Dürre in Somalia - Aufnahme von Ende Mai 2022 Dürre in Somalia - Aufnahme von Ende Mai 2022 

D: Riesige Finanzierungslücke bei Hilfsgeldern

„Die Hilfen für notleidende Menschen in der Ukraine dürfen nicht von anderen Krisen ablenken.“ Das fordert Caritas international an diesem Samstag in einer Erklärung.

„Im Jahr 2022 wurde weltweit nicht einmal die Hälfte der benötigten Hilfsgelder bereitgestellt“, so das Hilfswerk des Deutschen Caritasverbands. „Die Folge: Hunger und Flucht nehmen zu.“

In Afghanistan seien mehr als 20 Millionen Menschen akut von Hunger bedroht. In Somalia verschärften Konflikte, der Klimawandel und Preissteigerungen die Not so sehr, dass ein Drittel der Bevölkerung in Not sei, und mit mehr als 100 Millionen befänden sich im Jahr 2022 weltweit so viele Menschen wie nie auf der Flucht.

„Noch mehr Menschen werden hungern oder müssen fliehen“

„Die Situation ist dramatisch“, sagt Oliver Müller, Leiter von Caritas international. „Es braucht jetzt dringend ein Mehr an weltweiter Solidarität, damit wir schnellstmöglich die Not lindern können. Falls nicht, drohen der Welt noch mehr Krisen und Konflikte. Das bedeutet: Noch mehr Menschen werden hungern oder müssen fliehen.“

Studentinnen am 21. Dezember in Kabul (Afghanistan)
Studentinnen am 21. Dezember in Kabul (Afghanistan)

Schon jetzt seien weltweit mehr als 300 Millionen Menschen, die Hälfte davon Kinder, auf humanitäre Hilfe angewiesen. 80 Prozent dieser Menschen lebten in nur 20 Ländern. Um diesen Menschen ausreichend zu helfen, hätte es, wie Caritas international eine UNO-Einschätzung wiedergibt, im Jahr 2022 insgesamt 51,7 Milliarden Dollar an Hilfsgeldern benötigt.

„Wir waren schon einmal weiter“

„Lediglich 24,3 Milliarden, also nicht einmal die Hälfe, sind von der internationalen Staatengemeinschaft zur Verfügung gestellt worden. Nur zum Vergleich: Allein das als Reaktion auf den Krieg in der Ukraine in Deutschland beschlossene Sondervermögen für die Bundeswehr hat ein Volumen von 100 Milliarden Euro.“

Bei allem Verständnis für innenpolitische Belange sei es zu kurz gedacht, ausgerechnet bei der humanitären Hilfe den Rotstift anzusetzen, so Müller. „Auch im Sinne unserer eigenen Stabilität müssen wir dringend die Not von Menschen in Afghanistan, Syrien oder vielen afrikanischen Ländern langfristig bekämpfen. Dass dies möglich ist, haben in der Vergangenheit die Erfolge bei der weltweiten Bekämpfung des Hungers gezeigt. Wir waren schon einmal weiter.“

Finanzierungslücke von genau einer Milliarde Dollar

Die gemeinsamen Kraftanstrengungen für Ukrainerinnen und Ukrainer in Not hätten 2022 zudem eindrucksvoll bewiesen, was möglich sei, wenn ein gemeinsamer politischer Wille bestehe. Anfang Dezember habe etwa in Paris eine Geberkonferenz von mehr als 50 Staaten der Ukraine zusätzlich eine Milliarde Dollar für dringend benötigte Winterhilfe zugesagt. „Ein wichtiges Signal“, so Müller.

„Mindestens genauso wichtig wäre es allerdings, schnellstmöglich den 5,6 Millionen Menschen, die in Somalia von Hunger und Armut betroffen sind, mit der gleichen Summe beizustehen.“ Die Finanzierungslücke zwischen zugesagter und ausbezahlter Hilfe in dem Land am Horn von Afrika betrage exakt eine Milliarde Dollar.

(vatican news – sk)
 

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24. Dezember 2022, 12:38