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P. Nikodemus Schnabel OSB in Jerusalem, Aufnahme von 2022 P. Nikodemus Schnabel OSB in Jerusalem, Aufnahme von 2022 

Jerusalemer Abt Nikodemus Schnabel: Angst ist spürbar

Pater Nikodemus Schnabel, Abt der Dormitio-Abtei in Jerusalem, berichtet im Podcast des Bistums Münster über das Leben in Israel nach dem 7. Oktober, über Antisemitismus und darüber, wie er Weihnachten unter diesen Umständen begeht.

Nach dem brutalen Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober war Pater Nikodemus einer der wenigen, die nach Israel wollten, und nicht weg von dort, berichtet der Benediktiner im Podcast „kannste glauben“ des Bistums Münster.  Darum stand der Jerusalemer Abt kurz nach dem 7. Oktober – dem Tag, als die Hamas in Israel eindrang – mit nur einer anderen Person am Grenzübergang, um einzureisen. Auf der Gegenspur Scharen von Touristen, die das Land verlassen wollten. Kurz nach dem 7. Oktober sei die Angst in Jerusalem spürbar gewesen. Das habe er bei abendlichen Spaziergängen deutlich gemerkt, erinnert sich Schnabel:

„Die allerersten drei Wochen waren mehr Katzen als Menschen unterwegs. Und wenn es Menschen gab, hat man sich von weitem gemustert und wirklich größtmöglichen Abstand gewählt. Man hat wirklich diese Skepsis, diese Angst voreinander gemerkt."

Hier zum Hören:

Auch wenn das Leben langsam in die Stadt zurückkehre - durch den Terrorakt sei zwischenmenschlich viel zerstört worden. Der 44-Jährige spricht auch über den weltweit wieder erstarkten Antisemitismus:

„Das beste Gegengift gegen Antisemitismus ist eine solide religiöse Bildung. Was diese wunderbare Hochreligion des Judentums wirklich bedeutet für unsere Welt, für unsere Geschichte und gerade jetzt auch für uns Christen", so der Benediktiner. 

Weihnachten wird anders sein

Israel hatte auf den Angriff vom 7. Oktober mit Angriffen auf Palästina reagiert und auch Bodentruppen nach Gaza geschickt. Einige Tage hatte es jüngst noch eine Waffenpause gegeben, bei der Geiseln und Gefangene ausgetauscht wurden und humanitäre Hilfen nach Gaza konnten. Inzwischen gehen die Kämpfe jedoch wieder weiter. Papst Franziskus hatte bei seinem Angelus am Sonntag erneut zu Frieden aufgerufen. Unterdessen kämpfen israelische Bodentruppen laut Medienberichten auch im Süden des Gazastreifens. Das bevorstehende Weihnachtsfest wird angesichts der angespannten Lage im Heiligen Land zweifellos anders sein, meint Schnabel. Das Geburtsfest des Friedensfürsten Jesus Christus sei gerade deshalb jedoch „wichtiger denn je“, sagt Abt Nikodemus:

 „Ich kann die Namen der Opfer zum Beispiel in die Krippe legen. Das kann ich. Diese Menschen einfach Gott anvertrauen", sagt er im Podcast des Bistums Münster. 

An Frieden in Israel glaubt der Abt weiterhin, „auch wenn dafür viele Menschen über ihre Schatten springen müssen“. Die Folge des Bistums-Podcasts „kannste glauben“ mit Abt Nikodemus Schnabel ist auf der Homepage von „kannste glauben“ abrufbar. Zudem können alle Folgen der Reihe bei Spotify, podcaster.de, Deezer, Google Play und Itunes kostenfrei angehört und abonniert werden.

(pm - sst) 

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04. Dezember 2023, 13:19