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Es liegt noch ein langer Weg bevor Es liegt noch ein langer Weg bevor 

Österreich: Kirche bei Missbrauchsprävention noch nicht am Ziel

Kein Tabu Thema mehr, aber eines, mit viel Klärungsbedarf: der Umgang mit Missbrauch und seine Prävention. Bei der zweiten Fachtagung im deutschsprachigen Raum, die bis Donnerstag stattfindet, kamen Expertinnen, Experten und Bischöfe aus Österreich, Deutschland und der Schweiz in Wien zusammen, sowohl persönlich als auch online, um sich auszutauschen.

Ingrid Lackner, die österreichweite Koordinatorin der Stabsstellen für Prävention von Missbrauch und Gewalt, zog bei einer Fachtagung in Wien eine Zwischenbilanz: Die Prävention von Missbrauch in der katholischen Kirche Österreichs sei trotz Fortschritten noch nicht an ihr Ziel gelangt. Sie betonte den Aufholbedarf beim Grundverständnis von Prävention. Obwohl seit 2010 Stabsstellen in allen österreichischen Diözesen eingerichtet wurden, gäbe es laut Lackner immer noch Verbesserungsbedarf, insbesondere im Umgang mit spiritueller Gewalt.

Eine Aufgabe aller

Aufholbedarf sah Lackner insbesondere beim Grundverständnis von Prävention. Diese müsse Aufgabe aller sein, „vor allem aber auch Leitungsverantwortung". Vielfach sei dies jedoch „nicht durchgesickert“. Der Wiener Weihbischof Franz Scharl betonte die Notwendigkeit, die Kirche zu einem sicheren Ort für alle zu machen. Er verwies auf das jüngste Vatikan-Dokument „Dignitas infinita". Missbrauch werde darin als „Verbrechen gegen die Menschenwürde" und als Narben hinterlassende Verletzung des Menschen in dessen Gesamtheit bezeichnet. Eingeräumt werde, dass Missbrauch ebenso wie die Gesellschaft auch die Kirche selbst betreffe und ein „ernsthaftes Hindernis für ihre Sendung" darstelle. „Darum setzt sie sich unermüdlich ein, um allen Arten von Missbrauch ein Ende zu setzen - und zwar beginnend im Inneren der Kirche", las der Bischof aus Punkt 43 vor.

Kultur der Achtsamkeit

In Deutschland und der Schweiz werde ebenfalls an der Verbesserung der Prävention gearbeitet, mit dem Ziel, eine Kultur des achtsamen Miteinanders zu schaffen und aus Fehlern zu lernen. Sabine Hesse, Sprecherin der Bundeskonferenz der Präventionsbeauftragten der deutschen Bistümer, sprach über die Umsetzung der von den deutschen Bischöfen beschlossenen Rahmenordnung Prävention. Sie betonte die Wichtigkeit einer verbesserten Zusammenarbeit zwischen Prävention und Intervention sowie klarer Zuständigkeiten für Aufklärung.

Schweizer Forschungsprojekt

Für die katholische Kirche in der Schweiz berichtete Stefan Lobbacher, Präventionsbeauftragter der Diözese Chur, das Thema Missbrauch werde in der Eidgenossenschaft „maximal heterogen" und kleingliedrig angegangen, bedingt durch unterschiedliche Kirchenstrukturen. Er und seine Kollegen verstünden sich bei den Präventionskursen oder in der Öffentlichkeitsarbeit als „systemkritisch", denn „es darf in der Kirche keine brave, angenehme Prävention geben, die nur abnickt". Klar sei für ihn, dass die bisher „sehr gut gepflegte Mär von der besseren Kirche" - wonach etwa demokratische Strukturen mit viel Laien-Mitbestimmung wie in der Schweiz vorhanden ein Korrektiv für Missbrauch seien - nicht zuträfen. Das von Lobbacher erwähnte Pilot- und Forschungsprojekt zur Geschichte des sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche seit 1950 war 2022 gestartet worden, der Schlussbericht soll 2027 präsentiert werden.

(kna - sb)

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11. April 2024, 09:51