Im Gespräch mit Pater Anselm Grün OSB Im Gespräch mit Pater Anselm Grün OSB 

Radio-Akademie (2): Ein Gespräch mit Anselm Grün OSB

Der bayerische Benediktiner Anselm Grün hat am vergangenen Montag seinen 75. Geburtstag gefeiert. Wir haben Pater Anselm, der einer der bekanntesten geistlichen Schriftsteller unserer Zeit ist, in unserer Reihe „Radio-Akademie“ ausführlich interviewt.

Stefan von Kempis – Vatikanstadt

„Jesus ist für mich der, an dem ich mich immer neu reibe. Ich komme nie zu Ende damit, ihn zu verstehen.“ Das sagt Anselm Grün in dem Gespräch, von dem Radio Vatikan am Sonntagabend, 19. Januar, den zweiten Teil ausstrahlt. Wer Jesus lediglich als einen „religiös begabten Menschen“, nicht aber als Gottes Sohn darstelle, nivelliere ihn. „Dann kann ich mich zurücklehnen und sagen: Ja, das ist ja ganz nett bei ihm – aber zeitbedingt.“

Pater Anselm zitiert Paul Tillich, dessen Denken ihn stark geprägt habe, mit dem Satz: „Gott ist das, was uns unbedingt angeht.“ Das bedeute, dass Jesus uns unmittelbar angehe. „Ich kann mich nicht über ihn stellen, kann ihn nicht festhalten; er ist für mich unverfügbar.“

Ein Feindessegen als Schutzschild

Das Johannesevangelium bringe viele Zweifel an Jesus auf den Punkt: „Wie kann dieser Mann aus Nazareth uns so wichtig sein?“ Die Zweifel der Juden von damals aber seien auch „unsere Zweifel“. „Aber ich nehme die Worte Jesu immer so: Probier’s doch mal konkret aus. Einfaches Beispiel: Jesus sagt ‚Segnet die, die euch verfluchen.‘ Viele finden das unmöglich. Ich sage: Machen wir’s doch mal! Sucht euch jemanden aus, der euch verletzt hat, und dann schickt fünf Minuten lang einen Segen dahin.“

Eine Frau habe ihm einmal gesagt, das sei für sie nicht machbar, ein bestimmter Mann, an den sie in diesem Zusammenhang denke, habe sie zu sehr verletzt. Pater Anselms Antwort: „Sie müssen’s auch nicht können, aber probieren Sie’s doch einfach mal…“ Das habe die Frau getan – und habe auf einmal erfahren: „Der Segen war für mich ein Schutzschild, dass der andere mich nicht mehr verletzen kann. Und ich bin ausgestiegen aus der Opferrolle.“

„Die Worte Jesu ausprobieren“

Das „Ausprobieren der Worte Jesu“ ist Anselm Grün sehr wichtig. „Da merkt man: Das ist nicht ferne Weisheit, das überfordert nicht. Sondern das zeigt konkret, wie Leben anders gelingen kann.“

Hier können Sie einen Ausschnitt aus dem Gespräch mit Pater Anselm Grün hören.

Bestellen Sie unsere CD!

Radio Vatikan sendet die Radio-Akademie mit Pater Anselm Grün im Monat Januar jeweils am Sonntagabend. Wenn Sie sich dafür interessieren, bieten wir Ihnen eine CD der ganzen Radio-Akademie an. Sie können Sie gegen einen Unkostenbeitrag oder eine Spende bei cd@vaticannews.de bestellen.

(vatican news)
 

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19. Januar 2020, 13:23