Jesus mit seinen Jüngern - mittelalterliches Fresko Jesus mit seinen Jüngern - mittelalterliches Fresko 

Unser Sonntag: Jünger des Herrn in der Gegenwart

Nachfolge Christi ist nicht nur etwas für einige wenige - wir alle sind von Jesus Herausgerufene, die sich mit ihm auf den Weg machen sollen, sagt der Augustiner-Chorherr Herr Marcel (Vogel) in seiner Auslegung des Sonntagsevangeliums.

Herr Marcel (Vogel)

XII Sonntag im Jahreskreis (A)
Mt 10, 26-33

Im heutigen Evangelium spricht Jesus davon, die frohe Botschaft öffentlich zu verkünden. Vielleicht denken einige, dass dieser Auftrag zuvorderst den Bischöfen, Priestern, Diakonen und Ordensleuten gilt. Jedoch besitzt ein jeder Christ die Berufung, den Glauben an Jesus Christus in die Welt zu tragen.

Zum Nachhören

Das letzte Konzil bezeichnet diese Verkündigung sogar als Pflicht aller Getauften (cfr. Ad gentes, n. 35). Die heutige Stelle aus dem Matthäusevangelium zeigt ganz deutlich den Willen Jesu, der eben keine Untergrundkirche oder ein elitäres Grüppchen heranbilden wollte. Sondern er sieht es als unabdingbar für die Kirche an, das Evangelium öffentlich zu verkünden. Die innerste Natur der christlichen Religion baute seit Beginn der Kirche immer auf das Evangelium, den Glauben an Jesus Christus.

Die Betrachtung zum Sonntagsevangelium im Video

Zeugnis im Alltag

Diesen Glauben an das menschgewordene Wort Gottes bezeugen nicht nur die Priester – ihn darf ein jeder Christ im Alltag, durch das treue Leben der christlichen Werte, bezeugen. Wir geben also nicht immer nur mit Worten Zeugnis für Jesus Christus, sondern zunächst durch unser Leben, durch unser Handeln im Alltag. Mit dieser Bemühung um ein wirklich glaubwürdiges christliches Leben folgen wir gleichzeitig dem unbedingten Willen Gottes, alle Menschen zum Heil zu führen. In der Taufe wurde uns ein ewiges, übernatürliches Leben geschenkt, indem Christus selbst in unsere Seele eingezogen ist und uns von aller Sünde und Schuld reingewaschen hat. Dieses Zeugnis findet im Alltag nicht immer Anerkennung, sondern kann manchmal auch negative Folgen mit sich bringen, weil die Gesellschaft in Europa, die sich doch eigentlich auf unsere christlichen Werte gründete, in weiten Teilen den Sinn für diese Botschaft verloren hat.

Fürchtet euch nicht!

Dreimal kommt im heutigen Evangelium die Aufforderung „Fürchtet euch nicht!“ vor. Ein Ausruf, der uns in der Bibel immer wieder begegnet – besonders in wichtigen Situationen. So beispielsweise bei der Verkündigung des Engels an Maria, sowie nach der Auferstehung am Ostermorgen, als der Engel den Jüngern die Auferstehung verkündet. Dieser Zuruf gilt den ersten Zeugen der Auferstehung, damit sie dieses größte Ereignis der Geschichte verkünden. Jenes Wort gilt auch uns in der heutigen Zeit, denn die Verkündigung des Glaubens traf und trifft immer auf Unverständnis und Ablehnung. Der Herr sagt einem jeden von uns: Fürchtet euch nicht, Zeugen für die Auferstehung zu sein, fürchtet euch nicht den Auferstandenen mit eurem Leben zu bezeugen, denn auch er hat sein Leben für einen jeden von uns hingegeben.

„Wir dürfen dem Herrn vertrauen: „Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können“ (Mt 10, 28).“

 

