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Missbrauchsaufarbeitung Missbrauchsaufarbeitung  (AFP or licensors)

Schweiz: Aufruf der Bischöfe an Missbrauchsopfer wünschenswert

Ein Aufruf der Bischofskonferenz könnte die Opfer ermutigen, Übergriffe anzuzeigen. Das sagt der Präsident des bischöflichen Fachgremiums „Sexuelle Übergriffe im kirchlichen Umfeld“, Toni Brühlmann, gegenüber kath.ch.

Der Psychotherapeut äußerte sich zur Filmvorführung „Gottes missbrauchte Dienerinnen“ auf dem TV-Sender „arte“, in der Übergriffe von Geistlichen auf Ordensfrauen thematisiert werden. Der Dokumentarfilm zeigt auf, wie schwierig es für die betroffenen Frauen ist, darüber zu reden. Ein Aufruf der Bischöfe könnte sie ermutigen, Übergriffe zu melden. Brühlmann hält dies für einen Vorschlag, der zumindest in Betracht gezogen werden sollte.

„Wenn offenkundig wird, dass irgendwo Unrecht passiert ist oder dass es eine Gruppierung gibt, die man bislang zu wenig im Fokus hatte, ist es wichtig, dass man hinschaut“, so der Psychotherapeut. Insofern könne ein solcher Aufruf für mehr Transparenz sorgen. Er werde im Fachgremium eine Diskussion zu dieser Idee anregen, versprach er. Ob ein Aufruf der Bischöfe an die Ordensfrauen in der Schweiz gehe, sei zum jetzigen Zeitpunkt offen.

Laut Brühlmann haben die aktuell gültigen Richtlinien „Sexuelle Übergriffe im kirchlichen Umfeld“, erlassen von den Bischöfen und den Ordensoberen, die Ordensfrauen nicht explizit als besondere Opfergruppe im Blick. „Die Richtlinien thematisieren jedoch das Abhängigkeitsverhältnis, das Übergriffen in allen Konstellationen zugrunde liegt – unabhängig davon, ob es sich beim Opfer um ein Kirchenmitglied in einer Pfarrei oder eine Ordensfrau im Kloster handelt.“

Richtlinien gegen Missbrauch müssen überprüft werden

Der Präsident des Fachgremiums schließt nicht aus, dass die Richtlinien künftig ergänzt werden könnten, um den Schutz von Ordensfrauen zu verbessern. Die Aktualisierung der Richtlinien stelle grundsätzlich eine „Daueraufgabe“ der Kirche dar. „Jetzt entfacht ein Dokumentarfilm die Diskussion neu. Wir müssen die Richtlinien immer wieder neu überprüfen, wenn eine neue Konstellation sichtbar wird.“

Toni Brühlmann betonte zudem, dass die Ordensgemeinschaften in der Pflicht stehen. Es sei ihre Aufgabe, ihre Mitglieder für die Thematik des Missbrauchs zu sensibilisieren. „Auch Ordensfrauen müssen ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass sie das Recht haben, sich zu wehren.“ Der Film „Gottes missbrauchte Dienerinnen“ zeige deutlich, dass dieses Bewusstsein bei vielen Opfern nicht vorhanden war oder ist.

(kath.ch – mg)

08 März 2019, 10:42