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Der Dom zu Aachen Der Dom zu Aachen 

D: Strukturreform in Aachen stößt auf Widerstand

Wie andere Bistümer auch plant das Bistum Aachen eine Reform der pastoralen Struktur. Aus 326 Pfarreien sollen acht Großpfarreien werden. Das stößt auf den Widerstand lokaler Initiativen. In diesen Tagen schickten sie zwei offene Briefe nach Rom.

Am Wochenende waren bekanntgeworden, dass sich Kritiker in zwei Schreiben gegen die Reformen wenden. Aufgrund der schwindenden Mitgliederzahl der Katholischen Kirche und des Mangels an Priesteramtskandidaten stellen zahlreiche Bistümer in Deutschland ihre pastorale Struktur um. So auch in Aachen. Die Pläne des Bistums sehen die Errichtung von acht Großpfarreien mit bis zu 140.000 Katholiken vor. Zudem soll das Bistum in 44 „pastorale Räume“ gegliedert werden.

„Die Frage, die sich jetzt stellt, lautet: Wie viele Kirchengemeinden bleiben in den Pastoralen Räumen noch übrig?“, so  schildert Dieter Verheyen, einer der Autoren der Briefe und Mitbegründer der Initiative „Kirche bleibt hier“, gegenüber der Katholischen Nachrichtenagentur (KNA) den Inhalt. Zudem seien weitere Fragen offen, beispielsweise die nach dem Verbleib des Vermögens der Pfarreien. Auch die Situation der Gläubigen mache Verheyen Sorgen. Vor allem auf dem Land verlören die Menschen den Kontakt zur Kirche. 

Die Initiative um Dieter Verheyen schlägt vor, die Pfarreien auf 85 zu reduzieren, die jeweils maximal 25.000 Mitglieder haben dürften. Grundsätzlich regen die Unterzeichner an, Strukturreformen in den deutschen Bistümern abgestimmt und in vergleichbarer Form durchzuführen, damit „die katholischen Christen insgesamt wieder ein Verständnis des Aufbaus der katholischen Kirche in den jeweiligen Bistümern hätten“, so Verheyen. Da das Bistum nicht reagiert habe, sei man auf die Idee eines Briefes an Papst Franziskus, den apostolischen Nuntius in Deutschland, Erzbischof Nikola Eterović sowie die zuständige Behörde des Vatikans gekommen. 

Bistum verteidigt Reform

Einen ähnlichen Brief erhielten Papst und Nuntius, der vom Vorstand des Diözesanrats der Katholiken im Bistum Aachen sowie mehr als 35 weiteren Unterzeichnern verfasst wurde. Die Pläne des Bischofs seien „allenfalls dazu angetan, die Wirtschaftlichkeit des Bistums zu stabilisieren", heißt es in dem Brief. „Reformen im Sinne der Glaubensvermittlung und dessen Weitergabe an zukünftige Generationen sind sie aber gewiss nicht.“ Die Kommunikation mit der Bistumsleitung sei nicht zufriedenstellend gelaufen. Die Initiatoren erhoffen sich ein ähnliches Vorgehen wie im Bistum Trier. Dort forderte der Vatikan zu Nachbesserungen bei der Strukturreform auf. Die 2019 gegründete Initiative stehe inzwischen mit 270 Kirchenvorständen in Kontakt, mit 140 Gemeinden pflege man einen regelmäßigen Austausch. „Wir haben uns Sorgen gemacht und um Antworten gebeten", so Verheyen. 

Über das Vorhaben habe es auf allen Ebenen der Diözese eine intensive Auseinandersetzung im Rahmen des 2018 gestarteten „Heute bei dir"-Prozesses gegeben, erklärte das Bistum am Montag auf Anfrage der KNA. Das von Bischof Helmut Dieser erlassene Dekret zur Errichtung neuer Seelsorgeräume sei nach der Abstimmung mit regionalen Räten erfolgt. Für die Übernahme der Ergebnisse hätten sich zudem Priesterrat und Diözesanpastoralrat jeweils mit absoluter Mehrheit ausgesprochen - bei nur einer Gegenstimme im Priesterrat und einer Enthaltung im Diözesanpastoralrat, hieß es. Die Kirchengemeinden und Gremien berieten derzeit intensiv über ihr Zusammenwachsen in den „Pastoralen Räumen", ihre Schwerpunkte in der Seelsorge und ihr Selbstverständnis.

(kna – ww)

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05. Februar 2024, 14:47