VATICAN-TURKEY-DIPLOMACY VATICAN-TURKEY-DIPLOMACY 

Papst und Erdogan sprachen über Christen, Flüchtlinge und Jerusalem

Papst Franziskus hat den türkischen Präsidenten am Montagvormittag in Privataudienz empfangen. Dialog, Verhandlungen und Menschenrechte seien grundlegende Elemente für den Frieden im Nahen Osten, betonten sie in ihren Gesprächen, wie eine Vatikannote im Anschluss mitteilte.

Mario Galgano - Vatikanstadt

Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen hat der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan am Montagmorgen den Vatikan besucht. Bei dem Gespräch ging es um die bilateralen Verhältnisse zwischen dem Heiligen Stuhl und der Türkei, so die anschließende Mitteilung des vatikanischen Pressesaals.

Papst Franziskus schenkte dem türkischen Staatspräsidenten eine Medaille mit einem Friedensengel. „Das ist ein Friedensengel, der den Dämon des Krieges besiegt. Er ist Symbol einer Welt, die auf Frieden und Gerechtigkeit basiert“, erklärte Franziskus dazu, wie beobachtende Journalisten nach der privaten Begegnung am Montagvormittag berichteten. Das Vier-Augen-Gespräch dauerte etwa 50 Minuten und damit eine halbe Stunde länger als üblich. Erdogan war kurz vor 9.30 Uhr im Vatikan angekommen. Der Konvoi bestand aus etwa 30 Autos und Minivans sowie einer großen türkischen Motorradeskorte.

Der Papst und Erdogan hätten auch über die Lage der Katholiken in der Türkei gesprochen, so die Mitteilung. In dem Land mit 80 Millionen Einwohnern leben etwa 30.000 Katholiken. Die römisch-katholische Kirche in der Türkei zählt sieben Diözesen verschiedener Riten. Als Minderheit haben sie dementsprechend Schwierigkeiten, in der Gesellschaft Gehör zu finden. Auch wurde just vor genau zwölf Jahren der katholische Priester Andrea Santoro in Trabzon brutal ermordet.

Erdogan dankte Franziskus zu Beginn der Begegnung für dessen Interesse. Die Atmosphäre des Treffens beschrieben die beobachtenden Journalisten als höflich und froh gestimmt. Bei dem Gespräch zwischen Franziskus und Erdogan ging es aber auch um die Lage der Flüchtlinge. Die Türkei hatte vor zwei Jahren mit der Europäischen Union ein Abkommen unterzeichnet. Ankara lässt Flüchtlinge aus dem Nahen Osten nicht nach Europa weiterziehen, dafür bekommt die Türkei einige Milliarden Euro Hilfsgelder von der EU. Über die Herausforderungen für die Türkei betreffend dem Umgang mit Flüchtlingen sprachen der Papst und Erdogan ebenfalls.

Ein weiteres Gesprächsthema sei der Status Jerusalems gewesen, so die Vatikan-Note. Es gelte, „über Dialog und Verhandlungen Frieden und Stabilität im Nahen Osten zu fördern“, hieß es in der Mitteilung, dabei seien jeweils die Menschenrechte und das internationale Recht zu wahren.

Nach dem Gespräch mit dem Papst traf Erdogan auch Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin und den vatikanischen Außenminister, Erzbischof Paul Richard Gallagher.

Es war der erste Empfang für einen türkischen Präsidenten oder Regierungschef im Vatikan seit 59 Jahren und seit der Aufnahme voller diplomatischer Beziehungen zwischen Heiligem Stuhl und der Türkei im Jahr 1960. Erdogan hatte Franziskus bei dessen Türkei-Besuch 2014 in Ankara empfangen. Am Montag wurde er von seiner Frau Emine in den Vatikan begleitet, die ein hochgeschlossenes schwarzes Kostüm, einen schwarzen Mantel und ein helles Kopftuch trug.

(vatican news/kna)

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05. Februar 2018, 13:35