Einstweilen verhält sich ECOWAS ruhig in Niger Einstweilen verhält sich ECOWAS ruhig in Niger  (ANSA)

Niger: Eigentliche Themen sind Bodenschätze und Migration

Hinter dem angedrohten militärischen Eingriff der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS in Niger stehen wirtschaftliche und politische Interessen. Darauf macht im Gespräch mit uns der Comboni-Missionar Giulio Albanese aufmerksam, der auf lange Afrika-Erfahrung zurückblickt.

„In Afrika hat es in den letzten Jahren tatsächlich viele Putsche gegeben, allein 2020 bis 2022 in Mali und Burkina Faso, zum Beispiel. Man kann sich fragen: Warum hat die Ecowas in diesen Fällen nicht eingegriffen? Warum gab es keine Ultimaten? Die Wahrheit ist, dass es hinter den Kulissen die üblichen versteckten Interessen gibt, die vor allem mit der Ausbeutung von Rohstoffen, in erster Linie Uran, verbunden sind. Was den Niger betrifft, aber auch die großen Goldvorkommen. Und dann, dulcis in fundo, ist da noch die Frage der Migration. Erinnern wir uns, es gab in den letzten Jahren und gibt weiterhin einen ständigen Strom von Migranten aus Afrika südlich der Sahara, die in Richtung Mittelmeer drängen.“

Hier zum Hören:

„Hände weg von Afrika“: So hatte es Papst Franziskus vor einigen Monaten bei einem Besuch im Kongo gesagt. Eine Forderung, die auf nur zu wahre Gegebenheiten zielt, bemerkt Pater Albanese.

„Leckerbissen für die großen internationalen Akteure“

„Das Grundproblem ist, dass Afrika heute ein Leckerbissen für die großen internationalen Akteure ist, vor allem weil es reich an Rohstoffen ist. Deshalb wird das politische Geschehen in Afrika stark von mehr oder weniger versteckten Interessen beeinflusst, die von außen kommen. Der Staatsstreich in Niger passt einigen westlichen Großmächten nicht.“ Albanese sieht deshalb die Gefahr eines in Wirklichkeit internationalen Stellvertreterkriegs im Niger, sollte es tatsächlich zu einem militärischen Eingriff kommen.

Die ECOWAS will am Donnerstag über das weitere Vorgehen beraten. Die Staats- und Regierungschefs der Mitgliedsstaaten sollen in Nigerias Hauptstadt Abuja zu einem Treffen zusammenkommen. Das Ultimatum war am Sonntag ausgelaufen.

(vatican news – gs)

 

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08. August 2023, 11:02