Welche Zeichen der neue Präsident setzen wird, ist noch unklar - katholische Kirchenvertreter treibt auch bei dem Duterte-Nachfolger so manche Sorge um Welche Zeichen der neue Präsident setzen wird, ist noch unklar - katholische Kirchenvertreter treibt auch bei dem Duterte-Nachfolger so manche Sorge um 

Philippinen: Wie geht es mit neuem Präsidenten weiter?

„Wenn die neue Führung wieder anfängt, sich diktatorisch zu verhalten, wird sie mit viel Widerstand zu rechnen haben. Die Menschen werden das nicht einfach so hinnehmen“. Davon zeigt sich der Vorsitzende der philippinischen Bischofskonferenz mit Blick auf den neuen Präsidenten Ferdinand Marcos Jr. überzeugt.

Der Bischof von Kalookan Pablo Virgilio David betont gegenüber Catholic News Service zugleich, es sei zu diesem Zeitpunkt noch zu früh, um die Politik von Präsident Ferdinand Marcos Jr. zu beurteilen. Der Sohn des Diktators Ferdinand Marcos, der von 1965 bis 1986 Präsident der Philippinen war, hatte sich bei der Wahl im vergangenen Juni durchgesetzt und hat sich von der Schreckensherrschaft seines Vaters bislang nicht distanziert.

Sollte es auch unter Ferdinand Marcos Jr. zu Machtmissbrauch kommen, werde die Kirche dies nicht dulden, unterstreicht der Bischof von Kalookan. Der neue Präsident wisse sehr wohl, dass Kirchenvertreter „kein Blatt vor den Mund“ nahmen, als sie „die Regierung seines Vaters als diktatorisch und illegitim bezeichneten. Die katholische Bischofskonferenz hat sich sehr kategorisch gegen diese Diktatur ausgesprochen“, so der Bischofskonferenzvorsitzende.

Der neue Präsident
Der neue Präsident

Kirche erinnert an Unterdrückung und Verfolgung...

Der Diktator Marcos Sr. verhängte das Kriegsrecht im September 1972; es galt bis zu seinem Sturz vierzehn Jahre später. Im Lauf dieser Jahre wurden Tausende von Menschen vom Regime verfolgt. Der Diktator wurde 1986 durch einen unblutigen Volksaufstand gestürzt. An der damaligen Freiheitsbewegung war die katholische Kirche aktiv beteiligt. Viele Kirchenvertreter hatten es bei der Wahl vom Juni vor Hintergrund dieser Erfahrung der Unterdrückung vorgezogen, nicht Marcos Jr. ihre Stimme zu geben.

„Dieser Präsident hat eine Wahl nach der Verfassung gewonnen, die seinen Vater abgesetzt hat. Und er ist sich dessen bewusst. Wir sind jetzt ein demokratisches Land mit demokratischen Institutionen. Das muss er respektieren. Er muss das Gesetz respektieren“, zeigt sich Bischof David nach dem Wahlsieg von Marcos Jr. nun aber überzeugt. Der sieht allerdings auch, dass viele Filipinos die Lehren aus der Vergangenheit zu vergessen drohen. So habe Marcos Jr. im Wahlkampf „eine Kampagne der Desinformation und des Geschichtsrevisionismus“ gefahren – mit Erfolg.

..ortet aber Kurzsichtigkeit

„Die neue Führung gewann, indem sie behauptete, die Menschen seien unfair zu ihrem Vater gewesen und Marcos Sr. sei einer der besten Präsidenten gewesen, die dieses Land je hatte. Das hat funktioniert, weil die jüngere Generation keine Erinnerung an ihn hat und die Filipinos dazu neigen, sehr kurzsichtig zu sein, wenn es um historische Erinnerungen geht“, so der Bischof.

Der Präsident stehe unter großem Druck, sich zu beweisen, berichtet Bischof David weiter. „Er hat immer darauf hingewiesen, dass er nicht an den Taten seines Vaters gemessen werden sollte. Vielleicht ist dies seine Chance, sich zu beweisen, zu beweisen, dass er ein besserer Staatsdiener ist als sein Vater“, so der Bischof, der noch kein abschließendes Urteil fällen will. 

Proteste gegen den "Drogenkrieg" des ehemaligen Präsidenten Duterte
Proteste gegen den "Drogenkrieg" des ehemaligen Präsidenten Duterte

Menschenrechtsverletzungen bestehen fort

Sorge aber bereite der Kirche die Nähe von Marcos Jr. zur vorherigen Regierung Rodrigo Duterte, so Bischof Pablo Virgilio David. Marcos' Vizepräsidentin ist die Tochter von Duterte, Sara. Inwiefern der neue Präsident hier eine andere Richtung einschlagen wird, steht noch offen. Wichtig wäre laut Bischof David etwa, dass die neue Regierung gegen die immer noch verbreiteten außergerichtlichen Tötungen vorgehen müsse, die im Kontext von Dutertes so genanntem „Krieg gegen die Drogen“ stark zunahmen. Auch sorgte in den letzten Jahren die Praxis des so genannten „Red-Tagging“ für Schrecken unter kirchlichen Mitarbeitern und Menschenrechtsaktivisten. Ihnen wurde vorgeworfen, in Verbindung zu bewaffneten Oppositionsgruppen zu stehen. Viele von ihnen wurden nach solchen Vorwürfen ermordet.

(cns/ucanews – pr)
 

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11. Oktober 2022, 12:13