Enormer bedarf an Hilfe in Afghanistan Enormer bedarf an Hilfe in Afghanistan 

D: „Weiter humanitäre Hilfe für Afghanistan“

„Sicherungs- und Verteidigungseinsätze müssen von vornherein als Friedensdienst geplant und durchgeführt werden“: Das hat Erzbischof Ludwig Schick an diesem Dienstag in Fulda bei einem Pressegespräch zu Afghanistan unterstrichen. Er forderte zudem weitere humanitäre Hilfe für das Land.

In seinem Redebeitrag forderte der Vorsitzende der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz eine „gründliche Analyse“ der Ursachen, warum der internationale Afghanistan-Einsatz „mit so viel Enttäuschung, Panik und Leid endete“: „Die US-amerikanische und die europäische Politik müssen sich dieser Aufgabe stellen, auch um zukünftige Einsätze solcher Art besser durchzuführen“, so der Erzbischof.

Demokratie schlug keine tiefen Wurzeln

Von einem „gänzlichen Scheitern des internationalen Engagements“ wollte der Weltkirche-Bischof aber dennoch nicht sprechen: „Das ist meines Erachtens zu früh. Aber deutlich ist schon jetzt: Das erklärte Ziel, Afghanistan dauerhaft zu stabilisieren, konnte auch nach 20 Jahren nicht erreicht werden!“ Demokratische Strukturen hätten in Afghanistan „keine tiefen Wurzeln geschlagen“, fuhr Schick fort. Es dürfe aber auch nicht unterschlagen werden, „dass eine Generation von Afghaninnen und Afghanen neue Erfahrungen in einer freieren Gesellschaft machen konnte“.

Der Erzbischof verwies hier auf vermehrte Schulbesuche von Mädchen und Jungen und das gemeinsame Studium beider Geschlechter an Universitäten. Ansätze einer lebendigen Zivilgesellschaft seien entstanden, durch moderne Medien hätten Menschen Zugang zu Informationen und zum Meinungsaustausch gehabt. Auch sei durch das Engagement im Bereich der Basisgesundheit in einigen Regionen die Mütter- und Kindersterblichkeit merklich reduziert worden.

Schick: Erneuerungserfahrung kann langfristig wirken

„All das gehört auch zur Bilanz des internationalen Afghanistan-Engagements der zurückliegenden 20 Jahre. Dafür dürfen wir dankbar sein und den Menschen danken, die sich für eine Erneuerung der gesellschaftlichen und staatlichen Strukturen eingesetzt haben“, resümierte Schick. Und er zeigte sich zuversichtlich, dass „die guten Erfahrungen, die Afghaninnen und Afghanen in den letzten zwei Jahrzehnten gemacht haben, langfristig zu einer neuen demokratischen und gemeinwohlorientierten Gesellschaft beitragen können“.

Auch nach der Taliban-Machtübernahme müsse in Afghanistan weiterer humanitäre Hilfe geleistet werden, so Erzbischof Schick: „Wir müssen mit den Taliban reden, um Hilfen fortzuführen und auszuweiten. Es droht eine Hungerkatastrophe, das darf uns nicht gleichgültig sein.“ Es gelte jetzt, neue Spielräume für Hilfen auszuloten, insbesondere auch für Frauen. Nach Angaben der Bischofskonferenz sind derzeit noch die beiden kirchlichen Hilfsorganisationen Misereor und Caritas international in Afghanistan tätig. Viele laufende Projekte könnten derzeit aber nicht fortgeführt werden. Alle deutschen Mitarbeiter hätten das Land verlassen.

Weiter humanitäre Hilfe

Bei dem Pressegespräch „Afghanistan zwischen Hoffnungslosigkeit, Terror und den Taliban – der Versuch einer friedensethischen Antwort“ bei der Herbst-Vollversammlung 2021 in Fulda wurden am Dienstag aktuelle Fragen zum Machtwechsel in Afghanistan, der Situation für die Arbeit von kirchlichen Initiativen vor Ort sowie friedenspolitische und friedensethische Fragen erörtert. Teil nahmen auch Bischof Franz-Josef Overbeck, der Militärbischof für die Deutsche Bundeswehr, sowie Bischof Heiner Wilmer, der Vorsitzende der Deutschen Kommission Justitia et Pax.

(pm – pr)
 

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21. September 2021, 15:35