Katholikinnen auf Generalversammlung: WUCWO ist der internationale Dachverband der katholischen Frauenverbände Katholikinnen auf Generalversammlung: WUCWO ist der internationale Dachverband der katholischen Frauenverbände 

Katholikinnen-Welttreffen in Assisi: „Eine synodale Erfahrung“

Bei allen unterschiedlichen Anliegen von Katholikinnen: Das Treffen der Weltunion der katholischen Frauenorganisationen (WUCWO) war eine Erfahrung tiefer Synodalität. So resümierten die beiden Teilnehmerinnen aus Deutschland die Versammlung, die am Samstag in Assisi zu Ende ging, im Gespräch mit Radio Vatikan.

Gudrun Sailer – Vatikanstadt

Von 14. bis 20. Mai tagte die Weltunion der katholischen Frauenorganisationen (WUCWO) in Assisi, 830 Katholikinnen aus aller Welt kamen zusammen. Zum ersten Mal dabei war Regina Schulz als Delegierte des Bundesverbandes der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd). Die WUCWO sei eine beeindruckende und vielfältige Organisation, „katholisch im ursprünglichen Sinn, nämlich katholikos, allumfassend“, sagte sie uns im Nachgang. Die Delegierten hätten „Auffassungen von streng konservativ bis teils progressiv“ in das Treffen getragen. „Hier zeigt sich für mich, was wahre Synodalität bedeutet. Trotz unterschiedlicher Tempi, Traditionen und Erfahrungen mit unserer Kirche gibt es grundlegende Übereinstimmungen, die wiederum auf unseren gemeinsamen Erfahrungen als Frauen in der Kirche basieren“, so Schulz. „Es geht um die Rolle der Frauen in der Kirche, die unserem Einsatz entsprechend endlich verändert werden muss.“

 

Dazu habe die WUCWO sechs Resolutionen und damit Selbstverpflichtungen beschlossen, die zeigten, „dass es den katholischen Organisationen nicht nur um sich selbst geht, sondern um das Wohl aller“. Unter anderen wollen die Frauenverbände eine Dokumentationsstelle namens „World Women's Observatory“ weiterentwickeln, um marginalisierten Frauen eine Stimme zu geben, so Schulz. Zudem gehe es den Katholikinnen ausweislich ihrer Selbstverpflichtungen um den „Einsatz für Religionsfreiheit, den Einsatz für die ökologische Wende zur Sicherung der Nahrung für alle, Einsatz für die Familie, Einsatz für eine Zukunft mit Flüchtlingen und Migranten, Synodalität und Strukturbildung für die Mitwirkung von Frauen in der Kirche.“

Regina Schulz von der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd)
Regina Schulz von der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd)

Impulse der Theologinnen

Zu Beginn des WUCWO-Welttreffens stimmten Theologinnen auf bestimmte Kernthemen der Kirche ein: Schwester Nathalie Becquart, Untersekretärin der Bischofssynode, Schwester Anne Béatrice Faye aus dem Senegal, Mitglied der Theologischen Kommission bei der Synode 2023, Anne Marie Pelletier, Mitglied der von Papst Franziskus eingerichteten zweiten Kommission für das Diakonat der Frau, sowie die italienische Dogmatikerin Schwester Linda Pocher. „Sie alle haben entscheidende Aspekte in ihren Vorträgen genannt, die insgesamt die Organisation weiterbringen können“, erläuterte Schulz.

Hier zum Hören:

Die zweite Teilnehmerin aus Deutschland, die Theologin Regina Heyder vom Katholischen Deutschen Frauenbund (KDFB), hob das Eröffnungsreferat von Schwester Nathalie Becquart über Frauen und die Synode 2021-2024 hervor. „Eine Kirche ohne Frauen, so Becqart, ist keine synodale Kirche. Diese synodale Kirche, von der sie spricht, ist eine pilgernde Kirche“, resümierte Heyder. „Nathalie Becquart spricht von der Diversität der Erfahrung von den Menschen. Sie wirbt für Reziprozität, also für das Bewusstsein, dass in dieser synodalen Kirche alle etwas geben und alle etwas empfangen können. Sie betont die grundlegende Gleichheit aller Gläubigen, die in der Taufe begründet ist. Diversity, Reziprocity, Equality - das sind die Ideen, die eine synodale Kirche formen.“

