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Papst zu Jugendlichen in Tokio: „Werdet keine Zombies“

Immer wieder mal ermuntert Papst Franziskus junge Leute, nicht „auf dem Sofa sitzenzubleiben“, sondern ihr Leben engagiert in die Hand zu nehmen. An diesem Montag nun griff er bei einem Treffen mit Jugendlichen in Tokio zu einer ungewöhnlichen Formulierung: Sie sollten doch trotz des gesellschaftlichen Drucks, der auf ihnen laste, nicht „wie Zombies“ werden.

Stefan von Kempis – Vatikanstadt

Auch in einer „hektischen Gesellschaft“, in der es nur um Wettbewerbsfähigkeit und Produktivität gehe, sei es möglich, „Platz für Gott zu schaffen“, mahnte Franziskus am letzten vollen Tag seiner Japanreise.

„Nicht selten kann man beobachten, dass ein Mensch, eine Gemeinschaft oder sogar eine ganze Gesellschaft äußerlich bestens entwickelt ist, dass aber ihr Innenleben arm und verkümmert, ihre Seele und ihre Vitalität erloschen sind. Alles wird langweilig, sie träumen nicht mehr, sie lachen nicht, sie spielen nicht, sie haben keinen Sinn für Wunder und Überraschungen. Sie sind wie Zombies, ihre Herzen haben aufgehört zu schlagen, weil sie nicht in der Lage waren, das Leben mit anderen zu feiern.“

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Einsamkeit ist die schrecklichste Armut

Viele Menschen weltweit – aber Franziskus hatte bei diesen Worten natürlich vor allem Japan im Auge – seien materiell reich, doch lebten wie Sklaven in tiefer Einsamkeit. „Mutter Teresa, die unter den Ärmsten der Armen wirkte, sagte einmal etwas Prophetisches: Die Einsamkeit und das Gefühl, nicht geliebt zu werden, ist die schrecklichste Armut.“

Diese spirituelle Armut und Einsamkeit gelte es zu bekämpfen, sagte der Papst, der sich zu Beginn seiner Japanreise gegenüber Bischöfen bestürzt über die hohe Selbstmordrate unter Jugendlichen im Land gezeigt hat. Es gelte zu „erkennen, dass das Wichtigste nicht das ist, was ich besitze oder was ich kaufen kann, sondern mit wem ich es teilen kann“.

„Die Dinge sind wichtig, aber die Menschen sind unverzichtbar“

Franziskus riet den jungen Leuten, Freundschaften einzugehen und zu pflegen: „Die Dinge sind wichtig, aber die Menschen sind unverzichtbar; ohne sie verlieren wir etwas Entscheidendes unseres Menschseins, unser Gesicht und unseren Namen.“

Mehrere Jugendliche konnten dem Papst bei der Begegnung in der modernen Marienkathedrale von ihrem Leben und ihren Ansichten berichten; dabei wurde auch die Klage über die Anonymität der Gesellschaft in Japan laut. Eine junge buddhistische Lehrerin wies Franziskus auf den starken Leistungsdruck im japanischen Schulsystem hin. Viele Schülerinnen und Schüler würden Opfer von Mobbing, hätten Angstattacken, dächten an Selbstmord. „Als ich in der Grundschule war, hörte ich die anderen sagen: Blöder Ausländer, oder: Fettsack“, erzählte ein junger Migrant von den Philippinen.

Stoßseufzer eines Selfie-Geplagten

Franziskus wich in seiner Rede immer wieder vom vorbereiteten Redetext ab. Er wies seine Zuhörer darauf hin, dass die Zukunft nicht „einfarbig“ sein werde. „Wie sehr muss unsere Menschheitsfamilie lernen, in Harmonie und Frieden zusammenzuleben, ohne dass wir dazu alle gleich sein müssen!“ Mobbing sei eine „Seuche“, gegen die sich alle zusammen wehren müssten.

Auch eine Art Stoßseufzer entfuhr dem Papst, der häufig nolens volens bei Selfies mitmachen muss: „Es gibt viele Erfindungen, aber Gott sei Dank gibt es immer noch keine Seelen-Selfies.“ Damit meinte er: „Um glücklich zu sein, müssen wir andere um Hilfe bitten; ein anderer muss dieses Foto machen, d.h. es geht darum, aus uns selbst herausgehen und auf die anderen zuzugehen.“ Die Jugendlichen sollten nicht so oft in den Spiegel schauen, sonst werde dieser zerspringen - stattdessen sollten sie ihr Leben mit anderen teilen.

(vatican news)
 

25 November 2019, 05:10