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D: Pax Christi sieht in Gewalt keinen Weg zum Frieden

Neues Jahr und auch neue Chancen für den Frieden: Gerold König, Bundesvorsitzender der katholischen Friedensbewegung Pax Christi erklärt im Gespräch mit dem Kölner Domardio, warum Frieden so schwierig zu schließen scheint.

DOMRADIO.DE: Wie steht es um den Frieden in der Welt?

Gerold König (Bundesvorsitzender von Pax Christi): Natürlich steht es um den Frieden in der Welt derzeit schlecht. Wir haben zwei große Krisenherde, die uns sehr nahe gekommen sind. Einmal der Krieg in der Ukraine und zum anderen der Überfall der Hamas auf Israel.

Beides ganz schreckliche Szenarien, aber nur zwei unter 50 aktiven Kriegen und 200 Krisenherden, die es sonst auf der Welt noch gibt, die ganz schnell zu Kriegen auswachsen können. Von daher ist Ihre Frage eigentlich im Moment nur negativ zu beantworten.

DOMRADIO.DE: Der Nahostkonflikt und der Angriffskrieg auf die Ukraine sind beides Konflikte, die schon seit Jahren immer wieder mal entflammen, aktueller werden. Was macht die Friedensfindung so schwierig?

König: Wir haben es beim Ukraine-Krieg mit dem Versuch eines Autokraten zu tun, nämlich dem russischen Präsidenten Putin, wo es einfach um die Macht, um eine Machterweiterung, um eine Machtfülle geht. Dazu benutzt er das Mittel des Krieges.

Krieg ist, wie der Papst schon sagte, eine Niederlage der Menschheit. Ich finde, Krieg ist immer eine Niederlage der Menschlichkeit. Man muss miteinander reden, man muss miteinander diskutieren.

Hier das ganze Interview zum Nachhören

 

„Gewalt kann nicht die Lösung von Problemen sein.“

In Israel und Palästina ist die Situation eine andere gewesen. Die Hamas hat einen mörderischen Anschlag auf Israel verübt, der durch gar nichts zu rechtfertigen ist. Es zeigt sich immer mehr, dass auch die Reaktion Israels ganz schwierig ist, weil sie nun versucht, eine Terrororganisation wie die Hamas in die Knie zu zwingen und auszumerzen, wie Netanjahu sagt.

Das kann und wird nicht gelingen. Das ist eigentlich noch nie gelungen. Manchmal frage ich mich, warum lernen die Menschen eigentlich nichts aus dem, was immer wieder passiert ist? Nach 9/11 hat Amerika auch versucht, den Terror zu bekämpfen. Es ist nicht gelungen.

In Afghanistan sind die Taliban vertrieben worden und wieder auferstanden. All das ist immer sehr schwierig und dient sicherlich nicht dem Frieden. Gewalt kann nicht die Lösung von Problemen sein.

DOMRADIO.DE: Jetzt polarisiert ja Krieg, auch die Menschen hierzulande. „Frieden um jeden Preis“ auf der einen und „Recht auf Verteidigung“ auf der anderen Seite, aber beide Seiten wissen nicht wie. Wie sehen Sie diese Debatte? Können Sie beide Seiten verstehen?

König: Ich kann beide Seiten verstehen, weil in beiden Seiten Verzweiflung deutlich wird. Die Verzweiflung, Angst und Sorge um etwas, das einfach nicht zu beeinflussen ist. Wir als Friedensbewegung sind natürlich nicht die Regierung. Wir können wirklich nur auf Defizite hinweisen und deutlich machen, wir können Dinge fordern und anprangern, nämlich Verhandlungen.

 

„Wann hört dieses Recht zur Selbstverteidigung auf?“

Jede Waffe, die geliefert wird, ist auch eine Waffe, die tötet. Und mit jeder Waffenlieferung werden eben auch Menschen getötet und die werden dem Frieden nicht dienen. Das polarisiert die Gesellschaft.

Genauso die andere Seite, die sagt, die Ukraine oder die Israelis haben ein Recht zur Selbstverteidigung. Ja, sie haben ein Recht zur Selbstverteidigung. Aber wann hört dieses Recht zur Selbstverteidigung auf? Wann sind rote Linien gezogen und wie weit können wir gehen, diesen Krieg mit Waffen immer weiter zu verlängern?

Gerade in der Ukraine zeigt sich jetzt schon, dass es ein Zermürbungskrieg werden wird. Wir müssen mehr auf Verhandlungen setzen. Wir müssen darauf setzen, dass Gespräche geführt werden.

Jetzt gibt es natürlich wieder viele, die sagen, mit Putin kann man nicht reden. Ja, das stimmt. Mit Putin kann man nicht reden, weil er so von seiner Macht und seiner Machterweiterung erfüllt ist, dass er nicht mit sich reden lässt. Und dennoch müssen wir diplomatische Wege gehen.

 

„Mehr Besorgnis als Begrüßung.“

DOMRADIO.DE: Papst Franziskus hat diesem Welttag für den Frieden ein Motto gegeben: „Künstliche Intelligenz und Frieden.“ Diese Technologie hat das Potenzial, gute Friedensbotschaft zu schreiben oder auch vielleicht als autonome Waffensysteme zu agieren - also ziemlich extreme Pole. Sehen Sie die Technologie eher dem Frieden oder dem Krieg dienlich?

König: Ich würde sie gerne dem Frieden dienlich sehen. Alles, was an künstlicher Intelligenz, dem Frieden dienlich ist, sollte man auch nutzen. Nur ist es bei uns Menschen so, dass wir natürlich die Gegenpole auch nutzen wollen und nutzen werden.

Es ist Wahnsinn, was künstliche Intelligenz kann. Aber wie können wir diese steuern? Da gibt es bei mir mehr Besorgnis als Begrüßung.

Das Interview führte Florian Helbig.

(domradio – mg)

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02. Januar 2024, 11:32