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Allerheiligen: Die Frauen liegen in diesem Jahr vorn

Im letzten Kirchenjahr hat die katholische Kirche 28 neue Selige und fünf neue Heilige bekommen. Wollte man eine Frauenquote bemühen, dann hätten die Frauen bei den Heiligen eindeutig die Nase vorn - und zwar im Verhältnis 4:1.

2018/2019 gab es nur eine Heiligsprechungsfeier: im vergangenen Oktober, als neben Kardinal John Henry Newman drei Ordensschwestern und eine Laiin, die Schneiderin Marguerite Bays aus der Schweiz, heiliggesprochen wurden. Insgesamt waren die Laien bei den Heilig- und Seligsprechungsfeiern eher unterrepräsentiert. Neben der Schweizerin gab es nur noch eine neue Selige im vergangenen Kirchenjahr, die keine Ordensfrau war: Guadalupe Ortiz de Landázuri, Numerarierin im Opus Dei. Daneben gibt es noch die  - wie man sagen könnte - üblichen Verdächtigen: mehr oder weniger bekannte Märtyrerbischöfe und Ordensgründerinnen.

Selige - Verhältnis 7:21

Wären da nicht die eher unbekannt daher kommenden „Pierre Claverie und 18 Gefährten". Unter den Gefährten sind immerhin auch sechs Ordensschwestern, die für ihren Glauben in Algerien ermordert wurden.  Genauso wie die sieben Mönche aus dem Zisterzienserorden von Tibhirine - sie alle wurden am 8. Dezember 2018 von Papst Franziskus selig gesprochen. Unvergessen ist hier vielleicht die emotionale Begegnung von Franziskus mit Bruder Jean-Pierre Schumacher im März in Marokko: Der 95-jährige ist der letzte Überlebende der Trappistengemeinschaft von Tibhirine und lebt heute in Nordmarokko.

Heilige als Fürsprecher im Himmel

Diese besonderen Personen sind ein Geschenk der katholischen Kirche an die Gläubigen: als Vorbilder, denen wir nacheifern können, die uns aber auch als Teil der schon „triumphierenden Kirche“ Fürsprecher sein können. Denn jenseits von Halloween und Kürbissen feiert die katholische Kirche am 1. November ein Hochfest - das Fest aller Märtyrer und aller Heiligen, auch der unbekannten Heiligen. Zu diesem Fest heißt es in der Präfation, der liturgischen Einleitung der katholischen Eucharistiefeier: „Dort – im himmlischen Jerusalem – loben dich auf ewig die verherrlichten Glieder der Kirche, unsere Brüder und Schwestern, die schon zur Vollendung gelangt sind.“

Schon in der jungen Kirche zeigte sich die Notwendigkeit eines solchen „Sammelfestes“: Die Zahl der Heiligen stieg stetig, die Tage des Jahres reichten nicht aus. Gedenktage für Verstorbene sind schon für das antike Christentum bezeugt. Das älteste Beispiel findet sich bei Johannes Chrysostomos für das Antiochien des 4. Jahrhunderts als „Herrentag aller Heiligen“ am Oktavtag nach Pfingsten.

Heidnische Bräuche

Ein römisches Allerheiligenfest entstand im 7. Jahrhundert. Papst Bonifatius IV. weihte am 13. Mai 609 oder 610 das zuvor allen (heidnischen) Göttern Roms geweihte Pantheon der Jungfrau Maria und allen Märtyrern (Sancta Maria ad Martyres), und er ordnete eine jährliche Feier an. Ein Jahrhundert später erhielt auch die Petersbasilika eine Allerheiligen-Kapelle.
In Irland bildete sich um die Wende vom 8. zum 9. Jahrhundert – vielleicht auch wegen des verblassenden österlichen Zusammenhangs – ein markanter Termin im Ablauf des keltischen Jahres heraus, der gleichzeitig als Winteranfang galt. „Genuin heidnische“ Züge zeigen daher bis heute die Bräuche der noch stark irisch geprägten Katholiken der USA; diese sind in Form von Kürbisköpfen und Gruselgestalten am Vorabend von Allerheiligen – All hallows eve - zu uns herübergeschwappt.

Von Irland ist der neue Allerheiligentermin über Northumbrien gewandert und hat von dort, gefördert von Papst Gregor IV. und auch Ludwig dem Frommen, Eingang gefunden in den Kalender des lateinischen Westens. Dies nun nicht mehr auf dem Hintergrund des Ostergeschehens, sondern über der vergehenden Natur. Sie soll die unvergängliche Welt der Heiligen sichtbar machen.

Kerzen am Grab: Hoffnung auf ein Wiedersehen in Ewigkeit

Es sind nicht wenige Länder, in denen Allerheiligen heute ein gesetzlicher Feiertag ist: Österreich, Belgien, Liechtenstein, die katholisch geprägten Kantone der Schweiz, die katholisch geprägten deutschen Bundesländer Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Saarland sowie Andorra, Frankreich, Italien, Kroatien, Luxemburg, Spanien, Ungarn und die Philippinen haben am 1. November Feiertag; in der Vatikanstadt ist auch Allerseelen frei. In den genannten deutschen Bundesländern ist Allerheiligen ein sogenannter stiller Feiertag, an dem keine öffentlichen Tanzveranstaltungen durchgeführt werden dürfen und laute Musik verboten ist.

Bayern macht die Ausnahme möglich...

In Bayern sind „öffentliche Unterhaltungsveranstaltungen“ nur dann erlaubt, „wenn der diesen Tagen entsprechende ernste Charakter gewahrt ist“. Viele Gläubige nutzen den freien Tag dazu, die Gräber ihrer Verstorbenen auf den Friedhöfen zu besuchen und Kerzen aufzustellen. Kerzen sind dabei ein Symbol für die Hoffnung auf ein Wiedersehen in der Ewigkeit.

(vatican news)
 

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29. Oktober 2019, 15:16