Ministeria quaedam“: Die beiden Interventionen seien „nicht als Überwindung der früheren Lehre zu verstehen, sondern als eine Weiterentwicklung, die möglich wurde, weil sie auf denselben Grundsätzen beruht, die - im Einklang mit den Überlegungen des Zweiten Vatikanischen Konzils - die Ministeria quaedam inspirierten“, unterstreicht der Papst. „Die beste Art und Weise, den heutigen bedeutenden Jahrestag zu begehen, besteht gerade darin, die Überlegungen zu den Diensten, die der heilige Paul VI. angestoßen hat, weiter zu vertiefen.“

(vatican news -pr)
 

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24. August 2022, 13:00