Gerettete Bootsmigranten gehen im September letzten Jahres in Salerno an Land Gerettete Bootsmigranten gehen im September letzten Jahres in Salerno an Land  (ANSA)

„Werbung heizt illegale Migration an“

Ein Bischof aus Äquatorialguinea fordert einen effektiveren Ansatz im Kampf gegen Armut und illegale Migration.

Armut sei die Hauptursache für Migration, so Bischof Miguel Angel Nguema Bee von Ebibeyin gegenüber dem päpstlichen Hilfswerk „Kirche in Not“. Allerdings erreichten die Bemühungen internationaler Organisationen zur Armutsbekämpfung derzeit nicht effektiv diejenigen, die sie am dringendsten benötigten.

„Ein beträchtlicher Teil dieser Hilfsmaßnahmen versickert durch korrupte Regierungen oder ineffiziente Strukturen“, so Nguema. Statt ausschließlich auf Regierungen zu setzen, schlägt der Bischof vor, direktere Initiativen durch lokale Organisationen wie die Kirche, Frauen- und Jugendverbände oder Stiftungen zu unterstützen. „Diese Einrichtungen könnten weitaus direktere und wirkungsvollere Hilfe leisten, beispielsweise in Form von Stipendien für gefährdete Jugendliche.“

Eine Fata Morgana

Im Gespräch mit „Kirche in Not“ kam der Bischof von Ebibeyin auf ein weiteres ernsthaftes Problem zu sprechen: die Verbreitung eines irreführenden Bildes von westlichem Wohlstand und Leichtigkeit, das viele Afrikaner zur – manchmal illegalen – Migration ermutige. „Täuschende Werbung und die Darstellung leicht verdienten Geldes, die durch die Welt des Sports gefördert wird, nähren diese Illusion“, unterstreicht er. „Der Westen vermittelt die falsche Vorstellung, dass dann alle Probleme gelöst sind, was eine Fata Morgana ist und zu einem falschen Sicherheitsgefühl beiträgt. Die präsentierten Modelle für schnelles Geld tragen direkt zu diesem Problem bei.“

„Bringen Sie mir ein Handy mit“

Nach Ansicht von Bischof Nguema ist die Entscheidung zur Migration immer schwierig, und illegale Migration berge große Risiken. Es könnten fünf bis zehn Jahre vergehen, bis die Situation geregelt sei, und viele schafften es nicht einmal bis zu ihrem Zielort. „Natürlich gibt es echte Vorteile – zum Beispiel mehr wirtschaftliche Möglichkeiten und mehr Sicherheit, aber manchmal, wenn ich nach Europa fahre, bitten mich die Menschen: ‚Bringen Sie mir ein Handy mit‘... Sie wissen nicht, wie schwierig das Leben dort ist, sie kennen die Herausforderungen nicht, die auf sie warten. Es ist wichtig, dass die Schwierigkeiten, denen sich Migranten auf der Suche nach einem besseren Leben stellen müssen, realistischer dargestellt werden.“

Hilfe ohne Ideologie

In Bezug auf Entwicklungshilfe betont der Bischof die Notwendigkeit einer Hilfe, die die Wirtschaftstätigkeit anrege, anstatt die Abhängigkeit zu fördern. „Wir müssen unbedingt dazu beitragen, Strukturen zu schaffen, die die Selbstversorgung und die nachhaltige Entwicklung fördern, damit die Menschen vorankommen, ohne ständig auf externe Hilfe angewiesen zu sein.“

Außerdem solle die Hilfe von Ideologien und neuen Formen des Kolonialismus losgelöst sein: „Hilfe ist oft an die Anerkennung von Werten geknüpft, die nicht in der lokalen Kultur verwurzelt sind. Das Aufzwingen von Themen wie Abtreibung, Geschlechtervielfalt oder die Anerkennung von Sekten führt zu einer Dynamik, die die Entstehung eines neuen Kolonialismus fördert.“

(kirche in not – sk)
 

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26. April 2024, 11:15