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Pakistan: Missbrauch des Blasphemie-Gesetzes nahm 2020 stark zu

Verhaftungen und Verurteilungen aufgrund angeblicher Blasphemie in Pakistan haben im Jahr 2020 stark zugenommen, vor allem in der Provinz Punjab.

Das berichtet das „Centre for Social Justice“ (CSJ) für das islamisch geprägte Pakistan. Die Angaben bestätigen die jüngsten Beobachtungen von „Kirche in Not“ (ACS), die aus dem Bericht zur weltweiten Religionsfreiheit 2021 hervorgehen.

Nach Angaben des CSJ wurden von 1987 bis Dezember 2020 mindestens 1.855 Personen auf Grundlage der Blasphemie-Paragraphen angeklagt – davon allein 200 im Jahr 2020, was die höchste Zahl seit Inkrafttreten des Gesetzes im Jahr 1986 sei. 75 Prozent seien Muslime, 3,5 Prozent Christen, ein Prozent Hindus.

Dunkelziffer noch höher

Die pakistanische Provinz mit dem höchsten Anteil an Missbrauch der Blasphemie-Paragrafen – 76 Prozent – sei Punjab, gefolgt von Sindh mit 19 Prozent. Im Dezember 2020 waren in Gefängnissen in Punjab 337 der Blasphemie beschuldigte Häftlinge untergebracht, davon allein 60 in Lahore. Mindestens 78 Personen seien aufgrund von Blasphemie-Anklagen getötet worden, darunter seien 42 Muslime, 23 Christen, neun Ahmadis, zwei Hindus und zwei Personen ohne geklärte religiöse Identität. Die Dunkelziffer der im Zusammenhang mit Blasphemie-Vorwürfen getöteten Menschen könnte laut Angaben des „Centre for Social Justice“ noch höher liegen.

Folgen für Minderheiten oft härter

Blasphemie-Anklagen würden sowohl gegen Muslime als auch gegen Angehörige religiöser Minderheiten erhoben, kommentierte der Direktor von Kirche in Not Italien, Alessandro Monteduro, die Daten. Wenn der mutmaßliche Täter kein Muslim sei, führen die Anklagen dabei oft zu „Lynchmorden, Mob-Angriffen auf ganze Stadtteile und Morde“. Die Zahl der Angehörigen von Minderheiten, die der Blasphemie beschuldigt würden, stehe dabei „in keinem Verhältnis zu ihrem Anteil an der Bevölkerung“, so Monteduro.

Seit Jahren wird das Blasphemie-Gesetz von Minderheiten und Menschenrechtsorganisationen in Pakistan wegen seines diskriminierenden Charakters und seines Missbrauchs angefochten. Laut dem CSJ-Bericht „Justice Yet Afar“ („Gerechtigkeit noch in weiter Ferne“) verläuft der Minderheitenschutz in Pakistan durch die Behörden immer noch schleppend.


(vatican news – pr)
 

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10. Mai 2021, 11:11