Wir dürfen dem Herrn vertrauen: „Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können“ (Mt 10, 28). Das übernatürliche Leben, in das wir durch die Taufe eingetreten sind, ist wichtiger als unser natürliches Leben. Das mag vielleicht etwas abgehoben klingen, findet aber seine Bestätigung bei den vielen Märtyrern, die den Glauben sogar bis in den Tod bezeugt haben. Unsere Hoffnung zielt nicht auf das innerweltliche Leben ab, sondern wir erhoffen das größte Glück, das ewige Leben nach dem Tod. Weil Christus uns dieses erfüllte Leben versprochen hat, dürfen wir diesem nicht indifferent gegenüberstehen. Er möchte alle Menschen zum Heil führen und in seiner Kirche vereinen, die bereits hier auf Erden das Reich Gottes keimhaft enthält. (cfr. Lumen gentium, n. 3. 5) Der Auftrag, das Reich Gottes in die ganze Welt zu bringen, besitzt nicht nur die abstrakte Institution Kirche, sondern jeder einzelne Christ. Wir sind durch die Taufe in den Leib Christi aufgenommen worden und seine Glieder. Dadurch können wir allen zu einem Spiegelbild Christi in unserem Alltag werden. Alle Glieder, aber, müssen Christus gleichgestaltet werden, bis er selbst in ihnen Gestalt annimmt (cfr. Gal 4, 19; Lumen Gentium, n. 7).

Christus, das Haupt des Leibes

Christus selbst ist das Haupt seines mystischen Leibes, der Kirche. Er lässt uns im Alltag nicht allein, sondern begleitet uns in der Woche, wenn wir ihn heute in der Kommunion empfangen haben. Diese Kommunion verbindet uns zutiefst mit dem Auferstandenen und er spricht auch heute zu uns die Worte: Fürchte nicht nicht! Haben wir also keine Angst, ihm in unserem Leben Raum zu verschaffen, damit wir zu glaubwürdigen Zeugen seiner Liebe werden. Es geht darum, ihm einen zentralen Platz in unserem Leben zu geben und nicht nur eine Randexistenz, denn der Glaube baut nicht auf fadenscheinigen Werten, auf Meinungen, Solidaritätsbekunden oder Ideologien auf, sondern auf die persönliche Begegnung mit Jesus Christus. Er, der einzige Sohn vom Vater, möchte unserem Leben Sinn und Licht schenken.

„Das Zentrum unseres Glaubens ist nicht irgendeine historische Person, die einmal vor Ewigkeiten gelebt hat“

Das Zentrum unseres Glaubens ist nicht irgendeine historische Person, die einmal vor Ewigkeiten gelebt hat, sondern der lebendige Christus, der Gottmensch, der der Herr über die Schöpfung ist. Er wird uns einmal vor dem Vater bekennen, unser Anwalt vor ihm sein, nachdem wir ihn in unserem Leben vor den Menschen bekannt und glaubwürdig bezeugt haben. Daher ist unser Glaube nicht ein Intellektualismus, nicht eine abstrakte Lehre, die uns Jesus Christus wortwörtlich übermittelt hat, sondern zuvorderst gründet dieser Glaube auf eine lebende Person, die wir lieben sollen, weil sie einen jeden Menschen auf größtmögliche Weise geliebt hat.

Christus jeden Sonntag in der Heiligen Kommunion begegnen

Dieser Person, Jesus Christus, dürfen wir jeden Sonntag in der Heiligen Kommunion begegnen, in der er uns gleichzeitig auch den größten Liebesbeweis zeigt, den er in seinem Leben für uns vollbracht hat, als er am Kreuz starb. Denn im Kreuz und in der Auferstehung spricht der Herr zu uns: Fürchte dich nicht, mich vor den Menschen zu bezeugen! Im Alltag sehen wir gerade bei den Ehepaaren, dass eine Liebesbeziehung nicht nur halbherzig gelebt werden kann, denn dann zerbricht der Beziehung irgendwann.

„Liebe fordert den vollen Einsatz eines Menschen, seine Hingabe.“

Liebe fordert den vollen Einsatz eines Menschen, seine Hingabe. Dies können wir alle leben, je nach unseren Aufgaben und unserem Stand in der Kirche, wenn wir Christus vor den Menschen bezeugen. Dieses Zeugnis ist ein Ausdruck dafür, dass das übernatürliche, das ewige Leben wichtiger ist, als alles Materielle, was wir erreichen können. Christus hat das ewige Leben allen Menschen aller Zeiten angeboten und seine Apostel ausgesandt, damit sie Zeugnis dafür ablegen. Wir sind die Jünger Jesu in unserer Zeit, die am Aufbau der Kirche mitarbeiten und dadurch auch einen wichtigen Beitrag leisten, dass alle Menschen dieses große Ziel erreichen können. Dazu lässt uns der Herr nicht allein, sondern er ist gegenwärtig in seiner Kirche und bleibt bei uns im Leiden sowie in der Ablehnung, die uns Menschen erweisen können.

(radio vatikan - claudia kaminski)

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24. Juni 2023, 09:12