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Indigene aus Amazonien Indigene aus Amazonien 

Vorbereitungspapier für Amazonassynode: Natur, Glaube und Kirche

Die Kirche hat auch eine Seite, die eng mit Amazonas verbunden ist und deshalb sollen sich die Gläubigen auch mit Themen wie Nachhaltigkeit, Solidarität und Verantwortung gegenüber Mitmenschen und der Natur auseinandersetzen. Das sind die Anliegen, die im Vorbereitungspapier auf die Amazonassynode an diesem Freitag im Vatikan vorgestellt wurden.

Mario Galgano – Vatikanstadt

Für die Kirche ist es wichtig, „auf die indigenen Völker und alle Gemeinschaften, die im Amazonasgebiet leben, zu hören“, heißt es im Vorwort zum Vorbereitungsdokument zur Bischofssynode über Amazonien. Dieses große Treffen im Vatikan wird im Oktober 2019 stattfinden. In dem Dokument, das an diesem Freitag im Vatikan vorgestellt wurde, wird darauf hingewiesen, weshalb es so wichtig sei, dass sich die Kirche mit dem Amazonasgebiet auseinandersetzt. Die Entwicklungen in jener Region hätten einen großen Einfluss auf den ganzen Planeten.

 

Lunge der Welt

 

Der Amazonas-Urwald sei die „Lunge der Welt“ und deshalb von „größter lebenswichtiger Bedeutung für den Planeten“, heißt es in dem Dokument. Doch habe der fortwährende negative Einfluss der Menschen dazu geführt, dass dieses Gebiet eine „tiefe Krise“ durchmache. Grund für diese Krise sei „die Wegwerf-Kultur“, die die Natur ausbeute und die Menschenrechte missachte. Die Kirche müsse vor allem den Indigenen „Wege der Evangelisierung“ anbieten, die sie vor dieser Wegwerf-Kultur bewahre.

Amazonien sei auch „ein Spiegel der gesamten Menschheit“, wird in dem Dokument festgehalten, jeder Mensch trage Verantwortung. Was für das Amazonasgebiet gelte und erdacht werden soll, sei auch „eine Brücke für andere existenzielle Lebensgemeinschaften“. Als Beispiele werden das Kongo-Becken, der biologische Korridor Mesoamerikas und die tropischen Wälder im asiatischen Pazifikraum genannt.

Das Dokument ist in drei Teile gegliedert, die die Vorgehensweise der Lineamenta für die Bischofssynode zur Familie wieder aufnehmen: Sehen, Unterscheiden und Handeln. Der erste Teil ist somit eine Bestandsaufnahme der aktuellen Gegebenheiten und Probleme, der Situation der Ureinwohner und der geographischen Zusammenhänge. Im zweiten Teil geht es um die Unterscheidung, also darum, wie das Evangelium Jesu im Amazonasgebiet verkündet werden kann. Dabei wird eine besondere Betonung auf die pastorale Situation der Region gelegt, die - auch aufgrund ihrer Weitläufigkeit - einen Mangel an Priestern zu beklagen hat. Im dritten Teil geht es um konkrete Handlungsempfehlungen für ein „amazonisches Antlitz“ der Kirche, unter sozialen, ökologischen und pastoralen Aspekten. 

 

Eines der größten Naturgebiete weltweit

 

Im ersten Teil, bei dem es um das „Sehen“ geht, wird darauf hingewiesen, dass das Amazonasgebiet rund 7,5 Millionen Quadratkilomater groß ist und eines der größten Naturgebiete der Welt. Es wird daran erinnert, dass mehrere Länder dazu gehören, wie Brasilien, Bolivien, Ecuador, Peru und Venezuela. Auch müsse man bedenken, dass es sich nicht um einen homogenen Lebensraum handele. Das verbindende Element der Region sei durch den Fluss Amazonas das Wasser. Der Mensch habe sich im Laufe der Zeit und entsprechend der geografischen Lage an die jeweiligen Bedingungen angepasst. Soweit der Ist-Zustand.

Damit verbunden seien jedoch die Probleme: der Urwald werde von „großen wirtschaftlichen Interessen“ bedroht. Umweltzerstörung und Verschmutzungen seien weitere Gefahren. Dazu käme noch die Plage des Drogenhandels. Diese Einflüsse gefährdeten das Überleben der Amazonas-Bevölkerung. Das Modell „Gewinn ist wichtiger als menschliche Würde“ sei nicht mehr hinnehmbar.

Davon betroffen seien etwa drei Millionen Indigene, wird im Vorbereitungsdokument zur Amazonassyonde festgehalten. Das entspricht in etwa 390 Volksgruppen, die wiederum verschiedene Nationalitäten besitzen. Das Vatikandokument betont, dass diese Indigenen „eine besondere kulturelle Identität und einen spezifischen historischen Reichtum“ besäßen, die die Kirche zu schützen habe.

 

Indigene als schwächste Glieder der Gesellschaft

 

Die Indigenen des Amazonasgebiets müssten sich nicht nur mit diesen Problemen auseinandersetzen, sie seien an sich „eines der schwächsten Glieder“ in ihrem Gebiet. Die Kirche sei durch Missionare bei ihnen, um ihren Status zu schützen. Das habe in der Vergangenheit auch dazu geführt, dass sie ihr Leben lassen mussten, heißt es mit Verweis auf Verfehlungen der Kirche in der Geschichte. Das Dokument bezeichnet deshalb Amazonien auch als „Gebiet des Martyriums“.

Die Kirche müsse heute mithelfen, „altes Wissen mit zeitgenössischen Kenntnissen“ zu verbinden. Damit solle die persönliche, soziale und ökologische Harmonie, wie es auch in der Enzyklika „Laudato Si“ heißt, gefördert werden.

 

Der missionarische Auftrag der Kirche

 

Auch müsse die Kirche im Amazonasgebiet „mehr denn je auf die Stimme des Heiligen Geistes hören, die also sowohl die Einheit als auch die Verschiedenheit garantieren“ könne. Deshalb sei die seelsorgerliche Begleitung und Präsenz von „Hirten“ wichtig. Wie dies genau aussehen soll, wird in dem Dokument nicht näher beschrieben. Über solche und ähnliche Fragen dürften sich die Bischöfe bei der Synode kommendes Jahr auseinandersetzen.

Besonderes Augenmerk wird im Vorbereitungsdokument auf die Rolle der Frau und ihre Gestaltung des gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, religiösen und politischen Wandels gelegt. Angesichts ihrer „zentralen Rolle" im Leben der Kirche müsse sich die Synode mit der Frage befassen, „welche Art von offiziellem Amt der Frau übertragen werden kann". Es brauche auch „neue Wege, damit das Volk Gottes einen besseren und häufigeren Zugang zur Eucharistie haben kann". Die Bischöfe werden dazu ausdrücklich um Vorschläge dazu gebeten, welche „Dienste und Ämter mit amazonischem Profil" geschaffen werden müssten.

Die für Oktober 2019 geplante Bischofssynode trägt den Titel „Amazonien - neue Wege für die Kirche und eine ganzheitliche Ökologie". Das Gebiet Amazonien entspricht etwa dem Einzugsgebiet des Amazonas-Flusses in den Staaten Brasilien, Peru, Venezuela, Bolivien und Kolumbien. Es bedeckt fast die gesamte nördliche Hälfte des Kontinents Südamerika und zählt zu den wichtigsten Ökosystemen der Welt.

(vatican news/kna)

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08. Juni 2018, 11:14