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Mexiko: Die Peripherien sind auf dem Vormarsch

US-amerikanische Grenzbeamte haben Tränengas gegen eine Gruppe von 150 Migranten aus Honduras benutzt. Die Migranten versuchten, einen Zaun an der US-mexikanischen Grenze im mexikanischen Tijuana zu durchbrechen. Die Lage ist katastrophal, sagt uns der italienische Missionar Flor Maria Rigoni, der in Mexiko Migranten betreut.

Mario Galgano und Adriana Masotti – Vatikanstadt

Die Nachricht lenkt die Aufmerksamkeit wieder auf die dramatische Realität an der Grenze zwischen Mexiko und den Vereinigten Staaten. Wie katholische Hilfseinrichtungen berichten, hatten die Migranten versucht, den Stacheldraht zu überqueren. In schweren Jacken und Decken waren sie gehüllt, auch ein Kleinkind war in der Gruppe. Die Grenzbeamten setzten Tränengas ein, nachdem sie mit Steinen beworfen worden waren. Insgesamt wurden 25 Migranten verhaftet. Doch eine neue Migranten-Karawane scheint bereits auf dem Vormarsch zu sein, wie Medien in den vergangenen Tagen berichten.

Pater Flor Maria Rigoni stammt aus Bergamo und gehört dem Missionsorden der Scalabrinianer an. Dieser hat es sich um Auftrag gemacht, Menschen zu helfen, die aus irgendeinem Grund gezwungen sind, ihre Heimat zu verlassen. Nach über 30 Jahren Einsatz in Japan, Deutschland und Afrika ist Pater Rigoni drei Jahrzehnte lang in Mexiko tätig, wo er ein Migrantenhaus leitet und zwar in Guadalajara. In der 11 Millionen großen und damit zweitgrößten Stadt Mexikos leben etliche der Migranten, die versuchen, weiter in die USA oder Kanada zu gelangen.

„Wenn ich auf diese Karawane blicke und ich auf meine 34-jährigen Erfahrung hier in Mexiko, dann bringt mich das zum Nachdenken. Ich würde es so zusammenfassen: Die Peripherien sind auf dem Vormarsch. Wir können nicht nur über eine Karawane sprechen, denn es waren mindestens vier oder mehr.“

Wem die Wartezeit nützt

Die Migranten seien an der Grenze etwa 20 Kilometer von der USA zusammen gebracht worden und sie warteten nun ab. Die Zeit scheint auf ihrer Seite zu sein, nicht aber das Klima. Denn es sei sehr kalt in Tijuana und die Regenzeit habe bereits begonnen, so der Missionar.

„Die Strategie der mexikanischen Seite ist es also, abzuwarten, dass die Migranten als Gruppe sich auflösen, eine nach der anderen. Diejenigen, die diesen Marsch organisiert haben, tun alles, was sie können, um sie zusammenzuhalten. Aber es handelt sich vor allem um Kinder und Frauen, die keinen Ausblick auf eine Lösung sehen. Selbst wenn sie es schaffen, in die Vereinigten Staaten zu gelangen, werden sie dort mindestens ein Jahr lang in Haftanstalten verbringen. Auch sind ja schon zwei Kinder gestorben, und das lässt einen nachdenken.“

Es sei auch falsch, von Wirtschaftsmigranten zu sprechen. Die Menschen, die aus Zentralamerika und vor allem aus Honduras fliehen, tun dies, um zu überleben, so Pater Rigoni.

„Es ist eine Situation rücksichtsloser, gesichtsloser Gewalt“

„Ich fasse es mit einem Satz einer Frau zusammen, von einer Mutter, die mich sprachlos gemacht hat: ,Pater, vergiss nicht, dass dort, wo ich wohne in El Salvador, jede Mutter ihren Sarg auf ihren Schultern mitträgt, denn jeder Moment und jeder Ort kann ihr Friedhof sein. Es ist eine Situation rücksichtsloser, gesichtsloser Gewalt. Ein ehemaliger Guerilla-Kämpfer sagte zu mir: ,Pater, du erinnerst dich, als wir in El Salvador waren, waren die beiden Fronten, die der Guerilla und der Armee, sehr stark ausgeprägt; heute sind wir von Gewalt und unsichtbaren Fronten umgeben, mit einer Maske, wo man dahinter deinem Bruder, ja sogar deinem Vater, begegnen kann.´“

Während die Medien vor allem auf die Grenze zu den USA blicken, vergesse man hingegen die Grenze Mexikos zu seinen südlichen Nachbarländer, erinnert der Migranten-Missionar weiter.

„Es ist traurig, dass die Kirche die einzige Stimme dieser Menschen geblieben ist“

„An der Südgrenze, wo die Migranten eintreten, sieht man Menschen mit Pistolenkugeln in den Beinen oder in der Brust, mit noch offenen Wunden, die durch Macheten verursacht wurden. Dies ist eine Realität, die nur selten berücksichtigt wird. Papst Franziskus ist wirklich zu einem Zeichen der Hoffnung geworden: Er verteidigt diejenigen, die wir ignorieren wollen, diejenigen aus den berühmten Peripherien, die wir immer weiter von uns entfernt sehen wollen. Und es ist auch traurig, dass die Kirche in dieser Hinsicht die einzige Stimme dieser Menschen geblieben ist.“

(vatican news)

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03. Januar 2019, 12:39