Schwester Nathalie Becquart, Untersekretärin der Synode
Schwester Nathalie Becquart, Untersekretärin der Synode

Reziprozität ersetzt Komplementarität

Die Theologinnen, die den Studientag der Vollversammlung gestalteten, seien diesen Spuren gefolgt, so Heyder weiter. „Sie sprechen von der Reziprozität der Geschlechterverhältnisse und ersetzen damit den Begriff der Komplementarität. Und sie ergänzen die christliche Haltung des Dienens um den Aspekt der Sorge für die Nächsten - auf Englisch sprechen sie von Service and Care.“

Ihr selbst sei auf der Vollversammlung der WUCWO abermals deutlich geworden, so Heyder, „dass wir in einer Kirche der unterschiedlichen Geschwindigkeiten und Lebensrealitäten leben. ,Ihr Deutschen müsst vorangehen´, sagen uns einige Teilnehmerinnen der westlichen Hemisphäre. Sie setzen große Hoffnungen auf das Engagement der deutschen Bischöfe, während die Aktivitäten von Laien weniger im Blick sind. Andere Teilnehmerinnen fürchten um die christlichen Werte und die Zukunft der Kirche. Vor allem afrikanische Kolleginnen sind besorgt, weil ihre Kinder zu neo-pentekostalen Gemeinschaften abwandern oder interreligiöse Ehen eingehen.“

„Noch nie ist mir so deutlich geworden, dass die römisch-katholische Kirche eine Kirche der Migrantinnen und Migranten ist“

Als besonders eindrucksvoll erlebte Regina Heyder eigener Aussage zufolge die Debatte über Migranten und Geflüchtete, bei der die Katholikinnen sehr gegensätzliche Erfahrungen benannt hätten. „Delegierte aus Ländern mit hohen Flüchtlingszahlen wollen, dass das Engagement für den Verbleib und die Rückkehr in die Heimatländer in die Resolution aufgenommen wird. Die Teilnehmerinnen aus den Philippinen betonen dagegen das Recht auf Arbeitsmigration. Und etliche afrikanische Frauen sagen schlicht: Morgen könnte es mich oder meine Kinder treffen.“ Die Deutsche Regina Heyder dazu: „Noch nie ist mir so deutlich geworden, dass die römisch-katholische Kirche eine Kirche der Migrantinnen und Migranten ist.“

 

Regina Schulz hob die marianische Perspektive des WUCWO-Welttreffens der Katholikinnen hervor. Die Salesianerin Don Boscos Linda Pocher habe über ihre mariologische Forschung berichtet und darauf abgehoben, „dass Maria auch ganz anders gesehen werden kann als die vielleicht bisher verehrte Jungfrau und Mutter. Sie geht davon aus, dass Maria die Frau ist, die ihren Sohn unerschrocken konfrontiert, die als Mutter nicht besitzergreifend handelt, sondern alles in ihrem Herzen bewahrt. Ihre Jungfräulichkeit sieht sie als Freiheit, sich um Jesus zu sorgen und als Vorbild für ihren Sohn, der von ihr sprechen lernt, lernt, anderen die Füße zu waschen, und dass der mütterliche Körper Nahrung bedeutet.“ Maria vereine auch die Frauen der WUCWO, resümierte Schulz.

Aus Österreich nahm Angelika Ritter-Grepl, die Vorsitzende der katholischen Frauenbewegung Österreichs, an dem WUCWO-Treffen teil. Zum Auftakt der Konferenz empfing Papst Franziskus die Katholikinnen in Audienz und dankte ihnen für ihre segensreiche Arbeit.

Neue WUCWO-Präsidentin aus Mexiko

Zur neuen Präsidentin der WUCWO wählten die Delegierten die Mexikanerin Monica Santamarina. Die ausgebildete Juristin wirkte bisher als Schatzmeisterin des Weltverbandes katholischer Frauenorganisationen. Sie tritt an die Stelle von María Lía Zervino, einer Frau geweihten Lebens aus Argentinien. Santamarina ist Witwe, vierfache Mutter und achtfache Großmutter. In Mexiko war sie Präsidentin der Katholischen Aktion.

(vatican news – gs)

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22. Mai 2023, 13:17