Der heilige Papst Johannes Paul II. besuchte 1999 Bukarest Der heilige Papst Johannes Paul II. besuchte 1999 Bukarest 

Papst in Rumänien: „Ruf nach Einheit der Christen“

Drei Tage nimmt sich Franziskus an diesem Wochenende Zeit für seine Reise nach Rumänien. Der lateinische Erzbischof von Bukarest, Ioan Robu, betonte jetzt in einem Interview, dass sich auch alle im Land, auch die orthodoxe Kirche, auf den Papst freuten.

Der unvergessene Ruf nach Einheit beim Papstbesuch 1999 – „Unitate“ – habe auch heute Gültigkeit, „sowohl bei den Katholiken als auch bei den Orthodoxen“: „Das ist wie ein ins Erdreich gesenkter Same, das braucht Zeit, um aufzublühen“. Robu verwies darauf, dass rund die Hälfte der Familien in seiner Diözese konfessionell gemischt ist, „im Alltag lebt und arbeitet man gemeinsam, es gibt wechselseitigen Respekt ohne Probleme“.

„Wir haben mehr erträumt und gehofft“

Er sei damals selbst dabei gewesen, als der Ruf nach Einheit – zum ersten Mal bei einem Papstbesuch in einem orthodoxen Land – in Bukarest ertönt sei, erinnerte sich der Erzbischof. Leider hätten sich die Beziehungen zur orthodoxen Kirche nicht so entwickelt wie man es damals vor 20 Jahren erwartet habe: „Wir haben mehr erträumt und gehofft. Jetzt sind wir in einer auch von Spannungen gekennzeichneten Realität, die wir uns damals nicht vorstellen konnten“.

Ein geteiltes Land

Sehr betroffen sei Rumänien durch die Migrationsbewegung, so Robu: „Millionen von Rumänen leben und arbeiten heute in Italien, in Spanien, in ganz Europa und darüber hinaus“. Das bringe viel Leid für die Familien mit sich, weil die emigrierten Eltern ihre Kinder in der Obhut der Großeltern lassen müssen. Die jüngeren Leute gingen weg, weil sie sich im Ausland ein höheres Lebensniveau erwarten, als ihnen Rumänien derzeit bieten kann. Rumänien sei heute in sozio-ökonomischer Sicht ein geteiltes Land. Deshalb laute auch das Motto des Papstbesuchs „Gehen wir gemeinsam“.

Katholiken sind „kleine, aber dynamische Minderheit“

Leider werde Papst Franziskus bei seinem Besuch von 31. Mai bis 2. Juni auch ein „durch die Politik“ sehr gespaltenes Land vorfinden. Die Politiker hätten oft nicht im Interesse des Landes, sondern im Hinblick auf ihre persönlichen und parteilichen Interessen gehandelt. Umso mehr gebe es im Zusammenhang mit dem Papstbesuch große Hoffnungen: „Auch für die Nichtkatholiken ist der Papst ein Hirte, der von der Notwendigkeit spricht, die Einheit zum Wohl aller sichtbar zu machen. Er wird als Verkünder der Güte Gottes, der Barmherzigkeit, des Friedens empfunden“.

Für die Katholiken, „die eine kleine, aber dynamische Minderheit sind“, verbinde sich der Besuch von Papst Franziskus mit der Hoffnung auf Stärkung des Glaubens und der katholischen Identität. Wie vor 20 Jahren beim Besuch von Johannes Paul II. werde die Visite von Papst Franziskus die Atmosphäre verändern: „Das wird ein Geschenk sein – für alle. Wir werden neuen Mut fassen“.

(pro oriente – sk)
 

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28. Mai 2019, 14:39