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Palmsonntag 2023 in Jerusalem - damals war noch alles anders... Palmsonntag 2023 in Jerusalem - damals war noch alles anders... 

Heiliges Land: Ostergenehmigung für Christen da

Viele Sorgen hat Kardinal Pierbattista Pizzaballa, der Lateinische Patriarch von Jerusalem, angesichts des Kriegs im Heiligen Land. Mit Blick auf die bevorstehenden Osterfeierlichkeiten in Jerusalem hat er aber auch eine gute Nachricht: Für die Christen in Palästinenser-Gebieten wird es Genehmigungen geben, so dass sie an Palmsonntag und Ostern in Jerusalem dabei sein können. Das kündigte der Kardinal im Interview mit dem katholischen italienischen Sender „TV2000" an.

Stefanie Stahlhofen - Vatikanstadt

Mitte März hatte es noch noch keine Genehmigungen für die Christen auf Palästinenser-Gebieten gegeben, nach Jerusalem reisen zu können, doch die katholische Kirche im Heiligen Land hat sich erfolgreich dafür eingesetzt:

„Es wird Genehmigungen geben. Wir haben darauf gedrängt und gesagt: ,Ihr habt den Muslimen Genehmigungen für den Ramadan gegeben, also wollen wir auch Genehmigungen für die Christen zu Ostern.` Die Zahl der Genehmigungen ist zwar geringer, aber wir werden einige tausend Genehmigungen haben, sowohl für den Palmsonntag als auch für Ostern",  berichtet Kardinal Pizzaballa, der ranghöchste katholische Kirchenführer in Nahost, in dem TV-Interview von Donnerstagabend. 

Hier im Audio: Kardinal Pierbattista Pizzaballa zu Ostern im Heiligen Land, drohender Hungersnot und schwierigen Friedens-Verhandlungen (Audio-Beitrag von Radio Vatikan)

Der Palmsonntag, mit dem für die Christen weltweit die Karwoche beginnt, erinnert an den Einzug Jesu in Jeru­salem, wo er laut der Bibel von den Menschen jubelnd und mit Palmzweigen empfangen wurde. In Jerusalem versammeln sich am Palmsonntag traditionell die Christen aus dem Heiligen Land - und üblicherweise auch viele Pilger - zu einer großen Palmsonntags-Prozession mit Kardinal Pizzaballa. Doch dieses Jahr überschattet der Krieg zwischen Israel und Palästina die Feierlichkeiten - und inzwischen sind viele Menschen vor Ort auch von Hunger bedroht:

„Die Lage ist objektiv gesehen wirklich nicht mehr zu tolerieren. Wir haben hier immer viele Probleme jeglicher Art gehabt, auch die soziale und wirtschaftliche Lage war immer sehr instabil. Aber Hungersnot, die gab es nie“

„Die Lage ist objektiv gesehen wirklich nicht mehr zu tolerieren. Wir haben hier immer viele Probleme jeglicher Art gehabt, auch die soziale und wirtschaftliche Lage war immer sehr instabil. Aber Hungersnot, die gab es nie. Es ist das erste Mal, dass wir uns wirklich und wahrhaftig mit Hunger auseinandersetzen müssen. Und das ist wirklich nicht zu tolerieren", so der Kardinal. 

„Alle religiösen, politischen und sozialen Gemeinschaften müssen alles ihnen Mögliche tun, um diese Lage zu überwinden“

Weitere Rufe nach humanitärer Waffenpause 

Humanitäre Hilfe kommt im umkämpften Gaza-Streifen nur unzureichend an, auch Hilfen per Luftweg erreichen nicht alle, beklagte jüngst auch der Pfarrer der einzigen katholischen Pfarrei in Gaza. Papst Franziskus ruft - gemeinsam mit vielen anderen - schon seit Wochen zu einer humanitären Feuerpause auf; ebenso fordert er eine Freilassung aller von der Hamas genommenen Geiseln. Dies haben nun auch die Staats- und Regierungschefs der 27 EU-Mitgliedsländer einstimmig in einer Stellungahme von der Nacht zum Freitag gefordert. Die USA hatten bereits am Donnerstag dem UN-Sicherheitsrat einen Resolutionsentwurf vorgelegt, der eine sofortige Feuerpause in Gaza vorsieht.

US-Außenminister zu Gesprächen in Israel

Diesen Freitag ist zudem US-Außenminister Anthony Blinken in Israel, um mit dem israelischen Regierungschef Benjamin Netanjahu über den Gaza-Krieg zu sprechen. Kardinal Pizzaballa rief im Interview am Vorabend alle dazu auf, nun ihre Kräfte zu vereinen:

„Schwäche der USA führt zu einem großen Dilemma“

„Alle religiösen, politischen und sozialen Gemeinschaften müssen alles ihnen Mögliche tun, um diese Lage zu überwinden. Die Schwäche der USA führt zu einem großen Dilemma: Bisher war immer jemand da, der die Sachen in Ordnung gebracht hat. Das ist nun nicht mehr so, und wir müssen uns hier kümmern. Ich weiß nicht, wie und wo das gehen soll", gesteht der lateinische Patriarch von Jerusalem. Sein Glaube gibt ihm jedoch Hoffnung:

„Trotz allem, trotz des Blutvergießens, die Hoffnung auf Gott Vater und die göttliche Vorsehung erneuern“

„Es werden schwierige Osterfeierlichkeiten sein. Ich denke an die Einsamkeit Jesu am See Genezareth, ein bisschen so fühlen auch wir alle uns jetzt in diesem Moment. Welche Mögklichkeiten gibt es? Schlafen, warten, dass die Sachen von selbst vorbeigehen, oder zum Schwert greifen - wie Petrus - aber das bringt keine Perspektiven, das haben wir gesehen. Oder die Antwort Jesu: Trotz allem, trotz des Blutvergießens, die Hoffnung auf Gott Vater und die göttliche Vorsehung erneuern. Das ist meiner Meinung nach das, was wir nun tun sollten", erklärt der lateinische Patriarch von Jerusalem, Kardinal Pierbattista Pizzaballa, anhand biblischer Beispiele. 

*Aktualisierung: 15:46 Uhr:

Waffenruhe-Resolution blockiert

Unterdessen zeigt sich Israel weiter entschlossen, die geplante Bodenoffensive in Rafah im Süden des Gazastreifens durchzuführen. Premierminister Netanyahu sagte beim Besuch von US-Außenminister Blinken am Freitag, man werde das notfalls auch ohne die Unterstützung der USA tun. Die von den USA eingebrachte Forderung nach einer völkerrechtlich bindenden Waffenruhe im Gazastreifen beim UN-Sicherheitsrat wurde von Russland und China blockiert, wie am Freitagnachmittag bekannt wurde. 

(tv2000/agenturen)

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22. März 2024, 10:42