Die neuen Botschafter im Vatikan, aus Pakistan, VAE, Burundi und Katar Die neuen Botschafter im Vatikan, aus Pakistan, VAE, Burundi und Katar 

Papst: Solidarität unabhängig von Geografie und Eigeninteresse

Papst Franziskus hat angesichts von Konflikten in der Welt an die wesentliche Rolle der Diplomatie, der Völkerverständigung und des Völkerrechtes erinnert. Bei einer Begegnung mit einer Gruppe von Botschaftern im Vatikan mahnte er eine menschliche Geschwisterlichkeit unabhängig von „geografischen Gesichtspunkten und Eigeninteressen“ an.

Anne Preckel – Vatikanstadt

Franziskus empfing eine Gruppe nicht residierender Botschafter in Audienz, die zu ihrem Antrittsbesuch in den Vatikan kamen. Sie werden fortan die Länder Pakistan, Vereinigte Arabische Emirate, Burundi und Katar beim Heiligen Stuhl vertreten.

Die vier Diplomaten und Diplomatinnen begännen ihren Dienst „zu einem besonders schwierigen Zeitpunkt“, sagte Franziskus seinen Besuchern. Nach einem vorsichtigen Aufatmen nach zwei Jahren Corona habe sich mit dem Konflikt in der Ukraine nun eine „dunkle Wolke des Krieges über Osteuropa“ gesenkt, die „direkt oder indirekt die ganze Welt einhüllte“, so der Papst. Viele Menschen in Europa hätten damit nicht gerechnet:

„Nach den verheerenden Auswirkungen zweier Weltkriege und der nuklearen Bedrohung während des Kalten Krieges sowie der zunehmenden Anerkennung der Rolle des Völkerrechts und der Schaffung multinationaler politischer und wirtschaftlicher Organisationen, die sich auf den Zusammenhalt der Weltgemeinschaft konzentrierten, glaubten die meisten Menschen, dass der Krieg in Europa eine ferne Erinnerung sei.“

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Hoffnung auf gemeinsame Krisenbewältigung und Solidarität

Dies habe sich leider nicht bewahrheitet, so Franziskus. Doch „selbst in einer Tragödie dieses Ausmaßes“ könne „das Beste der Menschheit“ zum Vorschein kommen, fügte er dann hoffnungsvoll hinzu. Unter anderem durch die mediale Echtzeit-Abbildung des Krieges und seiner „eindringlichen und bisweilen grausamen Bilder von Leid und Tod“ sei „unser Gewissen aufgerüttelt“ worden.

„Diese Bilder haben auch ein Gefühl der Solidarität und Brüderlichkeit geweckt, das viele Länder und Einzelpersonen dazu veranlasst hat, humanitäre Hilfe zu leisten.“

„Diese Bilder haben auch ein Gefühl der Solidarität und Brüderlichkeit geweckt, das viele Länder und Einzelpersonen dazu veranlasst hat, humanitäre Hilfe zu leisten. Ich denke dabei vor allem an die Länder, die ohne Rücksicht auf die Kosten Flüchtlinge aus dem Konflikt aufnehmen. Wir haben erlebt, wie Familien ihre Häuser für andere Familienmitglieder, Freunde und sogar Fremde geöffnet haben.“

So viele vergessene Konflikte

Gleichzeitig dürfe man nicht vergessen, „dass es in der Welt noch viele andere Konflikte gibt, die vor allem von den Medien wenig oder gar nicht beachtet werden“, fuhr der Papst fort. Und er mahnte Solidarität mit den Leidenden dieser unsichtbaren Konflikte an:

„Wir sind eine einzige Menschheitsfamilie, und das Ausmaß der zum Ausdruck gebrachten Empörung, der angebotenen humanitären Hilfe und des Gefühls der Geschwisterlichkeit gegenüber den Leidenden sollte nicht von geografischen Gesichtspunkten oder Eigeninteressen abhängen.“

Nicht bei Kriegen und gewaltsamen Konflikten gelte die gleiche Würde eines jeden Menschen, sondern auch bei den Folgen des Klimawandels, von Armut, Hunger, Mangel an sauberem Wasser sowie beim Zugang zu menschenwürdiger Arbeit und angemessener Bildung, weitete der Papst den Blick. Der Heilige Stuhl bemühe sich „weiterhin über zahlreiche Kanäle“ weltweit um Frieden und die Linderung von Leid, versicherte der Papst.

Dialog und Diplomatie, Völkerverständigung und Völkerrecht

„Er tut dies in der Überzeugung, dass die Probleme, die die gesamte Menschheitsfamilie betreffen, eine einheitliche Antwort der internationalen Gemeinschaft erfordern, in der jedes Mitglied seine Rolle spielt.“

Die Botschafterinnen und Botschafter ermutigte der Papst in diesem Kontext dazu, „durch den Dialog eine Kultur der Begegnung aufzubauen und das gegenseitige Verständnis zwischen den Völkern zu fördern sowie die edlen Grundsätze des Völkerrechts zu wahren.“ Trotz Herausforderungen und Rückschlägen dürfe nie die Hoffnung auf eine geschwisterlichere und friedlichere Welt aufgegeben werden, bekräftigte Franziskus.

Die Diplomaten, die am Donnerstag zum Antrittsbesuch in den Vatikan kamen, waren Aamir Shouket aus Pakistan, Scheich Mohammed bin Yousef bin Jassim Jabor Al-Thani aus Katar, Omar Saif Saees Ghobash aus den Vereinigten Arabischen Emiraten und, als einzige Frau, Appolonie Nibona aus Burundi. Sie werden fortan als nicht-residierende diplomatische Vertreter ihrer Länder beim Heiligen Stuhl wirken. Volle diplomatische Beziehungen mit residierenden Botschaftern unterhält der Heilige Stuhl aktuell zu mehr als 180 Staaten.

(vatican news – pr)
 

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19. Mai 2022, 11:57