Gruppenbild beim COP27-Gipfel in Sharm el Sheik (Ägypten) Gruppenbild beim COP27-Gipfel in Sharm el Sheik (Ägypten) 

Katholische Aktion zum Klima-Gipfel: Radikale Schritte nötig

„Radikale Schritte sind nötig, um eine ökologische Umkehr, einen Wandel und die Wende hin zu einer ökosozialen Politik und Wirtschaftsordnung voranzutreiben“: Das hat die Katholische Aktion Österreich (KAÖ) - vertreten durch ihr Leitungs-Team Ferdinand Kaineder, Katharina Renner und Brigitte Knell - am Montag in einer Aussendung anlässlich des UN-Weltklimagipfels (COP27) in Sharm el-Sheik (Ägypten) unterstrichen.

Ihr Appell „Wir können nicht weitermachen wie bisher“ richtet sich vor allem an die reichen Nationen, die für die Erderwärmung und deren dramatische Folgen hauptverantwortlich sind.

Die KAÖ-Spitze schloss sich den auf der UN-Konferenz erhobenen Forderungen etlicher Länder des Globalen Südens an, Finanzspritzen für eine Ökologisierung ihrer Wirtschaft und Abmilderung der Folgen von sich häufenden Naturkatastrophen zu erhalten. „Wir erwarten uns von der Politik größere Anstrengungen als bisher, nicht nur den Wandel hier bei uns voranzutreiben, sondern Länder des Globalen Südens, die dafür keine Mittel aufbringen können, bei der Transformation zu unterstützen“, erklärten Kaineder, Renner und Knell. Der Ort der COP27 sei gut gewählt, denn gerade Afrika sei „geschunden von unserer Gier nach Rohstoffen, früher und heute”.

„Fassungslos vor der Katastrophe“

Die Menschheit stehe heute am Ende einer Entwicklung, die in die Sackgasse geführt habe, heißt es in der KAÖ-Aussendung weiter. „Unsere Art zu wirtschaften und damit die Kosten der Zukunft aufzuerlegen, trägt nicht mehr.“ Die Schäden an Pflanzen- und Tierwelt sowie an Menschen, die zu Opfern der Klimaveränderung wurden, seien offensichtlich. Die KAÖ nannte Flutkatastrophen und Dürren als Beispiele für aus dem Gleichgewicht geratene Ökosysteme, ausgerottete Tier- und Pflanzenarten, Hungerkatastrophen und Übersäuerung der Meere. „Fassungslos stehen wir vor der Katastrophe, die wir gemeinsam angerichtet haben und von einzelnen immer noch ignoriert wird.“

Es braucht konkrete politische Vorgaben

Klimagerechtigkeit sei immer auch soziale Gerechtigkeit, betonte die KAÖ-Führung im Einklang mit der immer wieder erhobenen Mahnung von Papst Franziskus. Deshalb brauche es bei der COP27 konkrete politische Vorgaben, „gerade für die reichen Länder, die die meisten Schäden anrichten“. Die Länder des Globalen Südens, die über mehrere Jahrhunderte für den Wohlstand der Industrienationen herhalten mussten, hätten ebenso ein Recht auf einen sozial-gesicherten Lebensstil. Allerdings wäre es nach Überzeugung der Katholischen Aktion verfehlt, würde der „Süden“ die Fehler im Umgang mit den Ressourcen wiederholen. „Diese Zeit haben wir nicht mehr, wenn wir die Erde als lebensfreundlichen Ort bewahren möchten“, warnten Kaineder, Renner und Knell.

Der erforderliche Wandel habe bei genauem Hinsehen längst begonnen. Die Debatte über die Energiewende beherrsche die Medien, Unternehmen und ganze Länder hätten sich Fristen gesetzt, bis zu denen sie klimaneutral sein wollen. Es müsste allerdings schneller gehen, so die KAÖ. Der Wandel und die notwendigen Transformationen müsste zudem „gerecht und ganz konkret“ vorangetrieben werden.

Schöpfungsauftrag richtig verstehen

Die offizielle katholische Laienvertretung wandte sich in ihrer Aussendung auch gegen ein verfehltes Verständnis des biblischen Schöpfungsauftrags „Macht euch die Erde untertan“ (Gen 1,28). Dieser sei als Freibrief interpretiert worden, sich der Erde und ihrer Schätze einfach zu bedienen. Seit der industriellen Revolution beschleunige sich die Ausbeutung und habe zu einer selbstzerstörerischen Haltung geführt, beklagte die KAÖ-Spitze: „Die Anhäufung von Gütern, koste es, was es wolle, und die pure Geldvermehrung ist zum Zweck unseres wirtschaftlichen Handelns geworden.“

Die eigentliche Bedeutung der Aufforderung an den Menschen, sich die Erde untertan zu machen, sei, für die Schöpfung und Mitwelt zu sorgen. „Wir sind verantwortlich für die Erde, für alles, was auf ihr lebt“, hielten Kaineder, Renner und Knell fest. Es gebe auch viel zu gewinnen, „wenn wir für unsere Erde Sorge tragen“, verwies das „PräsidentInnen-Team“ auf das von der KAÖ erarbeitete Dossier zur Mitweltgerechtigkeit.

Das bereits an vielen Orten zu beobachtende Umdenken beziehe sich nicht nur auf den Umgang mit den Ressourcen - es sei ein ganzheitlicher Wandel, der etwa auch ein rein hierarchisches Denken infrage stelle zugunsten neuer Strukturen des Zusammenlebens und des Umgangs miteinander. Als ein „Puzzlestein“ in diesem Paradigmenwechsel sieht die KAÖ den vom Papst angestoßenen Synodalen Prozess der Weltkirche. Die dabei formulierten drei Elemente „Gemeinschaft, Teilhabe und Sendung“ zeigten einen Weg des achtsamen Umgangs mit der Erde auf und bilde einen Kontrapunkt zur noch vorherrschenden Individualisierung und Zukunftsvergessenheit. (Link: www.kaoe.at/dossiers)

(kap - cs)

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07. November 2022, 11:31