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Kinder in einem Flüchtlingslager im südlichen Gaza-Streifen Kinder in einem Flüchtlingslager im südlichen Gaza-Streifen  (ANSA)

UNICEF: Versorgungslage der Kinder in Gaza verschlechtert sich

Die Versorgungslage für Kleinkinder im Gazastreifen ist besorgniserregend, wie ein Bericht des „Global Nutrition Cluster“ des Hilfswerkes UNICEF darlegt. Im Norden leidet eines von sechs Kindern an akuter Mangelernährung. 64 Prozent der Familien leben von einer Mahlzeit am Tag. 90 Prozent der Kinder unter fünf Jahre sind von Infektionskrankheiten betroffen. Hilfswerke fordern einen humanitären Korridor sowie einen sofortigen Waffenstillstand.

Der Bericht, der nun vorgestellt wurde, bezieht sich auf den Januar 2024. Besonders schlimm stellt sich die Situation im Norden des Gazastreifens dar, der von humanitärer Hilfe weitgehend abgeschnitten ist. 15,6 Prozent der Kinder dort sind von akuter Mangelernährung betroffen; drei Prozent leiden bereits an der besonders schweren Form, die das Sterberisiko bei Krankheiten und Komplikationen massiv erhöht.

Im Süden des Gebietes leiden 5 Prozent der Kinder unter zwei Jahren an akuter Mangelernährung. Vor Beginn der Kämpfe lag die Rate der Mangelernährung noch bei 0,8 Prozent. 90 Prozent der Kinder unter zwei Jahren und 95 Prozent der schwangeren oder stillenden Frauen befinden sich laut Bericht in einem Zustand schwerer Ernährungsarmut. Das bedeutet, dass die Nahrung, die sie konsumieren, von geringem Nährwert sind und sie nur Zugang zu wenigen Lebensmittelgruppen haben. 64 Prozent aller Haushalte nehmen nur eine Mahlzeit am Tag zu sich; fast alle gaben an, die Nahrung der Erwachsenen zu beschränken, damit die Kinder etwas zu essen haben.

„„Hunger und Krankheit sind eine tödliche Kombination"“

Hinzu kommt der fehlende Zugang zu Trinkwasser. Die untersuchten Familien hatten weniger als einen Liter sauberes Trinkwasser pro Tag zur Verfügung. Normalerweise sind es 15 Liter pro Person und Tag für Hygiene, Kochen und Trinken. Infolgedessen steigt auch die Anzahl der Infektionskrankheiten. 90 Prozent der Kinder unter fünf Jahren hätten sich in jüngster Vergangenheit eine Infektionskrankheit zugezogen, 70 Prozent litten an Durchfall.

Infektionskrankheiten steigen an

„Hunger und Krankheiten sind eine tödliche Kombination", sagt Mike Ryan, Exekutivdirektor des WHO-Notfallprogramms für Gesundheit. "Hungrige, geschwächte und traumatisierte Kinder werden eher krank. Und kranke Kinder, insbesondere solche mit Durchfall, können Nährstoffe nicht gut aufnehmen. Das ist gefährlich und tragisch, und es geschieht vor unseren Augen".

Es ist zu erwarten, dass sich die Situation ohne einen Anstieg der humanitären Hilfe rasach weiter verschlechtern wird. Der Großteil der Gesundheits-, Wasser-, und Abwassersysteme sind stark beschädigt. Die noch verbleibenden brauchen dringen Wartung und Reparatur. Ansonsten werde die Ausbreitung von Krankheiten noch steigen, so die Autoren.

Flüchtlingskinder stehen bei der Essensverteiling in einer Schule in Rafah an
Flüchtlingskinder stehen bei der Essensverteiling in einer Schule in Rafah an

Ruf nach sicherem Korridor und Waffenstillstand

„Der Gazastreifen wird eine Explosion der vermeidbaren Kindersterblichkeit erleben, die das ohnehin schon unerträgliche Ausmaß der Kindersterblichkeit noch verschlimmern wird", sagte Ted Chaiban, stellvertretender UNICEF-Generaldirektor für humanitäre Maßnahmen und Versorgungseinsätze. „Wir warnen schon seit Wochen davor, dass der Gazastreifen am Rande einer Ernährungskrise steht. Wenn der Konflikt jetzt nicht beendet wird, wird sich die Ernährungslage der Kinder weiter verschlechtern."

UNICEF, World Food Program und WHO fordern einen sicheren, ungehinderten und dauerhaften Zugang zu einer dringend nötigen sektorübergreifenden humanitären Hilfe im gesamten Gaza-Streifen. Dazu gehörten nahrhafte Lebensmittel, Nahrungsmittellieferungen und wichtige Dienstleistungen für unterernährte und gefährdete Kinder und Frauen, insbesondere Säuglinge und Kinder unter fünf Jahren, damit sie sicheren Zugang zu Gesundheits- und Ernährungsversorgung und Behandlungsdiensten hätten. Die Krankenhäuser und das Gesundheitspersonal müssten vor Angriffen geschützt werden, damit die notwendige Pflege und Behandlung sicher durchgeführt werden kann. Ein sofortiger humanitärer Waffenstillstand sei nach wie vor die beste Chance, Leben zu retten und das Leiden zu beenden.

(unicef/wfp/who – vn) 

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20. Februar 2024, 11:25